21.11.2012, 08:54 Uhr | dapd, dpa
Die Waffenruhe in Nahost bleibt vorerst aus: In der Nacht zu Mittwoch gingen die Auseinandersetzungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas unvermindert weiter. Israelische Panzer und Kanonenboote feuerten auf Ziele im Gazastreifen, während militante Palästinenser von dort mindestens 200 Raketen auf südisraelisches Gebiet abschossen.
Die israelische Luftwaffe bombardierte nach eigenen Angaben Dutzende Ziele. Unter anderem habe man eine Geheimdienstzentrale der Hamas angegriffen, die absichtlich in einem Mediengebäude versteckt gewesen sei, hieß es in einer Mitteilung. Es seien auch ein ranghohes Mitglied der Hamas-Luftabwehr, mehrere Terrorzellen, etwa 50 unterirdische Raketen-Abschussrampen, Waffenschmuggler-Tunnel sowie Waffenlager beschossen worden.
Hoffnungen auf eine rasche Waffenruhe-Vereinbarung unter ägyptischer Vermittlung hatten sich am Dienstagabend zerschlagen. Das israelische Fernsehen berichtete, es gebe noch Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten.
Israelische Regierungsvertreter und Sprecher der Hamas ließen mitteilen, dass weiterhin Hoffnung auf eine baldige Feuerpause bestehe. Man strebe eine Einigung binnen 24 Stunden an.
Ein Sprecher von Ministerpräsident Netanjahu sprach von einem terroristischen Akt. Der Anschlag schürt die Angst vor einer Eskalation. zum Video
Der palästinensische Botschafter in Deutschland rechnete mit einer baldigen Waffenruhe. "Wir gehen davon aus, dass heute, spätestens bis morgen eine Waffenruhe unter Dach und Fach ist", sagte Salah Abdel Shafi im ARD-"Morgenmagazin". Die Reise von US-Außenministerin Hillary Clinton nach Jerusalem zeige, wie wichtig ein Ende der Kämpfe auch für die internationale Gemeinschaft sei.
Clinton führte in der Nacht Gespräche mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Außenminister Avigdor Lieberman und Verteidigungsminister Ehud Barak. Am Mittwoch wollte sie auch den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas treffen und später nach Ägypten weiterreisen.
Netanjahu erklärte, er würde eine diplomatische Lösung der Krise begrüßen. "Aber falls nicht, bin ich sicher, dass Sie verstehen, dass Israel alle nötigen Maßnahmen ergreifen muss, um sein Volk zu verteidigen", sagte Netanjahu bei dem nächtlichen Treffen in Richtung Clinton.
Weniger positiv wurden die Bemühungen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) aufgefasst: Dessen Haltung in dem Konflikt bewertete Abdel Shafi als nicht hilfreich für eine Lösung. Es würden nur die Angriffe aus Gaza auf Israel kritisiert, nicht aber die von Israel auf Gaza.
Bombeneinschläge in ihrer unmittelbaren Umgebung. Auch während Live-Sendungen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. zum Video
"Natürlich hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung - genau, wie jedes andere Land. Aber Palästinenser haben auch das Recht auf Selbstverteidigung", sagte der palästinensische Botschafter. Wenn Deutschland eine Rolle spielen wolle, müsse es eine ausgeglichene Position einnehmen.
Die israelische Luftwaffe flog seit Beginn der Offensive am Mittwoch vergangener Woche fast 1500 Angriffe. Die Hamas schoss mehr als 1000 Raketen auf Israel ab. Dabei kamen im Gazastreifen mehr als 130 Menschen ums Leben. Auf israelischer Seite kamen fünf Menschen ums Leben.
Im Gazastreifen waren nach Angaben der Gesundheitsbehörden mindestens 54 Zivilisten unter den Toten, rund 840 Menschen wurden verwundet, darunter 225 Kinder.
Quelle: dapd, dpa
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