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Barack Obama in Berlin: Fremdeln mit dem US-Präsidenten

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US-Präsident in Europa: Fremdeln mit Obama

18.06.2013, 10:41 Uhr | Carsten Volkery, Spiegel Online

Obama im G-8-Tagungsort Lough Erne: Kühler Empfang  (Quelle: dpa)

Obama im G-8-Tagungsort Lough Erne: Kühler Empfang (Quelle: dpa)

Europa-Reisen, das waren einst Triumphzüge für Barack Obama. Bei seinem Besuch in Nordirland zeigt sich nun jedoch: Der US-Präsident stößt auf Skepsis, die Syrienfrage und der NSA-Abhörskandal belasten das Verhältnis zu den Partnern.

Es war so magisch wie früher. Als Barack Obama am Montagmorgen im Belfaster Rathaus von seinem um acht Grade entfernten irischen Cousin Henry erzählt ("Wir nennen ihn Henry den Achten") und zum Beweis seine abstehenden Ohren anführt, da bricht das Publikum in seliges Gelächter aus.

Amerikas Geschichte habe in Belfast begonnen, ruft Obama. Von hier seien die Einwanderer einst in Richtung neue Welt gesegelt. "Wir sind verbunden durch Blut und Glauben, Kultur und Handel", ruft er und erntet donnernden Applaus.

Ein US-Präsident auf der irischen Insel - das ist immer ein Heimspiel. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren besucht Obama zusammen mit First Lady Michelle das Land seiner Vorfahren.

Damals hatte er wegen der Aschewolke über Island frühzeitig wieder abreisen müssen. "Wir wollten unbedingt wieder zurückkommen", sagt er nun. "Und diesmal haben wir unsere Töchter mitgebracht".

Berlin, Barrack Obama (Quelle: dpa) So sehen die geplanten Stationen des Obama-Besuchs in Berlin aus. (Quelle: dpa)

Die nordirischen Jugendlichen hängen an seinen Lippen. Obama genießt die Begeisterung. Es ist so wie damals, als er noch der Hoffnungsträger der Welt war.

Kühler Empfang beim G8-Gipfel

Der Ausnahmezustand dauert nur wenige Stunden, dann holt ihn die Realität wieder ein. Ein 40-minütiger Hubschrauberflug bringt ihn zum Golfhotel am Lough Erne, wo die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industrieländer zum zweitägigen G-8-Gipfel weilen. "Marine One" landet auf dem Grün von Loch 14.

Der Empfang im Kreise der Kollegen ist deutlich kühler als in Belfast. Der erste Fototermin geht noch. Obama findet sich in einem schwülen Zelt wieder, eingerahmt von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Barroso schwitzt, er hat sein Hemd bis zum dritten Knopf geöffnet. Gastgeber David Cameron hat sein Sakko abgelegt.

Die Präsidenten feiern den Start der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Es fallen die Worte "historisch" und "game changer". Schließlich geht es, in den Worten des begeisterten Gastgebers, um "das größte Handelsabkommen der Welt".

Geduldig lässt Obama die länglichen Statements der Europäer über sich ergehen. Doch danach geht es zur Sache. Die schönen Bilder der hemdsärmeligen Staatsmänner am See können die Brüche zwischen den G-8-Partnern nicht verdecken.

Foto-Serie: Top-Nachrichten des Tages

Waffenlieferung an syrische Rebellen stößt auf Skepsis

Mit der Ankündigung, Waffen an syrische Rebellen zu liefern, hat Obama den Konflikt mit Russlands Präsident Wladimir Putin verschärft - und auch die Europäer in eine unbequeme Lage gebracht.

Wenig überraschend lehnt Russland, enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, die geplanten Waffenlieferungen sogleich ab. Doch auch die europäischen Verbündeten wollten dem US-Beispiel nicht einfach folgen.

Zwar hatten insbesondere die Briten Obama zum Eingreifen gedrängt. Doch nun könnte es passieren, dass die USA erst einmal alleine vorpreschen müssen. Cameron findet im Unterhaus keine Mehrheit für eine Waffenlieferung an die Rebellen.

In die Klemme manövriert

Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes müht sich am Abend, keine Misstöne aufkommen zu lassen: Verschiedene Nationen würden eben auf verschiedene Weise beitragen.

Schließlich solle Syriens Opposition ja nicht allein militärische Hilfe erhalten, sondern auch als "politisches Gebilde" gestärkt werden, um am Verhandlungstisch erfolgreich zu sein. Die USA ihrerseits würde weitere humanitäre Hilfen im Volumen von mehr als 300 Millionen Dollar für syrische Flüchtlinge leisten.

Obama aber könnte nun in einen Krieg hineingezogen werden, in den er nie hineingezogen werden wollte. Schuld daran ist vor allem er selbst: Mit seiner Ankündigung vor einem Jahr, der Einsatz von Chemiewaffen sei eine "rote Linie", hat er sich selbst in die Klemme manövriert.

Auf dem G-8-Gipfel wird nun um eine gemeinsame Syrien-Resolution gerungen, die beide, Putin und Obama, unterschreiben können. Doch scheiden sich an Assad weiterhin die Geister. Am Abend sprechen die beiden Präsidenten zwei Stunden miteinander, länger als geplant. Doch am Ende können sie nur ihre Differenzen in Sachen Syrien feststellen.

In einem in der Nacht zum Dienstag ausgestrahlten TV-Interview mit dem Sender PBS erklärt Obama, das er sich eine "stabile, nicht sektiererische, das ganze Volk repräsentierende Regierung" in Syrien wünsche.

Obama nicht mehr der Heilsbringer

Trotz der bitteren Erfahrung des Irak-Kriegs könne sich Amerika nicht aus Syrien heraushalten. "Wir haben dort erhebliche, nicht nur humanitäre Interessen", so Obama, "eine Situation andauernden Chaos' in einem wichtigen Land", das an Staaten wie Jordanien oder Israel grenze, sei nicht hinnehmbar.

Das zweite Thema, das Obama auf seiner Europa-Reise verfolgt, ist der NSA-Abhörskandal. Die Enthüllung, dass der US-amerikanische Geheimdienst massenweise Daten von ausländischen Internetnutzern sammelt und speichert, sorgt nicht nur in Deutschland für Empörung.

Kanzlerin Angela Merkel will das Thema unter vier Augen ansprechen. Im PBS-Interview verteidigt Obama das Programm erneut. Man könne stolz sein auf die NSA-Mitarbeiter, "sie haben sich der Sicherheit des amerikanischen Volkes verschrieben".

Ob Merkels Worte einen Eindruck hinterlassen, darf also bezweifelt werden. Doch wird Obama bei seinem Berlin-Besuch ab Dienstag selbst merken, wie die Stimmung sich seit seinem umjubelten Auftritt an der Siegessäule 2008 gewandelt hat. Er wird nicht mehr als Heilsbringer wahrgenommen, sondern als US-Präsident, der die umstrittene Außen- und Sicherheitspolitik seines Vorgängers in vielen Punkten fortführt.

Für Merkel liegt in Obamas Absturz vom Olymp eine gewisse Genugtuung. Sie hat seine Art, Politik zu machen, nie gemocht. Sie misstraut den großen Reden, den großen Visionen. Die Schwärmerei der Deutschen für den großen Rhetoriker hat sie immer auch als Kritik an ihrem eigenen Auftreten aufgefasst. Dass Obama sich nun von Skandal zu Skandal hangelt, kann sie als Punktgewinn verbuchen.

Mitarbeit: Sebastian Fischer, Washington

18.06.2013, 10:41 Uhr | Carsten Volkery, Spiegel Online

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