20.11.2012, 21:37 Uhr | dapd, AFP, dpa
Nach Angaben der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas konnte am Dienstag doch keine Einigung mit Israel auf ein Ende der Gewalt erzielt werden. Das teilte das Mitglied des Hamas-Politbüros, Isat Rischek, von Kairo aus über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Zuvor hatte die Hamas das Gegenteil verkündet - Israel dagegen betonte, es werde noch verhandelt.
"Bisher gibt es keine Einigung auf ein Abkommen, und es wird auch heute Nacht keine mehr geben. Alle Optionen sind offen. Unser Volk und unser Widerstand sind auf alle Möglichkeiten vorbereitet", schrieb Rischek.
Zuvor hatte schon ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mitgeteilt, bisher gebe es keine Einigung. Entsprechende Hoffnungen hatte der ägyptische Präsident Mohammed Mursi ausgelöst, der zwischen beiden Seiten vermittelt.
Unterdessen setzte das israelische Militär die Luftangriffe in der Enklave mit unveränderter Härte fort. Auch militante Palästinenser beschossen Israel weiter mit Raketen. Im Gazastreifen starben bisher 135 Menschen und mehr als 1000 wurden verletzt. In Israel gab es fünf Tote und Dutzende Verletzte.
Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete in der Nacht auf Dienstag schwere Explosionen aus dem gesamten Gazastreifen. Israelische Medien berichteten von anhaltendem Raketenbeschuss.
Internationale Vertreter - darunter auch Bundesaußenminister Westerwelle - versuchen eine israelische Bodenoffensive abzuwenden. zum Video
Die USA verlegten drei Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer, um notfalls US-Bürger aus dem Krisengebiet in Sicherheit bringen zu können. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, berichtete der US-Sender CNN.
Nach palästinensischen Angaben griffen israelische Kampfflugzeuge in der Nacht unter anderem das Gebäude einer Bank in Gaza-Stadt an, über die die in dem Palästinensergebiet herrschende radikalislamische Hamas ihre Gehaltszahlungen abwickelt. Mehrere Verletzte seien anschließend in Krankenhäuser gebracht worden.
Auch ein Regierungsgebäude und das Haus eines Milizenführers seien angegriffen worden, hieß es. Angriffe wurden auch aus Chan Junis im Süden des Gazastreifens gemeldet. Hier sei ein Wohngebiet beschossen worden. Die israelische Armee habe die Bewohner Gazas davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen.
Die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, gaben Maan zufolge an, allein am Montag mehr als 100 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert zu haben. Nach Berichten der israelischen Nachrichtenwebsite Ynet wurden insgesamt 135 Geschosse abgefeuert, von denen 67 auf israelischem Gebiet eingeschlagen seien. 42 weitere seien abgefangen und in der Luft zerstört worden.
Bombeneinschläge in ihrer unmittelbaren Umgebung. Auch während Live-Sendungen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. zum Video
In der Nacht schlug Ynet zufolge ein Geschoss in der Ortschaft Ofakim ein. In mehreren israelischen Ortschaften wurde Luftalarm gegeben. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.
Seit Beginn des blutigen Schlagabtauschs am vergangenen Mittwoch wurden nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums mindestens 107 Palästinenser getötet. Mehr als 800 weitere seien verletzt worden. Etwa die Hälfte der Getöteten seien Zivilisten, unter den Verletzten 200 Kinder. Auch drei Israelis starben.
US-Präsident Barack Obama sprach am Montag am Telefon erneut mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sowie mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über die Eskalation der Gewalt. Dabei habe er betont, dass der Raketenbeschuss Israels beendet werden müsse, teilte das Weiße Haus mit.
Zuvor war UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo eingetroffen, wo die Konfliktparteien unter ägyptischer Vermittlung über die Bedingungen für eine Einstellung der gegenseitigen Angriffe verhandeln. Nach einem Treffen mit Ban zeigte sich der ägyptische Außenminister Mohamed Amr zuversichtlich, in den "kommenden Tagen" Resultate vorweisen zu können.
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle mahnte nach einem Treffen mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman am Montagabend in Jerusalem zu einem baldigen Ende der gegenseitigen Angriffe. "Entscheidend ist, dass wir nichts unversucht lassen, einen Waffenstillstand zu ermöglichen", sagte er. Dabei sei besonders wichtig, mit Ägypten im Gespräch zu bleiben. "Es ist ganz wichtig, dass Ägypten eine konstruktive Rolle einnimmt." Heute will Westerwelle mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammentreffen.
Netanjahu versammelte am Montagabend seine engsten Minister um sich, um über den Fortgang der Militäroperation im Gazastreifen und eine mögliche Bodenoffensive zu beraten. Nach Angaben des israelischen Rundfunks sind bereits etwa 40.000 Reservisten einberufen worden.
In New York kam der UN-Sicherheitsrat erneut zu kurzfristig einberufenen Beratungen über die Lage im Nahen Osten zusammen. Dabei sei das Gremium von der politischen Abteilung der Vereinten Nationen über die aktuelle Entwicklung informiert worden, sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig im Anschluss. "Die Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, dass die gefährliche Situation so schnell wie möglich deeskaliert werden muss." Das Gremium arbeite derzeit an einer gemeinsamen Erklärung.
Quelle: dapd, AFP, dpa
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