21.06.2013, 19:47 Uhr | Reuters, dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (li.) und Russlands Präsident Wladimir Putin beim Shake-Hands. (Quelle: AP/dpa)
In letzter Minute haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin einen Eklat im Beutekunst-Streit abgewendet. Beide Politiker erklärten, nun doch gemeinsam eine Bronzezeit-Ausstellung in der St. Petersburger Eremitage zu eröffnen. Zuvor war der Termin nach Angaben der Bundesregierung abgesagt worden.
Hintergrund war demnach, dass Russland keine Grußworte von Merkel und Putin zulassen wollte. In ihrer kurzen Rede wollte die Kanzlerin die deutsche Position zur Beutekunst noch einmal deutlich machen.
Putin bestritt allerdings, dass die Ausstellungseröffnung abgesagt worden sei. Es sei nur um die Frage gegangen, ob es genügend Zeit für die Fahrt zur Eremitage geben werde. "Jetzt haben wir mit der Frau Bundeskanzlerin die Agenda angeschaut und gesehen, dass wir genügend Zeit haben. Dieses Problem existiert gar nicht", betonte er.
Merkel erklärte: "Ein direktes Gespräch zwischen dem Präsidenten und mir hat dazu geführt, dass sofort ein Einverständnis darüber war, dass beide heute etwas zur Presse über diese Ausstellung sagen." Damit sei das Problem als solches gelöst.
Ein angebliches Redeverbot für Kanzlerin Merkel wurde von russischer Seite als "unzutreffend" zurückgewiesen. "Niemand hat die Macht, einer Bundeskanzlerin zu verbieten etwas zu sagen, wenn sie dies gern möchte", sagte Michail Schwydkow, Vertreter des Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit.
Putin erklärte weiter, deutsche Forderungen nach Rückgabe von Kunstgegenständen seien eine sehr delikate Frage. "Wir müssen nach Lösungen suchen, nicht das Thema aufblasen. Wir dürfen nicht gegeneinander aufrechnen, sondern sollten den Weg der Kunstexperten gehen. Wenn wir uns vorwärts bewegen wollen, müssen wir das heute nicht aufbauschen, sondern irgendwelche Lösungswege suchen."
Jetzt solle keine Diskussion dazu gestartet werden, denn es gebe auf der russischen Seite auch Stimmen, die die Verluste von Kunstwerken durch den Einfall der Deutschen aufrechnen wollten.
Bundeskanzlerin Merkel forderte Putin hingegen auf, die Kunstschätze zurückzugeben. "Wir sind der Meinung, dass diese Ausstellungstücke wieder zurück nach Deutschland kommen sollen." Sie sollten den Eigentümern oder deren Rechtsnachfolgern zurückgegeben werden, sagte die Kanzlerin. Putin sagte, die Ausstellung zeige, dass die gemeinsamen Wurzeln Russlands und Deutschlands in die Bronzezeit zurückgingen. "Was macht es einem ganz normalen Bürger aus, wo die Kulturgüter zu sehen sind - in Berlin, Sankt Petersburg, Moskau oder in der Türkei."
Der Streit um die von der damaligen sowjetischen Armee 1945 aus Deutschland erbeuteten Kunstgegenstände schwelt seit Jahrzehnten. Russland hatte 1998 ein Gesetz abgeschlossen, das die im Zweiten Weltkrieg entwendeten Kunstwerke, Bücher und Akten als russisches Staatseigentum bezeichnet.
Deutschland hält dieses Gesetz für völkerrechtswidrig. Nach Angaben der Bundesregierung geht es um über eine Million Kunstobjekte, 3,5 Millionen Bücher und drei Kilometer Archivmaterial.
21.06.2013, 19:47 Uhr | Reuters, dpa
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