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Kriegsverbrechen: Tribunal erklärt Ex-Präsident Taylor für schuldig

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Tribunal erklärt Ex-Präsident Taylor für schuldig

26.04.2012, 14:23 Uhr | dpa, AFP, dapd

Liberias Ex-Präsident Charles Taylor ist von einem internationalen Tribunal der Kriegsverbrechen mitschuldig befunden worden. Er musste sich als einer der Hauptverantwortlichen für Gräueltaten während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone (1991-2002) verantworten, denen nach Schätzungen mehr als 120.000 Menschen zum Opfer fielen.

Taylor ist das erste frühere Staatsoberhaupt, das seit den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Kriegsverbrecher-Tribunal verurteilt wurde. Damals wurde stand Karl Dönitz als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Wehrmacht vor dem Internationalen Militärgerichtshof.

Das Gericht sei zweifelsfrei zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte "strafrechtlich verantwortlich ist für Hilfe und Begünstigung" bei schweren Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten, erklärte Richter Richard Lussick aus Samoa.

Der 64-Jährige habe "wesentlichen Einfluss" auf die blutrünstigen Rebellen im Nachbarland gehabt. Allerdings habe er sie im Gegensatz zu den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft nicht vollständig kontrolliert.

Waffen wurden mit Blutdiamanten bezahlt

Die Anklage hatte Taylor vorgeworfen, als Präsident Liberias die äußerst brutale Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) in Sierra Leone ausgehalten und kontrolliert zu haben. Für Waffenlieferungen an die Rebellen, die tausenden Zivilisten Gliedmaßen abhackten, ließ er sich mit geraubten Edelsteinen bezahlen, sogenannten Blutdiamanten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Taylor solche Edelsteine für umfangreiche Hilfeleistungen erhalten hat.

In dem Kriegsverbrecher-Prozess, der im Juni 2007 begann, war Taylor in insgesamt elf Punkten angeklagt. Das Strafmaß muss der in Leidschendam unweit von Den Haag tätige Sondergerichtshof für Sierra Leone noch festlegen. Es soll am 30. Mai verkündet werden. Nach Angaben des Außenministeriums in London soll Taylor seine Strafe in einem britischen Gefängnis verbüßen. Ihm droht lebenslange Haft.

Der Prozess hatte unter anderem durch Zeugenaussagen des britischen Models Naomi Campbell sowie der US-Schauspielerin Mia Farrow Aufsehen erregt. Taylor hat stets alle Vorwürfe zurückgewiesen und sich als Opfer einer internationalen Intrige dargestellt.

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