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Organspende: Schwierige Entscheidung lastet meist auf den Angehörigen

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Die schwierige Entscheidung lastet meist auf den Angehörigen

30.01.2012, 15:06 Uhr | dpa, tze, dpa

Organspende: Schwierige Entscheidung lastet meist auf den Angehörigen. War der verstorbene Angehörige bereit zur Organspende? (Quelle: imago)

War der verstorbene Angehörige bereit zur Organspende? (Quelle: imago)

In neun von zehn Fällen müssen die Angehörigen über eine mögliche Organspende entscheiden, weil der Verstorbene seinen Willen nicht in einem Organspendeausweis oder in anderer Form dokumentiert hat. Das stellt Familienmitglieder vor eine schwierige Entscheidung und kostet Menschenleben.

Was hätte der Verstorbene gewollt?

Nur knapp sieben Prozent der Deutschen hatten 2011 ihre Entscheidung schriftlich hinterlegt, zum Beispiel mit einem Organspendeausweis. Das geht aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. 28 Prozent hatten sich vor ihrem Tod zumindest mündlich geäußert. In 42 Prozent der Fälle waren die Angehörigen bei ihrer Entscheidung auf den "mutmaßlichen Willen" des Verstorbenen angewiesen. In jedem vierten Fall gab es gar keinen Anhaltspunkt, ob der Tote für oder gegen Organspende war.

Bedarf an geschulten Organspende-Koordinatoren

"Diese Bitte um Entscheidung bedeutet für die Angehörigen die schwierigste Frage inmitten einer Situation von Trauer und Verzweiflung. Die Ärzte auf der Intensivstation werden in der Ausbildung meist nicht auf diese Gespräche vorbereitet, hinzukommen Arbeitsüberlastung und Zeitmangel der Mediziner", schreibt die DSO in einer Pressemitteilung. Die DSO fordert daher, dass es an mehr Kliniken speziell ausgebildete Organspende-Koordinatoren geben sollte, die Familienmitglieder ausführlich und ohne Zeitdruck beraten können.

Angehörige sind überfordert

Damit die Ärzte auf solche Gespräche besser vorbereitet sind, organisiert die DSO Workshops zum Thema "Entscheidungsbegleitung für Angehörige". Anne-Bärbel Blaes-Eise hat schon viele solcher Seminare gegeben und kennt diese belastenden Gesprächssituationen. Viele Angehörige sagen ihrer Einschätzung nach nicht etwa deswegen "Nein", weil sie glauben, dass der Verstorbene gegen eine Organspende gewesen wäre, "sondern weil sie nichts falsch machen wollen - und weil ihnen in dem Moment einfach alles zu viel ist."

Stresssituation auch für die Ärzte

"Unser Problem sind nicht diejenigen, die sich zu Lebzeiten gegen eine Organspende entscheiden, sondern die, die gar nichts sagen. Die muten ihren Angehörigen eine schwere Last zu." Auch für die Ärzte sei das Gespräch mit den Angehörigen schwierig. Häufigste Fehler: zu früh, zwischen Tür und Angel, zu wenig Einfühlungsvermögen, unnötiger Zeitdruck: "Die Angehörigen müssen das Tempo vorgeben."

Angst vor der Entscheidung kostet Menschenleben

"Die Ablehnungsrate ist mit über 40 Prozent am höchsten, wenn die Entscheidung alleine im Ermessen der Angehörigen liegt", folgert die Stiftung. "Aus Unsicherheit, die falsche Entscheidung zu treffen, kommt es hier in vier von zehn Fällen zu einer Ablehnung der Organspende." Das bedeutet, dass weniger Menschenleben durch eine Organspende gerettet werden können. Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist 2011 wieder deutlich gesunken. Nach Angaben der DSO spendeten im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe, 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Jeder soll seine Haltung zur Organspende angeben

Im vergangenen Jahr haben sich Gesundheitsexperten aller Fraktionen im Bundestag gemeinsam mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf eine Neuregelung der Organspende geeinigt. Die Bereitschaft der Bürger zu einer Spende soll regelmäßig abgefragt werden, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte. Die Details einer künftigen Regelung sind noch umstritten.

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