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Unisex-Toiletten: In Berliner Amt gibt es die Toilette für alle

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Politisch korrekt pinkeln  

In Berliner Amt gibt es die Toilette für alle

25.11.2015, 16:43 Uhr | dpa

Unisex-Toiletten: In Berliner Amt gibt es die Toilette für alle. Auch auf den Toiletten wird die Geschlechtertrennung schwerer als früher. (Quelle: dpa)

Auch auf den Toiletten wird die Geschlechtertrennung schwerer als früher. (Quelle: dpa)

Männlein und Weiblein, Herren-Toilette und Damen-Toilette. So einfach funktioniert die Welt früher. Doch seit die Geschlechterdebatte allerlei Schattierungen zwischen Mann und Frau entdeckt hat, ist alles anders. Neustes Beispiel: Die Toilette für alle in der Berliner Senatsverwaltung.

Die gute Nachricht zuerst: Im Stehen pinkeln geht noch. Die schlechte Nachricht: Man(n) weiß mitunter nicht mehr, wo genau. Die Berliner Senatsverwaltung für Integration will auf dem stillen Örtchen niemanden mehr diskriminieren und hat deshalb vier Unisex-Toiletten eingerichtet. "WC für alle Geschlechter" steht an den Eingängen zu den ehemaligen Damen- und Herren-WCs.

Konflikte bis hin zur Gewaltandrohung

Die Toiletten sollen vor allem Menschen helfen, die ihr Geschlecht nicht eindeutig dem Mann-Frau-Schema zuordnen wollen oder können. Andere Bundesländer waren in der Hinsicht bislang zurückhaltend. Neben den Toilettentüren in Berlin können Besucher lesen, dass die Trennung von Männer- und Frauentoiletten für trans- und intergeschlechtliche Menschen angeblich zu den größten Problemen im Alltagsleben gehört. Es könne passieren, dass sie in den Räumen von anderen Menschen als "falsch" wahrgenommen werden. Konflikte, Gewaltandrohungen oder Beleidigungen seien oft die Folge.

Verwaltung will ein Zeichen setzen

Gegen diese Art von Diskriminierung habe ihr Haus nun ein Zeichen setzen wollen, sagt Staatssekretärin Barbara Loth (SPD), die am vor Fotografen die Schilder an den Unisex-Toiletten austauschte. In Berliner Bezirksverwaltungen in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg gibt es bereits Unisex-Toiletten, sowie an zwei Berliner Schulen.

Das Abgeordnetenhaus hatte im Januar einen Beschluss gefasst, der den Ausbau vorantreiben soll. "Abgesehen von einigen Klubs und kleineren Kneipen gibt es deutschlandweit wahrscheinlich kaum Unisex-Toiletten", sagt der Sprecher der German Toilet Organization (GTO), Johannes Rück. Kürzlich hatte etwa die Universität Kassel befristet ein solches Modell getestet.

Unisex-Toiletten in den USA üblich

Verbreiteter sind diese Toiletten hingegen in den USA. Dort gelangten sie etwa als soziale Treffpunkte für Kollegen in der Fernsehserie Ally McBeal zu einer gewissen Berühmtheit.

Eine Änderung der bundesweiten Arbeitsstättenverordnung mache Unisex-Toiletten hierzulande möglich, erklärt Verwaltungsmitarbeiterin Lela Lähnemann. Noch vor einigen Jahren seien Toiletten für Männer und Frauen Pflicht gewesen. Nun sei nur noch die Möglichkeit einer getrennten Nutzung vorgeschrieben.

Immer noch das gleiche stille Örtchen

Die Örtlichkeiten sind in Berlin noch dieselben geblieben – sie dürfen nun aber von jedem genutzt werden, wie die Beschilderung verdeutlicht. In der ehemaligen Herrentoilette der Senatsverwaltung kann man nun ungestört entscheiden, ob man lieber sitzt oder steht. Zusätzlich gibt es Eimer für Frauen-Hygieneartikel. Die Kosten bezifferte Loth auf 700 Euro.

Der Verein TransInterQueer befürwortet die Unisex-Toiletten. In Wohnungen, Zügen und Flugzeugen seien sie ja ohnehin Standard, sagt Leo Wild vom Verein. Sie seien ein einfacher und kostengünstiger Schritt, der für Betroffene eine Diskriminierungsquelle mindere. Es reiche ja, einzelne Toiletten umzuwidmen. Er sieht noch einen weiteren Vorteil: kürzere Warteschlangen.

Kritik am politisch korrektem Toilettengang

Kritiker meinen hingegen, dass es ganz andere Probleme gebe als die Gleichstellung auf Toiletten: "Wir stehen in der Flüchtlingsfrage vor einer der größten Bewährungsproben in der Geschichte der Bundesrepublik, und die Integrationsverwaltung beschäftigt sich mit dem politisch korrekten Toilettengang", sagt Kai Wegner, Generalsekretär der CDU Berlin.

Birgit Kelle, Autorin des Buches "Gendergaga", sagt: "Berlin hat also in absehbarer Zeit keinen vernünftigen Flughafen, aber jetzt Toiletten für alle Geschlechter. Es bleibt nur zu hoffen, dass man beim Bau des BER gleich Unisex-Toiletten mit eingeplant hat, sonst verschiebt sich die Eröffnung wegen Toiletten-Umbauten noch mal um zwei Jahre."

Suche nach dem richtigen Schild zum Unisex-Klo

Länger als die Umwidmung dürfte in der Verwaltung die Suche nach dem passenden Schild gedauert haben. Lela Lähnemann hat einen ganzen Hefter mit verschiedenen Ideen, die alle verworfen worden seien, weil sie als diskriminierend empfunden werden könnten.

Keine Lösung ohne ein neues Problem

Johannes Rück von der GTO gibt zu bedenken, dass Unisex-Toiletten wiederum von anderen Menschen als Einschränkung wahrgenommen werden können, solange nicht auch nach Geschlechtern getrennte Toiletten vorhanden seien. Ein aktuelles Beispiel sei die teilweise nicht vorhandene Geschlechtertrennung bei Toiletten in Flüchtlingsunterkünften. "Frauen aus islamisch geprägten Kulturen meiden diese Toiletten oder berichten von Angst."

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