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Zehnter Jahrestag: Sterbender Irak-Veteran klagt Bush an

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Zehnter Jahrestag: Sterbender Irak-Veteran klagt Bush an

23.03.2013, 13:48 Uhr | Von Sebastian Fischer, Washington, Spiegel Online

Zehnter Jahrestag: Sterbender Irak-Veteran klagt Bush an. Der querschnittsgelähmte Irak-Veteran Tomas Young im Jahr 2007 (Quelle: Reuters)

Der querschnittsgelähmte Irak-Veteran Tomas Young im Jahr 2007 (Quelle: Reuters)

 

"Benutzt, verraten, geopfert": Der Irak-Veteran Tomas Young hat zum zehnten Jahrestag der Invasion einen wütenden Brief an Ex-Präsident George W. Bush und dessen Vize Dick Cheney geschrieben. Es soll sein letzter sein - der schwerverletzte Young will bald sterben.

Am dritten Tag nachdem die Türme gefallen waren, nahm das Leben von Tomas Young eine Wendung. Er sah die Fernsehbilder vom Präsidenten. Wie George W. Bush in New York stand, auf den Trümmern des World Trade Center; wie er den Arm um einen trauernden Feuerwehrmann legte; wie er den entscheidenden Satz ins Megaphon sagte: "Die Leute, die diese Gebäude niedergestürzt haben, werden bald von uns hören."

Noch am selben Tag meldete sich Young, Jahrgang 1979, freiwillig zum Kriegsdienst. Er wollte nach Afghanistan, gegen al-Qaida und die Taliban kämpfen. Gegen die Täter von 9/11.

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Der Präsident aber schickte ihn in den Irak.

An den Auftritt Bushs vom 14. September 2001 wird sich Young später immer wieder erinnern, "wie er da stand auf dem Schutthaufen, wie er sagte, wir würden die Übeltäter ausräuchern". Das war der Tag, an dem das Unglück des Tomas Young seinen Lauf nahm. Als ihn knapp drei Jahre später, am 4. April 2004, ein Scharfschütze in die Wirbelsäule trifft, ist er gerade den fünften Tag im Irak. Seitdem ist Young gelähmt, sitzt im Rollstuhl.

"Der letzte Brief"

Heute ist der 33-Jährige einer der bekanntesten Irak-Kriegsgegner der USA, seit seine Leidensgeschichte im Dokumentarfilm "Body of War" erzählt worden ist. Und am 20. April 2013 will Tomas Young mit dem Sterben beginnen. So hat er es im Februar angekündigt, die Schmerzen sind offenbar zu groß geworden. "Es ist Zeit", sagte er da bei der Vorführung seines Films, wie die "Ridgefield Press" berichtete. Das Datum ist ihm wichtig: Es ist sein achter Hochzeitstag. Dann will er keine Medikamente mehr nehmen, nicht mehr essen.

Aber bevor es zu Ende geht mit ihm, wendet sich Tomas Young noch ein letztes Mal an jene Männer, die ihn in den Irak geschickt haben. Zum zehnten Jahrestag der Invasion hat er George W. Bush und dem damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney einen offenen Brief geschrieben, den die Plattform Truthdig veröffentlicht hat. Er nennt ihn: "der letzte Brief". Es ist eine harsche Anklageschrift. Das Dokument eines Mannes, der um seine verlorene Zukunft trauert.

Er schreibe diesen Brief im Namen der Irak-Veteranen, im Namen der Toten, im Namen Hunderttausender Verletzter und im Namen all der Familien, die Ehemänner und Ehefrauen, Eltern und Kinder verloren hätten. "Mein Leben nähert sich dem Ende", formuliert Young, "ich befinde mich in Hospizpflege." Und weiter:

"Ich schreibe diesen Brief, um vor meinem Tod klarzustellen, dass ich gemeinsam mit Hunderttausenden meiner Kameraden, gemeinsam mit Millionen Mitbürgern, mit Hunderten Millionen mehr im Irak und dem Nahen Osten, genau weiß, wer Sie sind und was Sie getan haben. Sie mögen den Gerichten entgehen, aber aus unserer Sicht sind Sie beide ungeheurer Kriegsverbrechen, der Plünderung und des Mordes schuldig; einschließlich der Ermordung Tausender junger Amerikaner, deren Zukunft Sie gestohlen haben."

Young wirft sowohl Bush als auch Cheney vor, andere in einem "sinnlosen Krieg" geopfert zu haben, während sie selbst den Militärdienst weitgehend vermieden hätten. Er dagegen habe sich nach den Terrorangriffen freiwillig bei der Armee eingeschrieben:

"Ich habe mich zum Dienst gemeldet, weil unser Land angegriffen wurde. Ich wollte zurückschlagen gegen jene, die gut 3000 meiner Mitbürger getötet hatten. Aber ich habe mich nicht gemeldet, um in den Irak zu gehen; ein Land, dass mit den Attacken vom September 2001 nichts zu tun hatte; das keine Gefahr für seine Nachbarn darstellte und noch weniger für die Vereinigten Staaten."

Er sei nicht zum Militär gegangen, um den Irak zu befreien oder wiederaufzubauen. Vor allem aber sei es nicht sein Ziel gewesen, einen Präventivkrieg mitzumachen: "Nach internationalem Recht ist das illegal." Der Irak-Krieg sei "die größte strategische Fehlleistung in der US-Geschichte". Young versichert, er würde diesen Brief nicht schreiben, wäre er in Afghanistan verletzt worden: "Ich hätte dann zumindest den Trost, dass meine Verletzungen die Konsequenz meiner eigenen Entscheidung wären, jenes Land zu verteidigen, das ich liebe." So aber seien er und seine Kameraden "benutzt" und "verraten" worden.

Der Brief endet mit einem Appell an Bush und Cheney. Er hoffe, schreibt Young, dass beide die Charakterstärke erlangen würden, das irakische Volk, die Amerikaner und die Weltöffentlichkeit "um Vergebung zu bitten".

 
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