21.06.2013, 20:41 Uhr | AP/dpa
Mit mafiösen Strukturen versetzt Al-Kaida die Bewohner von Mossul, drittgrößte Stadt im Irak und wichtigstes Tor nach Syrien, in Angst und Schrecken. Sei es durch Einschüchterung vor den Regionalwahlen oder beim Eintreiben von Schutzgeldern.
Mossul und seine Umgebung sind einer der größten Brennpunkte im Irak. Ein Welle von Anschlägen und Schießereien kostete seit Anfang April fast 2000 Menschen das Leben. Es war der schwerste Gewaltausbruch in dem Land seit fünf Jahren. Unter den Opfern waren auch mehrere Kandidaten für die Regionalwahlen.
"Wir sind definitiv besorgt darüber", sagt ein US-Diplomat, der seinen Namen nicht veröffentlich wissen wollte, über die Sicherheitslage in Mossul. Die Al-Kaida setze sich in der Region fest und vermittle den Menschen das Gefühl, dass die Regierung sie nicht beschützen könne.
Am Donnerstag waren die Menschen in der Provinz Ninewa, wo auch Mossul liegt, und in der Nachbarprovinz Anbar aufgerufen, die Mitglieder der Provinzräte zu wählen. Im Rest des Landes hatten die Menschen schon im April ihre Stimme abgegeben. Für die beiden von Sunniten dominierten Provinzen hatte die Regierung in Bagdad die Wahlen aus Sicherheitsgründen verschoben.
Der irakische Arm der Al-Kaida versucht sich derzeit als eigenständiger Akteur in der Region zu profilieren. Vergangene Woche brüskierte der Führer des irakischen Ablegers das Oberkommando des Terrornetzwerkes, als er darauf beharrte, dass seine Gruppe die Federführung für alle Einsätze in Syrien behalte. Dort sollen Al-Kaida-Kämpfer den Sturz von Machthaber Baschar al-Assad erzwingen.
Auch die Geschäftsleute in Mossul bekommen die wachsende Stärke von Al-Kaida zunehmend schmerzhaft zu spüren. Entweder zahlen sie Schutzgeld oder sie müssen mit harten Konsequenzen rechnen. Es sei deutlich schlimmer geworden, seit die US-Soldaten im Dezember 2011 abgezogen seien, klagen sie.
Geschäftsmann Safwan al-Mussili ist einer von ihnen. "Sie sagen uns: Zahle diesen Betrag. Und wenn die Summe höher ist als im Vormonat, dann sagen sie dir: Du warst doch vergangenen Monat in China, hast das und das importiert und machst den und den Gewinn", sagt er und fügt konsterniert hinzu: "Es sieht so aus, als wüssten sie alles über uns." Betroffen sind Ladenbesitzer, Goldschmiede, Supermärkte, Tankstellen oder auch Apotheken - überall tauchen dieser Tage die Geldeintreiber auf.
Al-Mussili sagt, er habe keine andere Wahl als zu zahlen. Vor zwei Monaten habe sich mal ein Geschäftsmann geweigert. Wenig später explodierte eine Bombe in dessen Laden und tötete ihn. "Das hat jeden dazu gezwungen, zu zahlen. Wir sehen nicht, dass die Sicherheitskräfte irgendetwas tun, um diese Situation zu beenden."
Was die Lage zusätzlich erschwert, sind die religiösen und ethnischen Spannungen. In Syrien kämpfen vornehmlich Sunniten gegen das Regime von Präsident Assad, einem Mitglied der Alawiten, die wiederum zu den Schiiten gehören. Im Irak herrscht ebenfalls eine von Schiiten geführte Regierung. In Mossul und Umgebung leben jedoch überwiegend Sunniten.
Zuletzt gingen die Sicherheitskräfte mehrfach brutal gegen sunnitische Demonstranten vor. Auch der ungeklärte Tod von fünf Menschen, darunter ein 15 Jahre alter Junge, sorgt für Wut und Argwohn. Sie wurden von der Polizei festgenommen und eine Woche später tot aufgefunden. Die Polizei erklärt, die fünf Menschen seien zum Zeitpunkt ihrer Ermordung nicht mehr in Polizeigewahrsam gewesen und macht die Al-Kaida für die Taten verantwortlich. Viele Bürger werfen der Polizei vor, die fünf hingerichtet zu haben.
Das fehlende Vertrauen der Menschen, die Angst vor den militanten Islamisten und den Sicherheitskräften erschwert den Kampf gegen Al-Kaida. "Das Problem ist, dass niemand in Mossul aufsteht und sich beschwert", sagt ein ranghoher Geheimdienstmitarbeiter. Er schätzt die Höhe der eingetriebenen Schutzgelder auf eine bis 1,5 Millionen Dollar - eine beträchtliche Summe im Irak. "Wir würden diese Leute gerne auf frischer Tat ertappen", sagt er. "Aber die lokale Regierung arbeitet nicht mit den Sicherheitskräften zusammen."
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21.06.2013, 20:41 Uhr | AP/dpa
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