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Röttgen bei "Anne Will": "Russland könnte aufhören, Bomben zu werfen"

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TV-Kritik zu "Anne Will"  

"Russland könnte aufhören, Bomben zu werfen"

10.10.2016, 16:25 Uhr | David Heisig, t-online.de

Röttgen bei "Anne Will": "Russland könnte aufhören, Bomben zu werfen". Norbert Röttgen fand bei in der Talkshow "Anne Will" deutliche Worte. (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)

Norbert Röttgen fand bei in der Talkshow "Anne Will" deutliche Worte. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago)

Vor einem Monat stand die Waffenruhe in Aleppo für Hoffnung. Dann wurde ein UN-Hilfskonvoi zerbombt und das Sterben in Syrien ging weiter. Ob es noch Hoffnung für Aleppo gebe, wollte Anne Will daher mit ihrer Runde diskutieren. Was sie zu hören bekam? Schuldzuweisungen.

Die Gäste

  • Wladimir M. Grinin, Russischer Botschafter in Deutschland
  • Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages
  • John Kornblum, Früherer US-Botschafter in Deutschland
  • Katharina Ebel, Nothilfe-Koordinatorin der SOS-Kinderdörfer in Syrien
  • Harald Kujat, General a.D.

Kern der Diskussion

Jeder kennt die Bilder aus Syrien. UNO-Diplomat Staffan de Mistura sprach von "Kriegsverbrechen", UN-Generalsekretär Ban Ki-moon betonte, "sogar ein Schlachthaus ist menschlicher, tausende weitere Zivilisten könnten sterben". Russland geriet auch im Will-Talk schnell in den Schuldfokus. "Könnte Russland deren Sterben verhindern?", war Wills erste Frage an Grinin. Seine Antwort? "Selbstverständlich." Man horchte auf. So einfach sollte es sein? Leider nein.

Denn Grinin ergänzte: Eigentlich sei die Vereinbarung mit den Amerikanern "der Durchbruch" gewesen. Aber diese hätten die Verhandlungen abgebrochen. Der Reigen der Schuldzuweisungen war eröffnet. Will hakte nach: "Was hindert sie?" Grinin wich aus. Das sollte die ganze Sendung so gehen.

Der Amerikaner Kornblum machte es nicht besser. "Die Version, die sie da hören, hat nur begrenzte Beziehung zur Wahrheit", urteilte er über Grinin. Seit Jahren decke Russland das Regime von Machthaber Baschar al-Assad. Immerhin konnte sich Kornblum dazu durchringen zu sagen, die USA habe 2012 Fehler gemacht, als nicht konsequenter gegen Assad vorgegangen wurde. Ansonsten hielten sich die alten Diplomaten-Hasen vornehm zurück.

Aufreger des Abends

Also mussten Röttgen und Kujat in die Rolle der emotional Aufgewühlten schlüpfen. Während Letzterer betonte, beide Seiten hätten die Vereinbarungen nicht eingehalten und man müsse "die ganze Wahrheit darstellen", präsentierte sich Röttgen von Anfang an geladener. Ob er nicht die Schuld einseitig den Russen zuschiebe und was Russland tun könnte, fragte ihn Will: "Russland könnte aufhören, Bomben zu werfen", rief er. Szenenapplaus.

Es ging als Beispiel um einen vermeintlich russischen Luftschlag gegen einen UN-Hilfskonvoi. Die Schuld Russlands am Angriff sei nicht erwiesen, legte Kujat los. Was er Röttgen unterstellen wolle, fragte Will. "Gar nichts." Erklären konnte er das nicht. Die Wahrheit müsse eine Untersuchungskommission herausfinden. Kopfnicken bei Grinin. Kujats pro-russische Beurteilung überrasche ihn, ergänzte Kornblum, wo dieser doch "auch nix" wisse. Kujat betonte weiter, die Lufthoheit in Syrien habe Russland.

Fast verzweifelt wirkte der erneute Einwurf Röttgens, dann sollten "die doch Gebrauch davon machen". "Das wird gemacht", so Kujat. Fragezeichen in Röttgens Augen. Werde es eben nicht. "Der versteht das nicht", gab Kujat von sich. Die Stimmung schaukelte sich kurzzeitig so auf, dass Will im Stimmenwirrwarr betonen musste, das "ist meine Sendung". "Würden sie den Beschuss einstellen?", fragte Will den russischen Diplomaten. "Wir würden." - "Warum tun Sie es nicht?" Was folgte erahnte man: Schuldzuweisungen.

Höhepunkt der Sendung

Das war der Kontrapunkt, den Ebel setzen konnte. Es ginge doch um Frieden, urteilte sie. Die Realität sehe anders aus. "Da ist nichts mehr sicher", berichtete sie von dem, was ihr Team ihr aus Aleppo mitgeteilt habe. Sie erzählte von den Helfern, die selbst "aufs Korn genommen werden", die einfach zum Helfen losfahren, wenn die Bomben fallen. Sie berichtete von einem Jugendlichen, der schwer verwundet seine eigene (wohl abgetrennte) Hand in der anderen hielt. Stellte man sich das für einen Moment bildlich vor, dann schossen einem entweder die Tränen in die Augen oder es machte sich Wut breit.

Sich aber vor Grinin und Kornblum hinstellen und fragen, was das ganze Gequatsche über Schuld eigentlich solle, dafür war Ebel nicht der Typ. Sie reagierte leise: Wer bombe, sei den Leuten vor Ort egal. Selbst titulierte sie ihre Idee vom runden Tisch, an dem alle Beteiligten über eine Friedenslösung diskutieren sollten, als "ein wenig naiv". Es war aber irgendwie das am meisten Einleuchtende, was man am Abend hören sollte.

Was offen blieb

"Ist Aleppo verloren?" Diese Frage wollte Will eigentlich beantwortet bekommen. Niemand vor den Bildschirmen hätte erwartet, dass Kornblum, Grinin und Co. den Friedensstein der Weisen finden. Aber: Was man hätte erwarten können, wäre ein wenig Demut gewesen. Zurücknahme im Angesicht des mehrmals gezeigten, bei einem Bombenangriff verschütteten Kindes. Betroffene Mienen machen, bei Wills Nachfragen ins Schwimmen kommen: das ging. Vom diplomatischen hohen Ross absteigen? Das wagte keiner.

Röttgen zeigte ein wenig Chuzpe, als er der EU vorwarf, "lass uns lieber mal raushalten" sei dort die Devise. Das ginge aber nach hinten los. Er brachte Sanktionen gegen Russland ins Spiel. Da horchte Grinin auf. Wer das Sterben zulasse, mache sich selbst schuldig. So schloss Will ihre Sendung und ließ nachdenkliche Rezipienten zurück. 

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