11.11.2012, 11:55 Uhr | dapd, dpa
Was ist beim journalistischen Aushängeschild des Vereinigten Königreichs nur los? Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Star aus den eigenen Reihen, falsche Beschuldigungen gegen einen Politiker. Die BBC kommt aus den Skandalen derzeit gar nicht mehr heraus. Inzwischen zog Generaldirektor George Entwistle die Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt.
Er habe sich für einen "ehrenvollen" Schritt entschieden, erklärte Entwistle in einer kurzen Stellungnahme vor der BBC-Zentrale in London. "Aber nach den gänzlich ungewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Woche bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass die BBC einen anderen Direktor berufen sollte." Entwistle war erst vor acht Wochen zum Generaldirektor der BBC ernannt worden. Zuvor war bereits Mark Thompson als BBC-Chef zurückgetreten. Der Chef des BBC-Weltdienstes, Tim Davie, übernimmt nun die Leitung des Senders, bis ein Nachfolger für Entwistle gefunden ist.
In der Affäre um Missbrauchsvorwürfe mussten sich der Sender und andere britische Medien entschuldigen, Namen eines vermeintlichen Täters in einem BBC-Beitrag ins Spiel gebracht zu haben. Der ehemalige Schatzmeister der Konservativen Partei, Alistair McAlpine, war unter anderem von der BBC, aber auch in einer Twitter-Meldung der Zeitung "Guardian" identifiziert worden.
McAlpine hatte sich am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt und die Vorwürfe vehement bestritten. Auch eines der Opfer aus den 70er und 80er Jahren, als in walisischen Heimen zahlreiche Kinder missbraucht worden waren, entlastete McAlpine.
"Wir hätten nicht einen Film zeigen sollen, der so grundlegend falsch ist", teilte die BBC mit. "Was hier passiert ist, ist vollkommen inakzeptabel. Ich habe klare und entschiedene Schritte veranlasst, um herauszufinden, was passiert ist und um die Dinge geradezurücken", sagte BBC-Generaldirektor George Entwistle.
Die BBC steht wegen eines Missbrauchsskandal um den ehemaligen Moderator Jimmy Savile sowieso schon im Kreuzfeuer der Kritik. Der vor einem Jahr gestorbene ehemalige Star-Moderator und andere sollen über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben.
Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.
Quelle: dapd, dpa
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