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Brasilien: Hunderttausende auf der Straße - größte Proteste seit 20 Jahren

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Hunderttausende Brasilianer protestieren gegen die Fußball-WM

18.06.2013, 10:44 Uhr | AP, AFP

Brasilien: Hunderttausende auf der Straße - größte Proteste seit 20 Jahren. Hunderttausende junge Leute demonstrieren in Brasilien gegen Unsicherheit und immense Kosten der Fußball-WM 2014 (Quelle: Reuters)

Hunderttausende junge Leute demonstrieren in Brasilien gegen Unsicherheit und immense Kosten der Fußball-WM 2014 (Quelle: Reuters)

In Brasilien sind am Montag mehr als 200.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen zu hohe Ausgaben für die Fußball-WM 2014 und gegen gestiegene Lebenshaltungskosten zu demonstrieren. Es sind die größten Protestbewegung seit gut 20 Jahren.

Die Proteste in Rio de Janeiro, an denen sich vor allem junge Menschen beteiligten, verliefen zunächst friedlich. Später bewarfen einige Demonstranten die Polizei mit Molotow-Cocktails und Kokosnüssen, die Beamten setzten daraufhin Tränengas und Gummigeschosse ein. Wie Journalisten berichteten, wurden mehrere Autos in Brand gesetzt und Geschäfte geplündert. Ein paar Dutzend gewaltbereite Demonstranten besetzten das Parlament des Bundesstaates Rio. Nach Angaben der Polizei wurden fünf Beamte verletzt.

In Sao Paulo demonstrierten etwa 65.000 Menschen zumeist friedlich. Sie blockierten eine der Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt der 20-Millionen-Einwohner-Metropole.

"Wir werden von den Steuern massakriert"

"Das ist ein kommunaler Aufschrei, der sagt: Wir sind nicht zufrieden", sagte eine Demonstrantin in Sao Paulo. "Wir werden von den Steuern massakriert - und wenn wir morgens zur Arbeit gehen, wissen wir dennoch nicht, ob wir es wegen der Gewalt nach Hause schaffen." Eine andere Mutter sagte: "Wir brauchen bessere Bildung, Krankenhäuser und Sicherheit - nicht Milliarden, die für die Fußballweltmeisterschaft ausgegeben werden."

Von den insgesamt etwa 5000 Demonstranten in Brasilia kletterten mehr als 200 auf das Dach des Parlaments. Sie sangen und tanzten, bevor sie nach Verhandlungen mit der Polizei wieder hinabstiegen.

"Teil der Revolution" sein

Später bildeten rund 5000 Demonstranten eine Menschenkette rund um das Parlamentsgebäude. "Als Brasilianer, der täglich in überfüllte Busse steigt und in einer unterfinanzierten Universität studiert, fühle ich mich verpflichtet, Teil dieser Revolution zu sein", sagte der 21-jährige Student Gael Rodrigues Honorio.

In Belo Horizonte setzte die Polizei Tränengas gegen die rund 30.000 Demonstranten ein, um sie vom Mineirao-Stadion fernzuhalten. Dort findet das Confederations-Cup-Spiel Nigeria gegen Tahiti statt.

Bereits seit anderthalb Wochen gibt es in Brasilien Demonstrationen gegen die hohen Kosten der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sowie gegen eine Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr. Auch die Wut über Polizeigewalt beförderte die Protestbewegung.

Die Demonstrationen vom Montag waren die größten seit den Protesten gegen den damaligen Präsidenten Fernando Collor de Mello, der durch einen Korruptionsskandal zum Rücktritt gezwungen wurde.

WM verschlingt elf Milliarden Euro

Kurz vor den Protesten warnte Sportminister Aldo Rebelo: "Wir werden es nicht zulassen, dass Demonstrationen die Ereignisse stören, die wir hier veranstalten wollen." Staatschefin Dilma Rousseff bemühte sich später offensichtlich um Entspannung. Friedliche Demonstrationen seien "legitim und Teil der Demokratie".

Noch bis Ende Juni wird in Brasilien der Confed Cup ausgetragen. Nach dem Fußball-Turnier findet Ende Juli in Rio de Janeiro der Weltjugendtag der katholischen Kirche statt. Im kommenden Jahr ist Brasilien Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft, zwei Jahre später sollen in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Allein für die Fußballweltmeisterschaft rechnet Brasilien mit Kosten von umgerechnet rund elf Milliarden Euro.

Brasiliens Wirtschaftswachstum lag im ersten Quartal 2013 nur noch bei 0,6 Prozent. Die Inflationsrate stieg hingegen bis Mai auf 6,5 Prozent, die Lebensmittelpreise stiegen sogar um 13 Prozent.

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