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Seitensprung: Warum es beim Fremdgehen weniger um Sex geht

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Seitensprung  

Beim Fremdgehen geht's weniger um Sex

06.08.2010, 11:35 Uhr | Christian Thiel

Seitensprung: Warum es beim Fremdgehen weniger um Sex geht. Bei den meisten Fremdgängern ist nicht das sexuelle Abenteuer der Antrieb. (Foto: Archiv)

Bei den meisten Fremdgängern ist nicht das sexuelle Abenteuer der Antrieb. (Foto: Archiv) (Quelle: imago)

Ein Seitensprung ist der schlimmste Beziehungskiller. Zwei Drittel aller Partnerschaften gehen in die Brüche, wenn bekannt wird, dass der andere fremdgegangen ist. Doch paradoxerweise ist es weniger die Lust am erotischen Abenteuer, die Männer und Frauen in fremde Betten treibt, sondern eher der "Hunger nach Beziehung". Das zumindest behauptet der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger ("Das Geheimnis der Treue"). Im Interview mit Paarberater Christian Thiel berichtet er über die Gründe für Untreue und erklärt, warum notorische Fremdgänger auf Dauer nicht glücklich werden.

Was ist eigentlich so faszinierend an einem Seitensprung? Ist es der Sex, der dort viel ungehemmter ist?

Krüger: Der Sex ist es in der Regel nicht einmal. Das Unwiderstehliche an einer Affäre ist, dass wir wieder ernst und wahrgenommen werden von einem anderen Menschen. Manchmal haut das die Menschen richtig um, wenn jemand sich wirklich für sie interessiert. In der Regel kommt es nicht deshalb zu einer Affäre, weil jemand ein erotisches Angebot macht.

Evolutionsbiologen sind da ganz anderer Ansicht. Sie halten monogames Verhalten bei Menschen und Tieren schlicht für widernatürlich. Treue ist demnach gar nicht möglich.

Krüger: Auf Tiere mag dies zutreffen, doch der Mensch hat in der Evolution eine Sonderrolle. Wir verfügen über keine Instinkte, das macht uns wandlungsfähig, aber auch schwach. Und wir dürfen nicht übersehen: Immerhin ist  jeder zweite Mann, jede zweite Frau treu. Es ist also nicht unmöglich treu zu sein. Vor allem Männer erklären die Untreue gern mit der Steinzeit und dass die Männer Jäger sind oder damit, dass man die Gene weit streuen muss, damit gesunde Nachkommen entstehen. Dies sind in meinen Augen wunderbare Entschuldigungen – mehr nicht. Nochmal: Die meisten Seitensprünge sind nicht in erster Linie ein sexuelles Abenteuer. Sie sind meist ein Hunger nach Beziehung.

Wer fremdgeht führt oft eine schlecht laufende Beziehung als Begründung für Untreue an. Ist das wirklich der einzige Grund?

Krüger: Das alleine ist mir zu einfach. Es gibt nach meiner Beobachtung drei Motive für Untreue. Da ist zunächst die narzisstische Untreue, die dazu dient, das eigene Selbstwertgefühl zu heben. Diese Form der Untreue kommt oft bei Männern vor. Dann gibt es die Angst vor Nähe. Hier dient der Seitensprung dazu, die als einengend empfundene Nähe und Abhängigkeit zu regulieren. Man sagt sich beruhigt, "Ich kann auch mit anderen schlafen" und kann sich wieder besser in die eigene Beziehung einlassen. Zuletzt ist da noch die unglückliche Ehe. Hierzu gehören 60 Prozent der Seitensprünge. Man ist vom anderen enttäuscht, ist gekränkt, hat sich zurückgezogen, es gibt kaum noch lebendige Gespräche, keine Erotik und nun begegnet man einem Menschen, von dem man sich wieder verstanden und erkannt fühlt - und geht fremd.

Männer haftet ja das Etikett an, besonders zur Untreue zu tendieren. Stimmt dieses Vorurteil?

Krüger: Nein. Früher dachte man, dass vor allem Männer untreu sind. Doch mittlerweile hat man erkannt, dass in den Umfragen Männer oft übertreiben, wenn es um die Sexualität geht. Frauen verschweigen ihre Untreue dagegen gerne. Heute weiß man, dass beide Geschlechter etwas gleich häufig untreu sind. Allerdings gibt es zwischen den Geschlechtern einen auffälligen Unterschied: Wenn eine Affäre länger dauert als ein Jahr, dann entscheiden sich 57 Prozent der Frauen, aber nur 25 Prozent der Männer für die neue Beziehung. Männer führen eher auf Dauer ein Doppelleben und scheuen das Risiko einer Entscheidung für die Geliebte.

Klingt aber auch super: Die eine Frau ist für Heim und Herd zuständig und versorgt die Kinder – mit der anderen gibt es leidenschaftliche Erotik.

Krüger: Es klingt zunächst einmal so, als wenn es einem Man auf diese Weise richtig gut geht. Das ist aber gar nicht der fall. Wer auf Dauer fremdgeht, wird damit nicht glücklich. Er verliert die sozialen Wurzeln, er weiß, dass er sowohl die Partnerin als auch die Geliebte enttäuscht. Er muss überall lügen, und letztlich ist er nirgends zu Hause. Wir sind als Menschen sehr auf den Zusammenhalt mit anderen Menschen angewiesen, damit unser Lebensgefühl stabil bleibt. Deshalb führt langfristige Untreue eher zu einer großen inneren Unruhe. Etwa zwei Drittel der Beziehungen gehen nach einem Seitensprung innerhalb eines Jahres zu Ende

Sie warnen so eindringlich vor der Untreue. Es gibt aber auch die Ansicht, dass Untreue auch eine Chance für eine Beziehung sein kann.

Krüger: Nur bei 15 Prozent aller Seitensprünge bessert sich danach die Beziehung. Das ist dann der Fall, wenn man den Seitensprung als Anlass nimmt, wirklich miteinander zu reden, sich umeinander zu bemühen. Man lässt sich durch den Seitensprung aufrütteln, versteht ihn als ein Krisensymptom und arbeitet gemeinsam an der Beziehung. Dann kann eine Partnerschaft nach einem Seitensprung durchaus besser werden. Ich habe Verständnis für jeden Seitensprung. Er ist oft Ausdruck nicht gelebter Leidenschaften. Aber für die Partnerschaft ist er meist ein Drama. Nur bei 15 Prozent aller Seitensprünge bessert sich danach die Beziehung.

Weitere Informationen zum Thema Untreue finden Sie auf den Seiten von www.die-partnerschaftsberater.de

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