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Ukraine warnt Deutschland vor EM-Boykott "wie im Kalten Krieg"

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Ukraine warnt Deutschland vor EM-Boykott "wie im kalten Krieg"

30.04.2012, 11:41 Uhr | AFP, t-online.de, dpa, dapd

Ukraine warnt Deutschland vor EM-Boykott "wie im Kalten Krieg". Eisige Stimmung in der Ukraine: Angesichts der Boykott-Aufrufe von deutschen Politikern zeigt sich die ukrainische Regierung empört (Quelle: dapd)

Eisige Stimmung in der Ukraine: Angesichts der Boykott-Aufrufe von deutschen Politikern zeigt sich die ukrainische Regierung empört (Quelle: dapd)

 

Angesichts von Forderungen nach einem Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine hat die Regierung in Kiew Deutschland vor Methoden "wie im Kalten Krieg" gewarnt. Außenamtssprecher Oleg Woloschin sagte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine, die ukrainische Regierung hoffe, dass deutsche Politiker nicht beabsichtigten, "Methoden wie im Kalten Krieg wieder aufleben zu lassen und den Sport zu einer Geisel der Politik zu machen". Die Ukraine hoffe vielmehr, dass Medienberichte über einen möglichen EM-Boykott durch die Bundesregierung "falsch" seien.

"Das Außenministerium der Ukraine hofft, dass die Informationen, die von deutschen Medien verbreitet wurden, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel angeblich über einen politischen Boykott der Euro 2012 in der Ukraine im Zusammenhang mit der inhaftierten Ex-Premierministerin Julia Timoschenko nachdenkt, sich als unwahr herausstellen", sagte Woloschin.

Die Partei von Präsident Viktor Janukowitsch warnte Merkel zudem, sich nicht in die Angelegenheiten fremder Länder einzumischen. Der Parlamentsabgeordnete der Partei der Regionen, Vasyl Kisselow, wurde von der "Ukrainiska Pravda" mit den Worten zitiert: "Ich will Kanzlerin Merkel darin erinnern, dass sie die Kanzlerin Deutschlands und nicht der Ukraine ist. Bei uns gibt es keine Gesetze, die vorsehen, dass Inhaftierte im Ausland behandelt werden."

Foto-Serie: Der Fall Julia Timoschenko

Politiker rufen zum Boykott auf

Zuvor hatten zahlreiche deutsche Politiker zu einem Boykott der EM in der Ukraine aufgerufen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will Berichten des "Spiegel" zufolge ihren Ministern empfehlen, den Spielen in der Ukraine fernzubleiben.

Das autoritäre Regime der Ukraine gerät dadurch immer stärker unter Druck, denn selbst der Austragungsort wird damit grundsätzlich in Frage gestellt. Damit könnte Deutschland kurzfristig als EM-Gastgeber wieder ins Gespräch kommen.

"Man sollte überlegen, ob neben dem Austragungsort Polen nicht auch in Österreich oder Deutschland gespielt werden kann", sagte Sachsen-Anhalts Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht (CDU) der "Mitteldeutschen Zeitung". Auch Entwicklungsstaatssekretärin Gudrun Kopp (FDP) plädierte im "Westfalen-Blatt" für eine Verlegung der Spiele aus der Ukraine: "Noch ist Zeit dafür." Der Notfallplan des DFB und UEFA sieht die Stadien in Berlin und Leipzig vor, falls Ukraine die Turnieraustragung entzogen bekommt.

Polen schweigt zu Forderungen nach EM-Boykott

In Polen, dem Co-Gastgeberland der EM, herrscht bisher Schweigen zu den Forderungen nach einem politischen Boykott der Spiele in der Ukraine. Polnische Sportfunktionäre und auch Politiker halten sich mit Reaktionen zurück. Der Ruf aus Deutschland nach Sanktionen wegen des Umgangs mit der in Haft erkrankten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko findet bislang keine Unterstützung.

Dabei wird das Schicksal der ehemaligen Regierungschefin Timoschenko in Polen genau verfolgt. Das Thema kam in den vergangenen Monaten bei Gesprächen mit der ukrainischen Regierung wiederholt zur Sprache.

Grundsätzlich hat in Polen eine erfolgreiche Austragung der EM gemeinsam mit der Ukraine hohe Priorität. "Die EM ist eine gemeinsame Veranstaltung Polens und der Ukraine, und sie sollte bestmöglich verlaufen", zitierte der "Gazeta Prawna" den polnischen Politiker Pawel Kowal. Der Europaparlamentarier rief die polnische Regierung zu "vernünftigen Reaktionen" im Verhältnis zur Ukraine auf.

Vergleiche etwa mit der Lage der Menschenrechte in Weißrussland könnten nur das Verhältnis beider Staaten verderben. "Es geht um die ganze ukrainische Gesellschaft, nicht um die eine oder andere Regierung", sagte Kowal, der Timoschenko Anfang April in der Haft besucht hatte. "Wir sollten uns nicht in politische Konflikte einmischen."

Staatsanwaltschaft prüft Verletzungen von Timoschenko

Die frühere Regierungschefin Timoschenko verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs. Der Westen kritisiert das Urteil als politisch motiviert. Die 51-Jährige befindet sich seit einer Woche im Hungerstreik und ist offenbar ernstlich krank.

Nach Angaben ihres Anwalts wurde sie von Gefängniswärtern geschlagen. Dies will die Generalstaatsanwaltschaft nun prüfen. "Wir werden in den nächsten Tagen sorgfältige Untersuchungen durchführen und dann ein Ergebnis veröffentlichen", sagte Vadim Goran, Chef der Abteilung zur Einhaltung der Gesetze bei der Generalstaatsanwaltschaft in einem Fernseh-Interview. Dazu wolle man Gefängniswärter, Krankenhauspersonal, Ärzte und andere Beteiligte befragen.

Die Fotos, die die Menschenrechtsbeauftragte der ukrainischen Regierung, Nina Karpatschowa, von Timoschenkos Körper gemacht hat, seien "keine offiziellen Beweisstücke, die von den ukrainischen Justizbehörden anerkannt werden", sagte Goran.

Ein weiteres Verfahren gegen Timoschenko wegen des Vorwurfs der Unterschlagung von mehreren Millionen Euro in ihrer Zeit als Vorsitzende eines Energieunternehmens wurde am Wochenende auf den 21. Mai verschoben. Ihre Anwälte erklärten, ihre Mandantin sei prozessunfähig und müsse im Ausland behandelt werden - so wie auch von Ärzten der Berliner Charité empfohlen.

 
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