04.01.2013, 15:46 Uhr | dapd
Männer gucken auf die Augen, Frauen richten ihren Blick etwas tiefer. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Männer und Frauen betrachten die Welt ganz unterschiedlich. Das zeigte eine britische Studie mit Blick-Aufzeichnungen. Was viele erstaunen dürfte: Männer gucken nicht zuerst auf den Busen. Es sind eher die Frauen, die auf den Körper schauen.
Wohin wir beim ersten Blickkontakt schauen, ist geschlechtsspezifisch: Männer sehen bei Gesichtern von Menschen oder Tieren zuerst und fast ausschließlich auf die Augen. Frauen dagegen richten ihren Blick etwas tiefer: Sie schauen eher auf Nase oder Mund, wie ein Experiment britischer Forscher zeigt. Sie hatten 52 Männern und Frauen Bilder mit verschiedensten Motiven gezeigt und dabei ihre Blickrichtung aufgezeichnet.
Dabei sind gleich mehrere Unterschiede aufgefallen, berichten die Forscher im Fachmagazin "PloS ONE". Waren Menschen abgebildet, schauten beide Geschlechter am längsten auf Frauen. Während der Blick der Männer aber an deren Gesichtern hängen blieb, musterten die weiblichen Probanden den gesamten Körper ihrer abgebildeten Geschlechtsgenossin. Und auch beim Blick ins Gesicht lag der Blick der Frauen immer leicht unterhalb des wichtigsten Bezugspunkts - den Augen.
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"Diese Ergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen die Welt ganz unterschiedlich betrachten", schreiben Felix Mercer Moss von der University of Bristol und seine Kollegen. Selbst wenn sich beide Geschlechter in der gleichen Umgebung aufhalten, ist das, was sie von ihr wahrnehmen, nicht gleich. Im Versuch ist es allein anhand der Blick-Aufzeichnungen eines unbekannten Probanden möglich gewesen, Männer und Frauen mit 64-prozentiger Treffsicherheit voneinander zu unterscheiden.
Zumindest für einen der Unterschiede haben die Forscher eine mögliche Erklärung: Der direkte Blick ins Auge eines Gegenübers ist - auch im Tierreich - nicht nur wichtig, um die soziale Situation abzuschätzen, er signalisiert oft auch Aggression. "Die Frage: 'Was guckst du so?' ist oft eine Herausforderung und Einleitung zu einem Kampf", erklären die Wissenschaftler. Ihrer Ansicht nach gehen Männer eher das Risiko einer solchen Herausforderung ein. Frauen reagierten dagegen sensibler auf potenzielle Bedrohungen. Sie neigten daher dazu, den direkten Blick in die Augen eines unbekannten Gegenübers zu vermeiden.
Für ihre Studie nutzten die Forscher 80 verschiedenen Bilder, darunter Schnappschüsse aus verschiedenen Filmen wie Tierdokumentationen, Liebesfilme oder Actionfilme sowie Bilder von abstrakten und figürlichen Gemälden. Sie zeigten diese Bilder jeweils fünf Sekunden lang 26 Männern und 26 Frauen, die einen sogenannten Eyetracker trugen - ein Gerät, das ihre Blickrichtung ermittelte und aufzeichnete. Bei jedem Bild sollten die Probanden zudem entweder angeben, wie positiv oder negativ oder wie spannend oder langweilig sie das Dargestellte fanden.
"Normalerweise fixierten die Probanden in den Bildern einen bis fünf Hotspots, also Bereiche von besonderem Interesse", berichten die Forscher. Männer hätten diese Bereiche jeweils etwas kürzer fixiert als die Frauen, machten dafür aber mehr kleine Augenbewegungen. War in einem Bild mehr als nur das Gesicht zu sehen, wanderte der Blick der weiblichen Probanden - vor allem bei dargestellten Frauen - vom Gesicht weg auf den Körper, der der Männer dagegen blieb auf dem Gesicht haften. "Frauen erkunden visuell mehr und interessieren sich optisch für mehrere Details", interpretieren die Forscher das Ergebnis.
Der auffallendste Unterschied sei aber beim Betrachten von Porträts aufgefallen, sagen die Wissenschaftler. Dort liegt der wichtigste Hotspot normalerweise auf der Augenpartie. Entsprechend den Erwartungen fixierten die männlichen Probanden auch diesen Bereich am längsten und intensivsten. "Die Frauen dagegen schauten diese Hotspots nicht direkt an, ihr Blick war leicht nach unten versetzt", schreiben Mercer Moss und seine Kollegen. Dieser Effekt war dann am stärksten, wenn die weiblichen Probanden zuvor aufgefordert worden waren, die Bilder auf ihre emotionale und potenziell bedrohliche Wirkung hin zu bewerten.
Quelle: dapd
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