15.04.2012, 16:56 Uhr | dapd, AFP, dpa
Die Nordkoreaner zelebrieren den 100. Geburtstag von Kim Il Sung mit einer pompösen Heerschau (Quelle: AP)
Bei einer pompösen Heerschau zum 100. Geburtstag des verstorbenen Staats- und Parteichefs Kim Il Sung hat Nordkoreas neuer Machthaber Kim Jong Un seine Landsleute auf den Kampf für den Sozialismus eingeschworen. Zehntausende zelebrierten in Pjöngjang den höchsten nationalen Feiertag.
Bei der zweistündigen Militärparade wurden unter anderem Kampfjets, Raketen und Stalin-Orgeln gezeigt. Militärexperten bemerkten, dass anders als bei der letzten großen Parade im Oktober 2010 auch eine Rakete der Taepodong-Klasse mit 20 Metern Länge vorgeführt wurde.
Ein japanischer Spezialist sagte der Zeitung "USA Today", dass die Rakete nach mehr als einer Attrappe aussehe. "Es könnte sich um eine Interkontinentalrakete handeln. Aber das ist noch schwer zu sagen." Die Parade in Pjöngjang folgte zwei Tage nach einem missglückten Raketenstart, der international kritisiert wurde.
Zwei Monate lang wurde Pjöngjang von tausenden Arbeitern herausgeputzt. Die Feiern fanden bei strahlendem Sonnenschein statt, tausende Soldaten mit roten Fahnen paradierten in perfektem Gleichschritt. Die Zivilisten winkten mit Papierblumen in den Farben Rot, Gelb und Weiß oder auch mit den nordkoreanischen Blumenzüchtungen Kimjongilia in Rot oder Kimilsungia in Pink.
In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang wird der ehemalige Diktator zelebriert, trotz des misslungenen Raketenstarts. zum Video
Zum ersten Mal hielt auch der Enkel Kims sowie Sohn und Nachfolger des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong Il, Kim Jong Un, eine vom staatlichen Fernsehen übertragene Rede. Er erweise den "großen Genossen Kim Il Sung und Kim Jong Il den höchsten Respekt und die größte Ehre", sagte der noch nicht 30-jährige neue Machthaber vor Zehntausenden von jubelnden Soldaten und Zivilisten.
In seiner Rede streifte Kim Jong Un zahlreiche Themen und sprach über Wirtschafts-, Außen- und Verteidigungspolitik. Er äußerte sich auch zum Verhältnis zum Nachbarn Südkorea. Er sei unglücklich über die jahrzehntelange Spaltung der koreanischen Halbinsel.
Anlässlich des 100. Geburtstags von Kim Il Sung hat Nordkoreas neue Machthaber in aller Öffentlichkeit seine erste Rede gehalten. zum Video
"Es ist eine herzzerreißende Tatsache, dass unsere Nation seit über 70 Jahren geteilt ist. Ich werde mich um eine Wiedervereinigung bemühen", sagte der neue Machthaber. Nordkorea sei zur Zusammenarbeit mit jedem bereit, der die gleichen Ziele verfolge.
"Sie wollen das Land und die Welt offenbar wissen lassen, dass es sich um einen neuen Staat handelt", sagte Professor Han S. Park von der Universität von Georgia. "In seiner Rede hat er gesagt: 'Wir gehen in das zweite Jahrhundert des Koreas des Kim Il Sung'."
Die Feiern dauerten mehrere Tage, unter anderem wurden am Freitag in Pjöngjang große Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il enthüllt. Zu den Feierlichkeiten sollte eigentlich auch der Start einer Langstreckenrakete zählen - sie zerbrach jedoch in der Nacht zum Freitag nach wenigen Minuten und stürzte ins Meer. Die USA, Südkorea und Japan sahen darin den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.
Am Freitag war Kim Jong Un zum "ersten Vorsitzenden" des Verteidigungsausschusses ernannt worden. Mit dem neuen Amt wurde der Prozess der Machtübergabe nach dem Tod Kim Jong Ils abgeschlossen. Kim Jong Un ist damit nicht nur Vorsitzender des höchsten beschlussfassenden Gremiums des kommunistischen Staates, sondern auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte und Generalsekretär der Kommunistischen Partei.
Am Samstag ernannte er 70 Offiziere zu Generälen. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll mit den Beförderungen die Führungsspitze der Armee verjüngt werden.
Mit der Machtübergabe gab es im Ausland auch die Hoffnung auf Reformen und eine Öffnung. Westliche Bewohner in Nordkorea verfolgen schon seit längerem Veränderungen in den Städten des Landes. So gibt es schon seit einiger Zeit größere Märkte. Auch das Handy verbreitet sich immer schneller unter den Nordkoreanern, auch wenn die strikte Kontrolle des Staates damit nicht aufhört.
Hinter den Kulissen wird in Nordkorea vor allem um den richtigen Wirtschaftskurs gerungen. Wenn die Feiern vorbei sind, sei es Kim Jong Uns große Aufgabe, dass sein Land wirtschaftlich aufhole, sagt Experte Paik. Unter seinem Vater Kim Jong Il sei vor allem das Militär weiter gestärkt worden.
Südkoreanische Kritiker des stalinistischen Sozialismus im Norden ließen an der Grenze Ballons mit 200.000 Flugblättern aufsteigen. Darauf kritisierten sie den kostspieligen Raketenstart, während zugleich ein Großteil der Bevölkerung Nordkoreas Hunger leide. Die drei Machthaber aus der Kim-Familie wurden als "die drei führenden Verräter" des Landes bezeichnet.
Der in dem kommunistischen Land als "Großer Führer" titulierte Ex-Diktator Kim Il Sung starb 1994. Sein Geburtstag gilt als höchster nationaler Feiertag. Kim Jong Un übernahm von ihm und seinem Vater Kim Jong Il auch einen bizarren Personenkult.
Quelle: dapd, AFP, dpa
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