Beziehung
Halbbeziehung: Kein feste Bindung, aber mehr als eine Affäre13.08.2013, 15:55 Uhr | akl
Keine feste Bindung, aber doch mehr als eine Affäre: Die Angst, etwas zu verpassen, die Lust auf viele verschiedene Partner, aber auch die Angst vor Verpflichtungen und zu viel Nähe mündet nicht selten in einer Halbbeziehung. Wir haben Eric Hegmann, Autor und Parship Single- und Beziehungsexperte aus Hamburg, gefragt, warum dieses Beziehungsmodell nur selten ein gutes Ende findet.
Es beginnt meist ganz zwanglos: Man lernt sich kennen, trifft sich ein paar Mal und landet schließlich im Bett. Der Spaß steht zu Beginn meist an erster Stelle. Ist die Lust auf den anderen da, verabredet man sich spontan und verschwindet danach wieder. Das geht zwar meist eine Weile gut, doch irgendwann beginnt einer der Beiden, sich mehr zu wünschen: mehr Nähe, mehr Zeit. Zusammen einschlafen und zusammen aufwachen, wissen was der andere macht, wann er zurück ist, wie sein Alltag aussieht.
Die Gefühle werden zur Belastung: "Es tut so weh und es ist mir trotzdem unmöglich damit aufzuhören, weil man doch aus den schönen Momenten so zehren kann, dass man den Schmerz kurzzeitig vergisst. Wie die schlimmste Droge...", beschreibt eine Userin in einem Forum das Ungleichgewicht.
Doch der andere Part möchte da oft nicht mitziehen, sondern seine Freiheit behalten. Er wünscht es sich weiterhin unbeschwert und ohne Verpflichtungen. Meist schwingt Bindungsangst in diesem Verhalten mit. Die Gründe sind vielfältig: Mit einer Trennung, die noch nicht überwunden ist, der Angst vor Nähe oder dem Bedürfnis nach Freiraum, nennt Hegmann drei häufige Gründe. Ein bisschen Nähe - immer mit der Option wieder zu verschwinden. Warum sollte man sich festlegen, wenn noch viele weitere Abenteuer warten, so die Argumentation. Und: Vielleicht kommt doch noch etwas Besseres.
Rund 91 Prozent aller deutschen Singles wünschen sich einen treuen Partner, sagt Hegmann. Doch auch die Halbzeitbeziehung, die irgendwie oft auch eine offenen Beziehung mit mehreren Partnern ist, gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Dass solch ein Ungleichgewicht auf Dauer nicht gut geht, liegt auf der Hand. Der, der mehr will, ist schnell verletzt, enttäuscht und gefrustet. Während seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden und er nie sicher weiß, woran er ist, drängt er sich immer näher an den anderen. Diesem wird es nicht selten zu viel und er zieht sich zurück. Die Halbbeziehung ist zum scheitern verurteilt.
"Doch man sollte die Hoffnung nicht so rasch aufgeben und sich und dem Partner auch eine Chance geben", rät Hegmann. Aber: Wenn der andere nicht verliebt ist, wird er es auch nicht werden, selbst wenn sie ihm die wundervollsten Seiten ihres Charakters durch fantasievolle Aktivitäten und ausgefallene Liebesbeweise zeigt", sagt der Paarexperte.
Nach seiner Erfahrung haben solche Modelle nur selten eine Zukunft: "Ich kenne kaum Fälle, in denen dies dauerhaft ohne Frust funktioniert hätte. Solche Beziehungsmodelle klappen meist in bestimmten Lebensphasen. Sobald sich diese jedoch ändern, führt das automatisch dazu, dass mindestens ein Partner ein neues Modell sucht, dass zur Lebenssituation besser passt und der andere Partner muss sich dem dann anpassen."
Und manchmal ist es besser, zu gehen statt weiter zu leiden: "Das Beenden einer solchen Beziehung ermöglicht neue Kontakte zu Menschen, die tatsächlich eine Partnerschaft wünschen. Je länger man an einem nicht Erfolg versprechenden Modell hängt, umso mehr Chancen lässt man währenddessen verstreichen. Ich rate daher – nach Überprüfung – eher zum Ende mit Schrecken als zum Schrecken ohne Ende", so Hegmann.
Fest steht: Egal ob Halbbeziehung, offene Beziehung oder eine Partnerschaft mit allen Höhen und Tiefen - am besten funktioniert es, wenn sich beide über die Art der Beziehung einig sind - und jeder weiß, woran er ist. Eine Halbbeziehung funktioniert dann, wenn sich beide an bestimmte Regeln halten: "Nur durch Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und dem Partner kann es funktionieren. Das bedeutet, dass Absprachen eingehalten werden müssen und diese Absprachen regelmäßig überprüft und angepasst werden sollten. Große Hoffnungen sollte man sich aber nicht machen, dass es ohne Frust geht, wenn einer mehr will als der andere", sagt der Beziehungsexperte.
13.08.2013, 15:55 Uhr | akl
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