25.08.2012, 15:45 Uhr | Von Ellen Hasenkamp und Christine Pöhlmann, AFP, AFP
Kanzlerin Merkel bereitete Griechen-Chef Samaras einen freundlichen Empfang bei seiner ersten Auslandsreise (Quelle: AP)
Ein bisschen mehr Zeit hat der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras dann doch bekommen. 17 Minuten später als geplant traten er und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach ihrem Mittagessen im Kanzleramt vor die Presse. Mitgebracht hatte Samaras klare Worte - vor allem an die Adresse der Griechenland-Skeptiker in Merkels Koalition.
Mitgebracht hatte er aber auch das klare Bekenntnis, "dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllen wird". Doch wann das sein wird, blieb offen.
Der Flug nach Deutschland war die erste Auslandsreise des griechischen Regierungschefs seit seinem Amtsantritt vor rund sieben Wochen. Im regnerischen Berlin empfing ihn Merkel mit militärischen Ehren und freundlichen Worten: Sie bot Hilfe an, würdigte die "großen Opfer" der griechischen Bevölkerung und verwies auf die deutsch-griechische Freundschaft. Ob sich aber auch zwischen Angela und Antonis, die sich duzen, eine Freundschaft entwickeln kann, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten entscheiden.
Als Oppositionsführer verweigerte der konservative Ökonom noch vor einem Jahr jede Kooperation und musste sich von Merkel in Brüssel "mit aller Deutlichkeit" auf seine "historische Verantwortung" hinweisen lassen. In Berlin nun gibt sich Samaras eifrig: Er räumt verlorenes Vertrauen ein, sagt die Erfüllung der Auflagen zu und zeigt sich überzeugt, dass der mit Spannung erwartete Bericht der internationalen Prüfer positiv ausfallen wird. Zugleich betont er: "Wir sind ein sehr stolzes Volk. Wir mögen es nicht, von geliehenem Geld abhängig zu sein."
Die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident halten die Griechen zu weiteren Reformen an. zum Video
Schöne Worte allein überzeugen die europäischen Partner Griechenlands aber schon lange nicht mehr. Merkel drängte: "Es ist noch viel zu tun" und ließ erkennen, dass aus ihrer Sicht die wohlhabenderen Griechen durchaus mehr zur Sanierung der Staatsfinanzen beitragen könnten.
Merkel hatte aber auch eine Botschaft an ihre eigene Koalition. "Ich möchte, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt", sagte sie und fügte hinzu, das gelte "für die gesamte Bundesregierung" und werde auch von "niemandem in den Regierungsfraktionen" anders gesehen.
Zuletzt hatten unter anderem Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und Fraktionschef Volker Kauder (CDU) einen Austritt Griechenlands aus der Währungszone für notfalls verkraftbar erklärt. Genau solche Sätze verurteilte Samaras als "giftig" und schädliche "Kakophonie". Er forderte: "So etwas muss ein Ende haben, egal aus welcher Richtung."
Ein wenig mehr Verständnis als von den strengen Deutschen mag sich Samaras vom französischen Präsidenten Francois Hollande erhoffen, den er am Samstag in Paris trifft. Der Sozialist betont wie er die Bedeutung von Wachstum. Einig schienen sich Hollande und Merkel bei ihren Treffen am Donnerstagabend, dass Griechenland die eingegangenen Reformverpflichtungen einhalten muss. Doch im Detail dürften die Franzosen im Zweifel kompromissbereiter sein.
Hintergrund ist die Furcht, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone einen Domino-Effekt auslösen könnte, der Länder wie Spanien und Italien und am Ende auch das eigene Land erfasst. Frankreich stand bereits im vergangenen Jahr zeitweise unter starkem Druck der Finanzmärkte. Derzeit ist Ruhe eingekehrt, doch angesichts von Null-Wachstum, hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung ist auch den Sozialisten klar, dass die Lage schnell wieder gefährlich werden kann.
Quelle: Von Ellen Hasenkamp und Christine Pöhlmann, AFP, AFP
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