15.05.2013, 15:57 Uhr | akl
Ob Sharon Osbourne (60) oder jüngst Angelina Jolie: Immer wieder hört man von Frauen, die sich - aus Angst an Brustkrebs zu erkranken - vorsorglich beide Brüste amputieren lassen. Doch muss dieser drastische Schritt wirklich sein? "Nein", sagt Professorin Rita Schmutzler vom Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Köln. Wir haben die Expertin gefragt, wann eine Brustamputation wirklich sinnvoll ist.
"Eine vorbeugende Amputation der Brust, wenn die Frau noch keinen Brustkrebs hat, ist nicht ratsam", sagt die Expertin. Es gebe nur wenige Fälle, in denen Ärzte gemeinsam mit der Patientin über einen solchen Schritt nachdenken. "Das ist bei Frauen der Fall, die krankheitsauslösende Veränderungen, also Mutationen, in den Hochrisiko-Genen BRCA1 beziehungsweise BRCA2 in sich tragen", erklärt Schmutzler. Sind in der Familie Brustkrebsfälle bekannt, kann der Arzt die Patientin gezielt auf dieses Gen untersuchen. Trägt die Patientin keine solche Genmutation in sich, ist eine Amputation in der Regel unnötig.
Trägt die Patientin eine Genmutation in sich, ist eine Amputation zwar eine Möglichkeit, aber "der Arzt sollte die Betroffene genau aufklären und gemeinsam mit ihr weitere präventive Möglichkeiten besprechen". Die Entscheidung, sich die Brüste abnehmen zu lassen, liegt dabei ganz allein bei der Erkrankten. "Die Ärzte sollen bei der Entscheidungsfindung helfen, aber nicht zu solch einem drastischen Schritt raten. Denn: Ein Teil der Hochrisikopatienten erkrankt nie an Brustkrebs", erklärt Schmutzler.
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In Deutschland wird jedes Jahr bei etwa 74.500 Frauen die Diagnose Brustkrebs gestellt. Experten gehen davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Fälle auf erbliche Faktoren zurückzuführen sind.
Trägt die Patientin das mutierte Gen in sich, beträgt ihr Brustkrebsrisiko 60 bis 70 Prozent. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken liegt bei 20 bis 30 Prozent. "Doch für Eierstockkrebs gibt es keine Früherkennungsmaßnahme. Daher wird bei diesen Frauen bereits ab dem 40. Lebensjahr häufig die Entfernung der Eierstöcke empfohlen", erklärt Schmutzler.
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Muss die Brust wirklich abgenommen werden, gibt es gute Möglichkeiten, diese zu rekonstruieren. "Neben Fremdgewebe kann auch Eigengewebe, beispielsweise aus der Hüfte, genommen werden. Arzt und Patientin besprechen gemeinsam die Möglichkeiten", erklärt die Krebsexpertin.
Wird Brustkrebs frühzeitig entdeckt, liegen die Heilungschancen bei bis zu 90 Prozent. Neben der Selbstuntersuchung können Frauen ab 30 Jahren einmal im Jahr ihre Brust von einem Arzt abtasten lassen. "Frauen ab 50 sollten alle zwei Jahre das Mammographie-Screening der Brust durchführen lassen. Dieser Zeitraum ist bei unauffälligem Befund völlig ausreichend", sagt Schmutzler.
"Nur bei auffälligen Befunden oder erblicher Vorbelastung sollten die Untersuchungszeiträume enger zusammenliegen. Das sollte dann aber individuell mit dem Arzt entschieden werden." Zu den Hauptrisikofaktoren für Brustkrebs zählt neben dem Alter - ab 50 Jahren steigt das Risiko deutlich an - auch das Trinken von Alkohol. Wer raucht, erhöht sein Risiko ebenfalls.
Die Angst vor einer möglichen Erkrankung sei kein guter Ratgeber. Über eine Amputation solle man erst dann nachdenken, wenn eine Risikosituation vorliege, rät die Krebsexpertin. Wichtig ist, dass sich die Patientinnen informieren und ausführlich beraten lassen, bevor sie eine Entscheidung treffen: In Deutschland gibt es 15 Zentren des Verbundprojektes "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs".
An diese Zentren können sich Frauen wenden, die befürchten, eine erbliche Veranlagung für Brustkrebs zu haben. Die Adressen sind über die Homepage der Deutschen Krebshilfe aufrufbar. Eines der Ziele ist es, unnötige Ängste zu nehmen. Denn: "In der Regel schätzen Frauen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, höher ein als es tatsächlich ist", sagt Schmutzler.
Quelle: akl
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