01.11.2012, 13:34 Uhr | amr, dapd
Zum ersten November trat die Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Innerhalb der nächsten zwölf Monate bekommen alle Bürger über 16 Jahren Post von ihrer Krankenversicherung: Mit dem Start der Organspendereform haben die Kassen nun ein Jahr Zeit, ihren Versicherten einen Organspendeausweis mit Informationen darüber zu schicken. Zur Antwort verpflichtet ist jedoch niemand. Die Techniker Krankenkasse beginnt direkt mit dem Versenden der Organspendeausweise, andere Kassen warten noch. Sieben Fakten zur Organspende in Deutschland.
Die im Bundestag über die Fraktionsgrenzen hinweg beschlossene Entscheidungslösung soll die Spendebereitschaft erhöhen. Alle Versicherten sollen mit der Kampagne informiert und um eine Entscheidung gebeten werden. Bisher musste man sich aktiv um das Thema kümmern und gegenüber den Angehörigen oder per Ausweis seine Spendebereitschaft bekunden, wenn man nach dem Tod seine Organe zur Verfügung stellen wollte.
Die Krankenkassen haben bis November 2013 Zeit, ihre Mitglieder anzuschreiben. Die Techniker Krankenkasse (TK) will allerdings nicht so lange warten. "Die Berichte über mögliche Manipulationen bei einigen Organvergaben haben viele Menschen verständlicherweise verunsichert", sagte TK-Chef Jens Baas der dapd. "Daher sind wir der Meinung, dass sie gerade jetzt sachliche und ergebnisoffene Informationen brauchen", betonte er. Die Rund sieben Millionen TK-Versicherte erhalten ab Donnerstag Post mit Informationen zur Organspende und einen Organspendeausweis.
Das Gesetz sieht eine regelmäßige Befragung durch die Krankenkassen vor. zum Video
Andere Kassen lassen sich dagegen mehr Zeit mit dem Versenden des Materials: So wollen etwa die AOK, die Barmer GEK und die DAK erst Anfang nächsten Jahres damit beginnen. Alle Kassen weisen daraufhin, dass sie auch vorher schon regelmäßig über Organspende informiert hätten und Sorgfalt vor Schnelligkeit walten lassen wollten.
Derzeit warten in Deutschland rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Hunderte sterben jährlich, weil sich kein Spender findet. Durch die jüngsten Organspendeskandale ist die Spendebereitschaft noch einmal deutlich zurück gegangen. Im Oktober wurden laut Deutscher Stiftung Organtransplantation lediglich 59 Organe in Deutschland gespendet, gut 40 weniger als sonst üblich. Grundsätzlich ist nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Bereitschaft zur Organspende jedoch vorhanden. 74 Prozent der Befragten gaben an, zu einer Organ- und Gewebeentnahme nach ihrem Tod bereit zu sein. Allerdings besitzen nur 25 Prozent einen entsprechenden Spenderausweis.
Trotz rückläufiger Spendebereitschaft hält Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die neuen Regelungen zur Organspende für ausreichend. Ein "Entscheidungszwang" wäre dagegen kein guter Weg, sagte Bahr im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Mit der jetzt in Kraft tretenden Lösung könnten sich die Menschen "als mündige Bürger aktiv für oder gegen eine Organspende entscheiden". Einen direkten Zusammenhang zu den Manipulationsskandalen an den Kliniken in Regensburg und Göttingen wollte Bahr in einem Interview im Deutschlandfunk nicht ziehen. "Die Spendenbereitschaft ist seit Anfang des Jahres stagnierend - leider", sagte Bahr, da seien die Vorfälle in Regensburg und Göttingen noch nicht bekannt gewesen.
Quelle: amr, dapd
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