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Flughafen Istanbul: IS wohl verantwortlich für Anschlag mit 36 Toten

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Istanbuler Atatürk-Flughafen  

Anschlag mit 36 Toten: Hinweise auf IS als Urheber

29.06.2016, 18:57 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

Flughafen Istanbul: IS wohl verantwortlich für Anschlag mit 36 Toten. Spurensicherung nach dem verheerenden Attentat am Istanbuler Flughafen mit vielen Todesopfern.  (Quelle: AFP)

Spurensicherung nach dem verheerenden Attentat am Istanbuler Flughafen mit vielen Todesopfern. (Quelle: AFP)

Bei einem Terroranschlag in der Türkei haben drei Selbstmordattentäter 36 Menschen getötet und fast 150 verletzt. Es gebe Hinweise, dass hinter dem Attentat auf dem Istanbuler Flughafen die radikal-islamische IS-Miliz stecke, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim.

Unter den Toten seien wahrscheinlich auch einige Ausländer. Bei dem Attentat, das Dienstagabend kurz vor 22 Uhr begann, hat laut Augenzeugen einer der Täter in der Abflughalle um sich geschossen. Dann hätten sich alle drei in oder in der Nähe der eine Etage tiefer gelegenen Ankunftshalle in die Luft gesprengt. Der Atatürk-Flughafen ist der größte der Türkei und ein wichtiges Drehkreuz für Reisende aus aller Welt. 

"Alles war voller Blut"

Yildirim zufolge sind die Attentäter mit einem Taxi am Flughafen angekommen, hätten Maschinengewehre gezogen und um sich geschossen. Laut türkischen Behörden habe die Polizei versucht, zwei der Angreifer durch Schüsse zu stoppen, bevor sie die Kontrollstelle in der Ankunftshalle erreichten. Doch die Attentäter hätten ihre Sprengsätze gezündet.

"Es gab eine gewaltige Explosion", berichtete Ali Tekin, der in der Ankunftshalle auf einen Fluggast wartete. "Es war sehr laut. Die Decke stürzte herab. In dem Flughafen sieht es furchtbar aus." Eine Frau, die gerade aus Deutschland angekommen war, erzählte, sie habe sich auf den Boden geworfen, als sie die Explosion gehört habe. "Alle sind weggerannt. Überall lagen Körperteile. Alles war voller Blut."

Der aus Südafrika stammende Paul Roos schilderte den Angriff eines der Attentäter in der Abflughalle als "wahllose Schießerei". "Er hat einfach auf jeden geschossen, der ihm in die Quere kam. Er war ganz in Schwarz gekleidet und nicht maskiert." Roos sagte Reuters, er sei nur 50 Meter entfernt von dem Angreifer gewesen. "Es gab zwei Explosionen - kurz hintereinander. Dann hat er aufgehört zu schießen. Er drehte sich um und kam auf uns zu. Er sah sich um, ob ihn jemand aufhalten würde, und dann lief er zum Aufzug. Wir hörten weitere Schüsse, dann noch eine Explosion, und dann war es vorbei."

Der Flugverkehr am Atatürk-Airport wurde nach dem Angriff vorerst eingestellt, mittlerweile aber wieder aufgenommen. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Angriff sorgt allerdings für ein massives Chaos im Flugverkehr.

Entgegen ersten Angaben ist vom Flughafen Berlin-Tegel wieder eine Maschine in die Bosporus-Metropole gestartet, wie ein Flughafensprecher mitteilte. Zunächst hatte der Sprecher erklärt, dass es am Mittwoch keine Flüge von Tegel in die türkische Metropole geben werde. Ob die weiteren vier regulären Flüge abgesagt würden, sei eine Entscheidung der Fluggesellschaft Turkish Airlines, hieß es am Morgen.

Auf den Flugverkehr in Frankfurt habe sich der Anschlag in Istanbul kaum ausgewirkt, erklärte der Flughafenbetreiber Fraport. Am Dienstagabend sei ein Flug gestrichen worden, am Mittwoch würden drei Flüge aus Istanbul und zwei Flüge nach Istanbul gestrichen, hieß es. 

Rettungskräfte am Einsatzort.  (Quelle: AP/dpa)Rettungskräfte am Einsatzort. (Quelle: AP/dpa)

"Ein abscheulicher, geplanter Terrorakt"

Auch etliche Stunden nach dem schweren Anschlag hat sich noch niemand dazu bekannt. Er erinnerte aber an das IS-Attentat auf den Brüsseler Flughafen im März, bei dem 16 Menschen getötet worden waren. Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen zeige einmal mehr, dass der Terrorismus eine weltweite Bedrohung sei, sagte Yildirim. "Dieser Angriff, der auf unschuldige Menschen zielte, ist ein abscheulicher, geplanter Terrorakt." In der Türkei häufen sich in jüngster Zeit die Attentate. Zu einigen bekannte sich die IS-Miliz, gegen die die Türkei im Rahmen der US-geführten Allianz kämpft. Zwei Anschläge mit Autobomben in der Hauptstadt Ankara werden kurdischen Extremisten zugeschrieben.

Auf Twitter hat ein User ein Video gepostet, das angeblich eine der Explosionen am Istanbuler Flughafen zeigt.

Erdogan fordert "entschlossene Haltung"

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, das Attentat müsse ein Wendepunkt im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus sein. "Die Bomben, die heute in Istanbul explodiert sind, hätten in jedem Flughafen, in jeder Stadt auf der ganzen Welt detonieren können." Er erwarte, dass die Weltgemeinschaft eine "entschlossene Haltung" gegenüber Terrorgruppen einnehme. Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen ziele darauf, die Türkei zu untergraben, sagte Erdogan. Dazu werde das Blut unschuldiger Menschen vergossen und Angst verbreitet.

Notfallambulanz am Anschlagsort. (Quelle: AP/dpa)Notfallambulanz am Anschlagsort. (Quelle: AP/dpa)

Die USA verurteilten den Anschlag und sicherten der Türkei ihre Hilfe zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein verstärktes Vorgehen gegen Terrorismus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Hintergründe seien zwar noch nicht klar. "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk aber sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich entsetzt über die Anschläge. "Noch sind die Hintergründe unklar, aber alles deutet darauf hin, dass Terroristen erneut in der türkischen Metropole zugeschlagen haben", sagte Steinmeier in Berlin am Rande eines Fastenbrechens mit Christen, Juden und Muslimen. "Wir stehen an der Seite der Türkei."

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sprach von einem "feigen" Verbrechen machtbesessener Terroristen. Die Anschläge hätten das Ziel, die Menschen überall auf der Welt zu verängstigen, sagte er.

Anschlag vor drei Wochen in Istanbul

Im Januar waren bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum zwölf deutsche Urlauber getötet worden. Neben dem IS verübt auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - immer wieder Anschläge in türkischen Metropolen. Vor drei Wochen erst waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls.

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