22.04.2012, 22:05 Uhr | dpa
Beim ersten Wahlgang in Frankreich liegt der Sozialist François Hollande laut Umfragen klar vorn (Quelle: Reuters)
Bei der französischen Präsidentenwahl haben sich der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und der Sozialist François Hollande für die entscheidende zweite Runde qualifiziert. Nach ersten offiziellen Hochrechnungen erhielt Hollande zwischen 28,4 und 29,3 Prozent. Der um eine zweite Amtszeit kämpfende Sarkozy kam auf 25,5 bis 27 Prozent. Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen schnitt mit 18,2 bis 20 Prozent überraschend stark ab. Damit hat die Front National das historisch beste Ergebnis eingefahren.
Überraschend hoch war die Wahlbeteiligung, die nach Schätzungen wohl bei etwa 80 Prozent gelegen haben dürfte. Insgesamt waren rund 44,5 Millionen Franzosen zur Wahl aufgerufen.
Trotz eines guten Abschneidens im ersten Wahlgang ist der Sieg Hollandes beim zweiten Wahlgang am 6. Mai aber noch keineswegs sicher. Entscheidend ist, wie die Wähler jener acht Kandidaten, die es nicht ins Finale schafften, dann abstimmen. Wichtig ist unter anderem, wie die Wähler von Marine Le Pen im zweiten Wahlgang abstimmen. Inwieweit ihr Wählerpotenzial im zweiten Wahlgang Sarkozy zugute kommt, gilt als ungewiss.
Von den wichtigeren Bewerbern hat bislang nur der Chef der kommunistisch orientierten Linksfront, Jean-Luc Mélenchon angekündigt, dass er seinen Anhängern bei einem Ausscheiden in der ersten Runde die Wahl von Hollande empfehlen werde. Umfragen sahen ihn zuletzt bei gut 14 Prozent. Der Zentrumspolitiker François Bayrou, der in den Umfragen bei gut 10 Prozent rangierte, ließ zunächst offen, ob er seinen Wählern eine Empfehlung für die Stimmabgabe im zweiten Wahlgang geben werde.
Hollande hat angekündigt, er wolle den gerade erst unterzeichneten Fiskalpakt, der automatische Strafen bei zu hohem Staatsdefizit vorsieht, neu verhandeln. Dies wird unter anderem von Deutschland strikt abgelehnt. Hollande will auch den Spitzensteuersatz für Reiche mit Einkommen von mehr als einer Million Euro auf 75 Prozent erhöhen. Sarkozy tritt hingegen für eine Fortsetzung des Sparkurses aus und kündigte eine noch striktere Einwanderungspolitik ab.
In den französischen Überseegebieten, wo bereits am Samstag gewählt wurde, schnitt Hollande laut "Le Soir" und anderen belgischen Medien ebenfalls besser ab als Sarkozy. In Guadeloupe kam er auf 57 Prozent der Stimmen. Die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal hatte dort 2007 nur 38 Prozent bekommen. Sarkozy fiel von damals 42 auf jetzt 23 Prozent zurück. In Martinique stürzte Sarkozy von 33 auf 26 Prozent, Hollande verbesserte das Ergebnis von Royal (48 Prozent) auf 51 Prozent. In St. Pierre und Miquelon bekam Hollande 33,7 (26,6) Prozent der Stimmen, Sarkozy fiel von 24,5 auf 18,75 Prozent.
Quelle: dpa
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