Startseite
Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland >

Hollande bei Stichwahl in Frankreich wohl vorn

...

Hollande bei Stichwahl in Frankreich wohl vorn

06.05.2012, 21:49 Uhr | dapd

Das große Wahl-Finale in Frankreich (Screenshot: AP)

Präsidentschaftswahl: Hollande oder Sarkozy? Die Zeichen stehen auf Umschwung.

 

Alle Signale stehen auf Machtwechsel im Élysée: Der Sozialist François Hollande hat bei der französischen Präsidentschaftswahl klar die Nase vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. In Erhebungen von vier großen Instituten, über die belgische und Schweizer Medien am späten Nachmittag berichteten, lag Hollande bei 52,5 bis 53,5 Prozent und damit fünf bis sieben Punkte in Führung.

Bestätigt sich die Tendenz, wird Holland nach François Mitterrand der zweite sozialistische Präsident der Fünften Republik. Er würde das höchste Staatsamt nach 17 Jahren von den Gaullisten zurückerobern.

Damit käme es in Frankreich zu einem Richtungswechsel, der auch für Deutschland und Europa bedeutsam ist. Hollande will den Reformkurs bremsen und setzt ganz auf Wachstum. Noch am Sonntagabend wollte er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonieren. "Wir haben den Wunsch, so schnell wie möglich gemeinsam zu sprechen", sagte sein Sonderberater Jean-Marc Ayrault. "Die Reorientierung in Richtung Wachstum, in Richtung Wettbewerbsfähigkeit und Protektion ist der Schlüssel zur Sanierung Europas", zitierte ihn die Zeitung "Le Figaro" auf ihren Internetseiten.

Foto-Serie: Aufgeheiztes Klima bei Pariser TV-Duell

In Übersee schon klar gewonnen

Die Wahllokale schließen in den französischen Metropolen um 20 Uhr, erst dann werden im Nachbarland die ersten Hochrechnungen veröffentlicht. Aber in zahlreichen Überseegebieten, wo schon am Samstag abgestimmt worden war, setzte sich der Sozialist klar durch. Nach einer Meldung des belgischen Rundfunks RTBF gewann er in Saint-Pierre und Miquelon mit 65 zu 35 Prozent, auf Martinique mit 68 zu 32, auf Guadeloupe mit 72 zu 28, in Französisch-Guyana mit 62 zu 38 und auf Saint Martin mit 51,5 zu 48,5 Prozent. Nur auf Saint-Barthélémy lag er mit 17 zu 83 Prozent klar hinter Sarkozy.

Auf dem Festland zeichnete sich eine relativ hohe Wahlbeteiligung ab. Um 17 Uhr hatten nach Angaben des Innenministeriums 71,96 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben. Das waren zwar drei Punkte weniger als 2007, aber etwas mehr als beim ersten Durchgang vor zwei Wochen.

"Notwendig ist ein schönes Mandat"

Der letzte Wahlsieg der Sozialisten liegt 24 Jahre zurück, 1988 konnte sich Mitterrand gegen Jacques Chirac durchsetzen. Alle drei folgenden Präsidentschaftswahlen gewannen die Gaullisten. Hollande hatte am späten Vormittag im zentralfranzösischen Tulle seine Stimme abgegeben. "Notwendig ist ein schönes Mandat. Notwendig ist, dass die Sammlung gelingt", sagte er. "Aber es wird ein langer Tag." Einen Wahlsieg wollte er mit seinen Anhängern in der Nacht auf dem Pariser Bastille-Platz feiern.

Amtsinhaber Sarkozy gab im 16. Pariser Arrondissement seine Stimme ab, in Begleitung seiner Frau Carla Bruni. Er hatte im Wahlkampf eine Fortführung seiner Reformen angekündigt und mit EU-skeptischen Tönen und der Drohung, die Grenzen zu schließen, um Wähler am rechten Rand gebuhlt. Doch der "Omnipräsident" stürzte tief: Bestätigen sich die Tendenzen, wird er als erster amtierender Staatschef abgewählt. Vor fünf Jahren hatte er mit 53,1 Prozent gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royale triumphiert.

"Für Strukturreformen brauchen sie kein Konjunkturprogramm"

Insbesondere die Ankündigung Hollandes, den Fiskalpakt für die Eurozone nur bei einer Ergänzung um Wachstumsmaßnahmen zu ratifizieren, hatte in Berlin für Verärgerung gesorgt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wies die Forderung nach einem kreditfinanzierten Konjunkturprogramm scharf zurück. Hohe Schulden seien eine der wesentlichen Ursachen der Krise, zitierte ihn der "Focus". Wachstum lasse sich ohne zusätzliche Ausgaben erreichen. "Für Strukturreformen brauchen sie kein Konjunkturprogramm." Erste Verhandlungen stünden für den neuen Élysée-Chef schon Ende Mai auf dem Programm, wenn in Brüssel ein EU-Sondergipfel stattfinden soll.

Wegen des erwarteten Hollande-Siegs haben die politischen Lager längst mit der Vorbereitung für die Zeit nach der Wahl begonnen. Für das Amt des Premierministers kursieren in Paris die Namen von PS-Parteichefin Martine Aubry und Fraktionschef Jean-Marc Ayrault. Ayrault werden die besseren Chancen eingeräumt, weil er sich besser mit Hollande versteht - der ehemalige Deutschlehrer hat auch einen guten Draht nach Berlin. Die klar links stehende Aubry hat aber eine große Fangemeinde in der Partei und eine Frau als Premierministerin wäre auch ein neues Aushängeschild der Sozialisten.

UMP vor dem Scherbenhaufen

Als potenzieller Außenminister wird der erfahrene frühere Premierminister Laurent Fabius gehandelt. Der beliebte Bürgermeister von Paris, Betrand Delanoe, gilt als Kandidat fürs Justizressort. Die Grünen können sich trotz ihres schlechten Abschneidens von Eva Joly in der ersten Runde (2,3 Prozent) Aussichten auf das Umweltressort machen. Favorit: Partei-Generalsekretärin Cécile Duflot.

Sarkozys UMP stünde bei dessen Niederlage vor einem Scherbenhaufen. Wenn sie während der Präsidentschaft zwar formal von Jean-François Copé geleitet wurde, war der Staatschef doch die dominante Figur. Er hatte die Partei ganz zu seiner Wahlkampfmaschine umfunktioniert. Für den Fall seiner Niederlage hat er den Rückzug aus der Politik angekündigt. Um die Macht in der UMP streiten sich neben Copé der frühere Premier Alain Juppé und der derzeitige Premier François Fillon. Der Vorstand der Partei will sich am Montag zu einer Sondersitzung in Paris treffen und die Parlamentswahlen im Juni vorbereiten.

 
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht

Top Partner

Anzeige
Video des Tages
Unglaubliches Talent 
Achtjährige haut mit ihrem Gesang alle aus den Socken

Nicht nur die Jury zeigt sich von ihrem Auftritt begeistert. Video

Schöne Bescherung 
Dieser Hase macht auch schwer kranke Kinder froh

Ein Spezialteam der Uniklinik Rostock überrascht kleine Patienten an den Osterfeiertagen. mehr

Drei-Tages-Wettervorhersage

Shopping 
Stilvoll und elegant durch den Frühling

Shirts, Kleider und Blusen - jetzt entdecken und versandkostenfrei bestellen. zum Special

Anzeige


Anzeige