09.07.2013, 18:58 Uhr | dpa
San Francisco (dpa) - Die Untersuchung zum Absturz eines Passagierjets in San Francisco läuft auf Hochtouren. Sicher scheint, dass die Maschine viel zu niedrig einflog. Rettungsteams werden als "Helden" gefeiert - obwohl sie möglicherweise ein Opfer überfuhren.
Die Ermittler gehen der Todesursache eines der beiden gestorbenen Mädchen näher auf den Grund. Es müsse geklärt werden, ob die chinesische Teenagerin möglicherweise von einem zu dem brennenden Wrack eilenden Rettungswagen überfahren sein könnte, sagt die Feuerwehrchefin der US-Stadt, Joanne Hayes-White. "Ich versichere Ihnen, wir prüfen das ganz genau." Die Leichen von zwei 16-jährigen Schülerinnen wurden außerhalb der Maschine auf der Rollbahn gefunden.
Wenige Tage nach der Bruchlandung der Boeing 777 von Asiana Airlines mit 307 Menschen an Bord herrschte keine Zweifel mehr, dass sie den Flughafen viel zu langsam und viel zu tief anflog. Statt mit empfohlenen 253 Kilometern pro Stunde habe die Maschine mit einer Geschwindigkeit von nur 196 Kilometern pro Stunde die Landebahn erreicht, teilte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman, am Montag (Ortszeit) in San Francisco mit.
Das Flugzeug habe eine Mauer eingerissen, die den Flughafen am Rande der Bucht von San Francisco vom Meer abgrenzt. Hersman zufolge wurde dabei das Fahrwerk abgetrennt. Einige Stücke seien im Wasser gelandet. Nach einer Schleuderfahrt, bei der weitere Teile abgerissen wurden, kam die Maschine am Rande der Landebahn zum Stehen. Für die langwierigen Ermittlungen sind Experten des südkoreanischen Verkehrsministeriums in die USA geflogen.
Eine offizielle Erklärung für das Unglück stand noch aus. Hersman wollte zunächst nicht von einem Pilotenfehler sprechen. Die vier Piloten und die übrige Crew von Flug 214 der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana Airlines sollten zum Hergang des Unfalls Auskunft befragt werden, hieß es.
Derweil kehrte eine Japan-Airlines-Maschine wegen technischer Probleme nach dem Abflug Richtung San Francisco zum Startflughafen in Tokio zurück. Es handelte sich ebenfalls um eine Boeing 777. Sie sei samt der 249 Mitreisenden nach vier Stunden auf dem Flughafen in Haneda gelandet, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji am Dienstag. Aufgrund von Öl, das wohl bei der Landung aus der Maschine austrat, habe die Landebahn zeitweise gesperrt werden müssen.
Unterdessen wurden in San Francisco die Retter von Feuerwehr und Polizei als "Helden" gefeiert. Trotz einer großen Menge auslaufenden Treibstoffes sei sie zur Rettung von Passagieren in den brennenden Rumpf geklettert, sagte Feuerwehrfrau Chrissie Emmons am Montag vor Reportern. Sie beschrieb eine hektische Suche nach eingeklemmten Fluggästen im zerstörten Heck der Maschine. "Wir hatten Glück, dass wir alle rausholen konnten", sagte Emmons. Der Polizist Jim Cunningham schilderte, wie er ohne Schutzkleidung durch die brennende Maschine lief, um Opfern zu helfen.
Die beiden getöten Mädchen, die auf dem Weg zu einem mehrwöchigen Sommer-Camp in Kalifornien waren, saßen im hinteren Teil des Flugzeugs, wo Passagiere die schwersten Verletzungen erlitten. Am Montag (Ortszeit) lagen nach Auskunft der Ärzte noch 27 Menschen im Krankenhaus, sieben von ihnen in kritischem Zustand. Mehrere Passagiere erlitten als Folge des heftigen Aufpralls bleibende Lähmungen.
Die Maschine war nach einem gut zehnstündigen Flug von Seoul auf der Landebahn des internationalen Airports von San Francisco aufgeschlagen. Sie brach auseinander und brannte größtenteils aus. Der Untersuchung zufolge gab es vor der Bruchlandung keinen Hilferuf über einen möglichen Notfall aus dem Cockpit. Beide Motoren seien funktionsfähig gewesen, teilte Hersman mit.
09.07.2013, 18:58 Uhr | dpa
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