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Süßstoff: Stevia-Extrakt enthält viel Chemie

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Stevia: Mehr Chemie als natürliche Süße

04.08.2016, 11:42 Uhr | t-online.de

Süßstoff: Stevia-Extrakt enthält viel Chemie .  (Quelle: dpa)

Stevia gilt als natürlicher Zuckerersatz. Der Extrakt wird auch als Streusüße angeboten und ist Bestandteil zahlreicher Lebensmittel. (Quelle: dpa)

Stevia wird als gesunder und natürlicher Zuckerersatz für Naschkatzen beworben. Die aus der Pflanze "Stevia rebaudiana" gewonnene Süße ist kalorienfrei, greift die Zähne nicht an und ist um ein Vielfaches süßer als Zucker. Seit 2011 sind Lebensmittel, die Stevia-Süße enthalten, in den Regalen deutscher Supermärkte erhältlich. Doch der Süßstoff ist nicht so natürlich, wie viele denken. Denn seine Gewinnung aus den Blättern läuft unter Einsatz von viel Chemie ab.

Dass der Zuckerersatz zum größten Teil ein Industrieprodukt ist, hat mit seiner Herstellung zu tun. "Die Blätter der Stevia rebaudiana müssen erst im Labor behandelt werden, um den Süßstoff E960 zu gewinnen", erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Kein reines Naturprodukt

Somit stammt die Süßkraft von Stevia nicht direkt von den zermahlenen Blättern der Steviapflanze. Unter Einsatz zahlreicher Lösungsmittel werden in Laboren jene chemischen Substanzen aus der Pflanze gefiltert, die den süßen Geschmack vermitteln. Dabei handelt es sich um so genannte Glykoside, zuckerähnliche Pflanzeninhaltsstoffe, die in der Stevia reichlich vorhanden sind. Man nennt sie daher auch Steviol-Glykoside.

Füllstoffe strecken den Stevia-Süßstoff

Zu diesen gehören auch Steviolglykosid und Rebaudiosid A, die für die Lebensmittelindustrie besonders interessant sind. Ziel bei der Süßstoffherstellung ist es daher, einen möglichst hohen Anteil davon in den Extrakten zu erhalten. So entsteht eine konzentrierte Form des Süßungsmittels. Damit dieses auch beim Backen oder als Lebensmittelzusatzstoff in Schokolade oder Johurt verwendet werden kann, muss jedoch sein Volumen korrigiert werden. Das geschieht in der Regel mit künstlichen, weniger süßen Füllstoffen wie Maltodextrin oder Erythrol, die reichlich im Stevia-Süßstoff enthalten sind. Von Natürlichkeit kann somit nicht die Rede sein.

Dennoch werben viele Lebensmittelhersteller mit dem Bild einer Steviapflanze und dem natürlichen Ursprung des Süßstoffs. Das sieht Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale in Kiel kritisch: "Steviolglykosid ist ein isolierter Bestandteil, der unter Einsatz von Chemie und mit komplizierten physikalischen Verfahren gewonnen wird, mit 'Natur' darf also nicht geworben werden." 

Höchstmenge sollte nicht überschritten werden

Das aus den Blättern der Steviapflanze gewonnene Steviosid ist 200- bis 300-mal süßer als Zucker und seit zweieinhalb Jahren in der Europäischen Union (EU) zugelassen. Von der Süße sollte man allerdings nicht zu viel zu sich nehmen. Denn es gilt ein Höchstwert von täglich ungefähr zehn Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Das ist nicht viel. "Bei einem Kind ist die schon mit einer Flasche Limonade überschritten", sagt Köster. Allerdings gebe es keine Erkenntnisse, was Steviolgykosid bei dauerhafter Überdosierung bewirkt. Studien dazu fehlen schlichtweg und wurden bei der Zulassung auch nicht verlangt.

Steviolglykosid darf unter anderem in Milchprodukten, Getränken und Marmeladen eingesetzt werden. Verbraucher erkennen es an dem Kürzel E 960 auf der Zutatenliste. Auch als Streusüße für den Haushalt ist das Steviaextrakt bereits im Handel.

Wirkung des Extrakts noch unerforscht

In den Sechziger Jahren gingen Wissenschaftler Berichten nach, denen zufolge Frauen in Paraguay das Süßkraut auch als Verhütungsmittel nutzen. Experimente an Ratten bestätigten, dass ein konzentrierter Sud aus getrockneten Steviablättern die Fruchtbarkeit von gesunden Weibchen tatsächlich um 70 bis 80 Prozent reduzierte. Was das für den Menschen bedeutet, ist bislang unklar. Dennoch gilt für Stevia trotz seines pflanzlichen Ursprungs das Gleiche wie für andere künstliche Standard-Süßstoffe: Es ist ein Chemieprodukt, dessen Wirkung auf den Menschen noch nicht ausreichend erforscht ist.

Beim Kuchenbacken ist der Einsatz allerdings schwierig. "Steviolglykosid hat zu wenig Volumen und kann den Zucker daher nicht ersetzen", sagt Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale in Kiel.

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