Moderne Heiratsschwindler
"Romance Scamming" - Betrug mit vorgetäuschter Liebe06.08.2013, 09:40 Uhr | ag
Sie sind charmant, attraktiv und redegewandt. Ihren Opfern versprechen sie die ewige Liebe - doch ihr Ziel ist Geld. Die Rede ist von "Romance Scammern", Heiratschwindlern im Internet. Wenn sie sich aus dem Staub machen, hinterlassen sie nicht nur einen finanziellen Schaden, sondern auch gebrochene Herzen. Ihr bevorzugtes Terrain sind Datingportale, Singlebörsen und Partnervermittlungen. Doch wie können sich Menschen, die auf Partnersuche sind, vor dreisten Betrügern schützen?
Der Begriff "Scam" stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "Betrug". Als "Romance Scammer" bezeichnet man Menschen, die anderen über das Internet wahre Liebe vorgaukeln, um ihr Vertrauen zu gewinnen. In der Regel sind die Betrüger gute Schauspieler und verfügen über ein ausgeprägtes psychologisches Gespür. Oft leben sie im Ausland. Auf den Fotos des Scammer-Profils bekommen weibliche Opfer eine attraktive Person präsentiert – die Bilder sind allerdings gestohlen. Und auch wenn der "Neue“ vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzt er wahrscheinlich in Westafrika. Die Maschen der Scammer sind immer die gleichen: Erst überschütten sie ihre Opfer mit romantischen Liebesschwüren und stellen eine emotionale Bindung her. Dann folgt in der Regel eine haarsträubende Geschichte: Sie hatten angeblich einen Unfall, sind in Not geraten, müssen sich einer kostspieligen Operation unterziehen oder ähnliches. Dabei appellieren sie an das Mitgefühl ihrer Opfer und bitten um finanzielle Unterstützung.
Bei gutgläubigen Menschen und Dauer-Singles haben es solche Betrüger besonders leicht. "Viele Opfer von 'Romance Scammern' sind einsam und haben eine längere Phase des Alleinseins hinter sich", weiß Psychologin Lisa Fischbach aus Hamburg, die auch für ElitePartner.de als Beraterin tätig ist. Die starke Sehnsucht nach einem Partner trage dazu bei, dass diese Menschen bereitwilliger die konstruierten Geschichten glauben. Kritische Gedanken und fragwürdige Ereignisse, die das vermeintliche Glück gefährden könnten, würden dabei lange Zeit ausgeblendet. Denn der Wunsch nach Liebe und die große Hoffnung auf einen Lebenspartner sind stärker als jede Vernunft.
"Heiratsschwindler im Internet sind oft von afrikanischer Herkunft und haben sich auf alleinstehende, gut situierte Frauen spezialisiert, eher 50 plus", sagt Fischbach. Doch auch Männer können auf weibliche "Romance Scammer" hereinfallen. "Dabei handelt es sich überwiegend um sehr attraktiv aussehende Osteuropäerinnen, die versuchen, ihre männlichen Opfer zu manipulieren", so die Psychologin.
Mit gefälschten Profilen schleichen sich die Betrüger auch in Online-Partnervermittlungen ein. Das Schema dabei ist immer das gleiche: "Die Scammer bauen zunächst einen intensiven Mailkontakt zu ihrem Opfer auf und wollen schnell den geschützten Bereich der Partneragentur verlassen", sagt Tillmann Gerig, Kundenberater bei ElitePartner.de. Partnersuchenden Singles empfiehlt der Experte daher: "Hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand! Wenn Sie jemand, den Sie nie gesehen haben, um finanzielle Unterstützung bittet, sollten Ihre Alarmglocken läuten. Beenden Sie den Kontakt dann umgehend und melden Sie das Mitglied Ihrem Anbieter." Zudem sei es ratsam, das geschützte Mailsystem der Partnervermittlung bis zum persönlichen Kontakt zu nutzen, bevor man auf die private Email-Adresse wechselt. Seriöse Partneragenturen, so Gerig, haben mittlerweile ausgefeilte Filterkriterien entwickelt, mit denen gefälschte Profile schnell erkannt und gesperrt werden können.
Doch was ist, wenn alle Vorsicht vergeblich war? Wie gehen Scamming-Opfer damit um, dass ihr Vertrauen und ihre Gefühle missbraucht wurden? "Das ist gar nicht so leicht", sagt Lisa Fischbach. "Dieser Moment ist mit viel Scham verbunden, da man in seiner Bedürftigkeit an der Nase herumgeführt wurde." Wenn die Schuppen schließlich von den Augen fallen, kommt es meist zu Selbstvorwürfen, wie so etwas passieren konnte. Fischbach: "Normalerweise setzt dann Wut ein, mit dem Wunsch, nach Schadensersatz und dem Auffinden des Täters." Hilfreich sei es dabei, wenn die Betroffenen das Erlebte mit anderen Menschen teilen - zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppen oder sich professionelle Hilfe bei einem Therapeuten suchen.
06.08.2013, 09:40 Uhr | ag
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