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Algerien: Polizei findet zahlreiche Leichen in Erdgaskomplex

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Polizei findet zahlreiche Leichen in Erdgaskomplex

20.01.2013, 16:09 Uhr | dapd, dpa

Algerien: Mutmaßliche Geiseln warten erhobenen Händen auf algerische Einsatzkräfte. (Quelle: AP)

Algerien: Mutmaßliche Geiseln warten erhobenen Händen auf algerische Einsatzkräfte. (Quelle: AP)

Algerische Sicherheitskräfte haben zahlreiche Leichen nach dem Geiseldrama in dem Erdgaskomplex im Südosten des Landes gefunden. Die Körper seien stark entstellt und schwer zu identifizieren, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte am Sonntag.

Ein Regierungssprecher hatte zuvor mitgeteilt, er rechne damit, dass sich die Zahl der getöteten Geiseln noch erhöhen werde. Nach dem Sturm auf die Anlage Ain Amenas am Samstag hatte die Regierung mitgeteilt, dass insgesamt 23 Geiseln und 32 Extremisten getötet worden seien.

Sicherheitskräfte suchten am Sonntag das Gelände der Erdgasraffinerie nach Minen und anderen Explosivstoffen ab. Dabei entdeckten sie die Leichen. Die Opfer könnten Algerier oder Ausländer sein, sagte der Gewährsmann.

Kommunikationsminister Mohammed Said sagte in einem Radiointerview, die Entführer hätten vorgehabt, den gesamten Komplex in die Luft zu jagen und alle Geiseln zu töten. Der algerische Energiekonzern Sonatrach, der das Gasfeld gemeinsam mit der britischen BP und dem norwegischen Unternehmen Statoil betreibt, teilte mit, die Extremisten hätten das gesamte Gelände vermint.

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Befreite Geiseln zeigen sich erleichtert
Befreite Geiseln zeigen sich erleichtert (Screenshot: ZoomIn)

Allerdings sind mehrere Menschen bei dem finalen Angriff auf die Gasförderanlage in Algerien getötet worden. zum Video

Nach Schilderung einer überlebenden Geisel waren den Gefangenen auch Sprengfallen um den Hals gelegt worden, damit sie nicht flüchten. Die Streitkräfte stellten am Samstag neben schweren Maschinengewehren und Granaten auch Raketen und Raketenwerfer sicher.

Viele werden noch vermisst

Mit Dutzenden Toten war die Geiselnahme am Samstagnachmittag zu Ende gegangen. Algerische Spezialeinheiten stürmten die gekaperte Gasförderanlage und töteten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur APS alle elf verbliebenen Entführer.

Auch sieben Geiseln kamen dabei um, offenbar wurden sie schon vor dem Befreiungsversuch am Samstag von den Extremisten ermordet. Etliche ausländische Arbeiter wurden weiter vermisst, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte.

Regierungschefs verteidigen brutale Befreiungsaktion

Der britische Premierminister David Cameron sagte am Sonntag drei Briten seien getötet worden, drei weitere würden vermisst. Er gab den Extremisten die Verantwortung an dem Blutbad.

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Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande verteidigte die blutige Befreiungsaktion ebenfalls gegen Kritik. "Verhandlungen mit den Terroristen kamen nicht infrage", sagte er, schließlich hätten die Entführer "schändlich gemordet".

Auch US-Präsident Barack Obama stimmte in den Tenor mit ein und verurteilte deren Taten. Die Regierung in Algier könne mit jedweder amerikanischen Unterstützung rechnen, hieß es in einer Stellungnahme Obamas aus dem Weißen Haus.

Die jüngste Attacke sei eine weitere Erinnerung an die Gefahr, die von Al-Kaida und anderen gewalttätigen Terrorgruppen in Nordafrika ausgehe. In den kommenden Tagen werde sich Washington daher eng mit Algier abstimmen, um ein klareres Bild von den Ereignissen zu bekommen und so derartige Tragödien künftig gemeinsam zu vermeiden. Das US-Außenministerium sprach eine Reisewarnung für Algerien aus.

Deutsche Mitarbeiter von Bohrfirma in Sicherheit

Doch der Einsatz in der Sahara rief international auch viel Kritik hervor, da den algerischen Behörden mangelnde Verhandlungsbereitschaft und wenig Rücksicht auf das Schicksal der Gefangenen vorgeworfen wurde.

Deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma in Sicherheit

Am Donnerstag, einen Tag nach dem Beginn der Geiselnahme, hatte die Armee mit Hubschraubern das Feuer auf einen Konvoi der Islamisten erstmals eröffnet, wobei laut einem Bericht des mauretanischen Nachrichtenportals ANI 35 Geiseln und 15 Kämpfer getötet wurden.

Beinahe hätte das dreitägige Geiseldrama in Algerien auch Deutschland betroffen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes vom Samstag sind zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die während der Geiselnahme mehrere Kilometer entfernt an ihrem Einsatzort waren, inzwischen nach Großbritannien ausgeflogen worden.

Sie hätten die letzten Tage an einem sicheren Ort in der Obhut algerischer Sicherheitskräfte verbracht, hieß es. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut.

Die Extremisten hatten ursprünglich erklärt, mit ihrem Überfall die französische Bodenoffensive gegen Islamisten im benachbarten Mali bestrafen zu wollen. Später gaben sie allerdings zu Protokoll, die Aktion seit mehr als zwei Monaten geplant zu haben - also deutlich bevor Paris mit der eigenen Infanterie und Luftwaffe in den malischen Konflikt eingriff.

Quelle: dapd, dpa

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