09.03.2011, 15:05 Uhr | dpa
Soziale Beziehungen sind eine Zutat im Glücksrezept. (Foto: dpa)
Für Glück gibt es kein Rezept, heißt es. Oder doch? Immer mehr Wissenschaftler befassen sich mit der Definition, der Entstehung und Wirkung von Glück. Dabei betrachten sie soziale, ökonomische oder psychologische Aspekte. Alle suchen nach einer griffigen Glücksformel. Ein paar unverzichtbare Zutaten für das Rezept zum Glück scheint es tatsächlich zu geben. Das zeigt ein Streifzug durch die Thesen renommierter Glücksforscher, die nun als Sammelband vorliegen ("Glück - The World Book of Happiness", Dumont).
"Wie zufrieden sind Sie, alles in allem, zurzeit mit ihrem Leben als Ganzes?" Diese Frage hat Professor Ruut Veenhofen von der Erasmus Universität in Rotterdam in 148 Nationen gestellt. Spitzenwerte auf einer Skala bis 10 erzielten Costa Rica (8,5) Dänemark (8,3), Kanada und die Schweiz (je 8,0). Am wenigsten glücklich sind die Menschen in Togo (2,6), Tansania (2,6) und Simbabwe (2,8). Deutschland liegt mit 7,1 Glückspunkten im oberen Fünftel - punktgleich mit Nicaragua und deutlich hinter Mexiko.
Geld oder Wohlstand seien keineswegs Garanten für das gefühlte Glück, betonen die meisten Forscher. Es wächst nicht mit dem materiellen Wohlstand stetig weiter an. "Wenn Menschen die Armutsgrenze hinter sich gelassen haben, trägt ein höheres Einkommen fast nichts zu ihrem Glück bei", sagt Professor Robert Lane von der Yale University.
Mit bescheidenem Komfort glücklich zu sein, bedeutet: Sich nicht mit anderen vergleich, die mehr haben. "Befreien Sie sich von Neid!", empfiehlt Professor David Watson von der Universität Iowa in den USA. An diesem Punkt scheiden sich allerdings auch die Geister der Glücksforscher: Je nach kulturellem Hintergrund stellen sie mehr die individuelle Entwicklung und das rein persönliche, sich aktiv zu erobernde Glück in den Mittelpunkt oder aber den Dienst an der Gemeinschaft. Letzteres sehen vor allem asiatische Wissenschaftler als Schlüssel zum Glück.
Ebenso unterschiedlich sind die Auffassungen, welche Rolle Glaube und Religion für das Glück des Einzelnen spielen. Viele Wissenschaftler sehen jedoch zumindest den Faktor Spiritualität als wichtig an. Reine Vernunftmenschen, so scheint es, sind weniger glücklich.
Aber ist die Fähigkeit zum Glücklichsein vielleicht in die Wiege gelegt? "50 Prozent unseres Glückspotenzials sind angeboren. Zehn Prozent sind den Lebensumständen zuzuschreiben. Aber 40 Prozent des Glückspotenzials liegen in unserer Hand", sagt die Sozialpsychologin Professor Sonja Lyubomirsky von der University of California. Glücksfähigkeit kann erlernt und trainiert werden, sagen auch andere. Etwa, indem man Fehler als Lernerfahrungen umdeutet und den Blick auf Positives richtet.
Andere Forscher betonen in ihren Arbeiten die Wichtigkeit von Sport, Humor, sinnvoller Arbeit, Gesundheit oder Sex für ein glückliches Leben. Auch die Fähigkeit, seine Zeit mit Bedacht einzuteilen, wird als Glücksfaktor genannt. Oder das Bestreben, sich ein lebensfrohes Temperament anzutrainieren.
Weltweit verspricht eine Marschrichtung Aussicht auf Erfolg: Die Fähigkeit, sich als soziales Wesen zu erleben. Ob nun Freunde, Partnerschaft oder Familie - man sollte enge, verlässliche Bindungen pflegen und Netzwerke aufbauen, die einen auch selbst tragen.
Und was ist nun mit dem Glücksrezept? Die kroatischen Psychologinnen Dubravka Miklovic und Majda Rijavec von der Uni Zagreb nennen sechs unerlässliche Zutaten: Einige gute, zuverlässige Freunde. Eine stabile Liebesbeziehung. Eine Arbeit, die zu den eigenen Fähigkeiten passt. Genug Geld für Grundbedürfnisse. Mindestens drei schöne Erlebnisse am Tag. Dankbarkeit für das alles.
09.03.2011, 15:05 Uhr | dpa
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