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Zoo Duisburg: Tierpflegerin bemuttert verweistes Kängurubaby "Lucy"

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"Eine Hand voll Känguru"  

Waisenkind "Lucy" entzückt den Duisburger Zoo

07.11.2015, 14:44 Uhr | Luisa Houben, dpa

Im Duisburger Zoo entwickelt sich gerade eine Liebe zwischen Mensch und Känguru: Tierpflegerin Anna-Lena Hohmann kümmert sich aufopferungsvoll um das Waisenkind "Lucy" - ein Bürstenschwanzkänguru.

Vorsichtig öffnet Anna-Lena Hohmann den selbstgehäkelten, blauen Beutel, den sie um den Hals und unter ihrem olivgrünen Polo-Shirt trägt. Heraus schauen die zwei dunklen Knopfaugen des mausgroßen Bürstenschwanzkängurus "Lucy". Sie ist schon fast vier Monate alt, bringt aber nur 180 Gramm auf die Waage. "Eine Hand voll Känguru", sagt Hohmann und grinst. Egal wohin die Tierpflegerin des Zoo Duisburg in den vergangenen Wochen geht, egal was sie macht - "Lucy" ist mit dabei.

Australische Milch für Kängurubaby "Lucy"

Im Koalahaus des Duisburger Zoos ist Fütterungszeit. Für das Kängurubaby gibt es spezielle Milch aus Australien, und neuerdings stehen auch Pilze, Süßkartoffeln oder Möhren auf "Lucys" Speiseplan. Alles ist in mundgerechte Stücke zurechtgeschnitten, denn "Lucy" soll lernen, ihre Nahrung auch selber zwischen den Krallen zu halten, obwohl sie auf dem Schoß ihrer Pflegerin sitzt.

Vor mehr als zwei Wochen hat Hohmann das alleingelassene, verfrorene Kängurubaby im Gehege gefunden. "Ich habe sie in ein Handtuch gewickelt und auf die Heizung gesetzt, damit ihr warm wurde." Weil das Muttertier gestorben war, wusste die 29-jährige Pflegerin direkt, dass sie sich kümmern muss.

Bürstenschwanzkänguru muss Herzschlag hören

Seitdem richtet sich der Alltag der Pflegerin nach den Bedürfnissen ihres Schützlings: "Lucy" darf nicht frieren, sie muss immer den Herzschlag der Mutter hören und spüren können. Nach Feierabend kommt "Lucy" mit zum Einkaufen in den Supermarkt und ins Restaurant. "Nur wenn ich duschen muss, hänge ich den Beutel an die Heizung. Aber durch die Glaswand kann ich sie dann trotzdem sehen." Zuhause schläft Hohmann extra auf dem Sofa, damit ihr Lebensgefährte nicht wach wird, wenn die nachtaktive "Lucy" alle paar Stunden Hunger bekommt und die Aufmerksamkeit ihrer Ersatzmama verlangt. "Mitten in der Nacht krabbelt sie mir dann durch mein T-Shirt ins Gesicht", erzählt Hohmann.

Wie lange Anna-Lena Hohmann das Kängurubaby noch bemuttern wird, ist nicht klar. Erst wenn "Lucy" alleine essen und trinken kann kommt sie zu ihren Artgenossen ins Gehege. "Ich hoffe, dass sie mich dann nicht vergisst", sagt Hohmann. Gleichzeitig will sie, dass sich ihr Schützling gut in die Gruppe integrieren wird und dazu beiträgt, dass sich die bedrohte Art weiter fortpflanzt. Für von Hand aufgezogene Tiere, die sich an Menschen gewöhnt haben, ist das nicht immer leicht, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. "Bei Kängurus ist diese Problematik allerdings nicht ganz so gravierend." Für "Lucy" sei die Hilfe ihrer Pflegerin eine zweite Chance.

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