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Kim Jong Un überrascht: "Radikale Kehrtwende" für Nordkorea gefordert

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Nordkoreas Kim Jong Un überrascht: "Radikale Kehrtwende"

02.01.2013, 13:11 Uhr | dapd, AFP

Kim Jong Un überrascht: "Radikale Kehrtwende" für Nordkorea gefordert. Nordkorea: Kim Jong Un bei Neujahrsansprache (Quelle: dpa)

Nordkorea vor radikalem Wandel? Machthaber Kim Jong Un überrascht mit seiner Neujahrsansprache (Quelle: dpa)

Neujahrsüberraschung im isoliertesten Land der Welt: Kim Jong Un, der starke Mann in Nordkorea, hat seine Landsleute zum neuen Jahr auf eine "radikale Kehrtwende" eingeschworen. Ziel: größerer Wohlstand und Frieden und sogar die Wiedervereinigung mit Südkorea. Der Wermutstropfen dabei: Aufrüsten will der Machthaber sein Land weiter.

Es war die erste öffentlich übertragene Neujahrsansprache eines nordkoreanischen Diktators seit 19 Jahren - und Kim Jong nutzte die Gelegenheit für Worte, die keiner erwartet hatte: Nordkorea soll abkehren vom eisernen Kurs seiner Vorgänger, seines Großvaters Kim Il Sung (1948 bis 1994) und seines Vaters Kim Jong Il (1994 bis 2011). Das Jahr 2013 werde ein Jahr "großer Erfindungen und Veränderungen" sein, posaunte Kim Jong Un: "Lasst uns eine radikale Kehrtwende vollziehen und einen wirtschaftlichen Giganten schaffen."

Wie soll das gehen? "Mit demselben Eifer und Willen zur Entschlossenheit, den wir schon bei der Eroberung des Weltraums gezeigt haben", so der Machthaber - eine Anspielung auf den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete am 12. Dezember, die angeblich einen Satelliten ins All gebracht haben soll.

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"Nichts als Krieg"

Am überraschendsten waren sicherlich die Worte in Richtung des südlichen Nachbarn. "Es ist wichtig, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden zu beenden", sagte Kim. Damit könne "die Teilung des Landes beendet und seine Wiedervereinigung erreicht werden". Die Vergangenheit zeige, dass die Konfrontation zwischen den koreanischen "Landsleuten" zu "nichts als Krieg" führe.

Der Westen blickt jedoch immer noch voller Sorge nach Pjöngjang. Es wird befürchtet, dass Nordkoreas Militär schon bald eine Langstreckenrakete mit Atomsprengköpfen versehen könnte und das Land damit zur atomaren Bedrohung für den Weltfrieden werden würde. Und Kim Jong Un stellte auch gleich klar: Auf die weitere Aufrüstung des Militärs will er keinesfalls verzichten - ganz im Gegenteil.

Aber er ist öffentlich selbstkritisch: Zurzeit sei die nordkoreanische Wirtschaft in keinem guten Zustand, der Lebensstandard ausbaufähig, räumte Kim Jong Un ein. Ob er diese Probleme mit Reformen oder einer Marktliberalisierung zu lösen gedenkt, sagte der Staatsführer nicht. Lediglich eine stärkere Rolle des Forschungs- und Technologiesektors werde angestrebt.

"Nicht fünf Jahre warten"

Nach Ansicht von Experte John Delury von der Yonsei-Universität in Seoul (Südkorea) gibt es für einen wirtschaftlichen Aufschwung eine zentrale Voraussetzung: die Annäherung an Südkorea. "Und darauf kann er nicht fünf Jahre warten". Kollege Yang Moo Jin von der Nationalen Universität in Seoul bewertete den Grundton von Kims Rede aber dennoch als positiv. "Sie könnte begrenzte wirtschaftliche Reformen in diesem Jahr andeuten und sendet zudem eine Botschaft an die neue südkoreanische Präsidentin über den Wunsch zu engeren grenzüberschreitenden Beziehungen", sagte er.

Wirtschaftliche Impulse soll nach Ansicht von Kim Jong Un aber vor allem die nordkoreanische Rüstungsbranche liefern. "Der Verteidigungssektor sollte mehr ausgeklügelte Militärausrüstung unserer eigenen Machart entwickeln", empfahl der Machthaber. "Nur wenn wir unsere Militärmacht in jeder Hinsicht weiterentwickeln, wird das Land prosperieren und die Sicherheit und Zufriedenheit seiner Bürger steigen." In den Hauptstädten der USA und Europas können solche Worte kaum beruhigen.

Die Fernsehansprache lässt sich indes als Zeichen dafür deuten, dass Kim Jong Un eher am Kommunikationsstil seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung anknüpfen will - und weniger an dem seines Vaters. Der hatte öffentliche Auftritte möglichst vermieden und ließ seine Neujahrsbotschaften stets über die drei großen Zeitungen des Landes unters Volk bringen. Kim Jong Uns Rede im Staatsfernsehen war somit die erste ihrer Art seit 19 Jahren. Vor knapp einem Jahr war er nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il zum Staatsoberhaupt berufen worden.

Armes Volk, starke Armee

Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang sind seit dem Koreakrieg in den 1950er Jahren angespannt. Ein Friedensabkommen haben die Nachbarländer bis heute nicht geschlossen. Die Bevölkerung Nordkoreas leidet unter extremer Armut und Unterernährung, während die Streitkräfte zahlenmäßig stark und hochgerüstet sind.

In Südkorea wurde Mitte Dezember die konservative Politikerin Park Geun Hye zur Präsidentin gewählt. Sie hat sich von der harten Linie ihres Vorgängers Lee Myung Bak gegenüber Pjöngjang distanziert und sich für eine engere Zusammenarbeit ausgesprochen.

Bis vor kurzem hatte in Pjöngjang nichts auf Versöhnung hingedeutet, im Gegenteil. Den Langstreckenraketentest im Dezember wertete der Westen als Vorbereitung eines dritten Atomtests. Gegen Nordkorea wurden wegen seiner Atomwaffenversuche und Raketentests mehrfach UN-Sanktionen beschlossen - ohne dass Pjöngjang bislang nachgegeben hätte.

Südkoreanische Aktivisten ließen am Neujahrstag in der Grenzstadt Gwanjeonri sieben Ballons mit insgesamt 28.000 Pamphleten gegen die nordkoreanische Führung in die Luft steigen. Es kam vorübergehend zu Zusammenstößen mit Anwohnern, die die Aktion verhindern wollten, weil sie eine militärische Reaktion des Nordens befürchteten.

 
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