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Die Republikaner und der langsame Tod des weißen Amerika

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Die Republikaner und der langsame Tod des weißen Amerika

09.11.2012, 19:03 Uhr | von Alexander Grasshoff

Die Republikaner und der langsame Tod des weißen Amerika. Trauer nach Mitt Romneys Wahlniederlage (Quelle: Reuters)

Trauer nach Mitt Romneys Wahlniederlage (Quelle: Reuters)

 

Demokrat Barack Obama bleibt weitere vier Jahre US-Präsident. Das hat er vor allem den Stimmen von ethnischen Minderheiten zu verdanken, bei denen Herausforderer Mitt Romney gegen ihn nicht den Hauch einer Chance hatte. Aufgrund der demografischen Entwicklung der USA könnte dies für die Republikaner zum langfristigen Problem werden. Denn das "weiße Amerika" stirbt allmählich. Oder liegt das Problem nicht beim Wähler, sondern in der Partei selbst?

"Die Republikaner werden untergehen", verkündete ein Wahlforscher nach Obamas Sieg. 59 Prozent der Weißen wählten zwar Romney. Aber Obama vereinte die Minderheiten: 93 Prozent der Schwarzen, 73 Prozent der Asiaten und 71 Prozent der Latinos wählten ihn.

Die Weißen in der Minderheit

Ein Problem, das sich für die Republikaner noch verschärfen könnte - denn die Minderheiten werden langsam aber sicher zur Mehrheit. Im vergangenen Jahr war es erstmals in der Geschichte der USA der Fall, dass die Weißen für weniger als die Hälfte der Geburten verantwortlich zeichneten: Innerhalb eines Jahres bis Juli 2011 bekamen Frauen aus ethnischen Minderheiten 50,4 Prozent der Babys.

Foto-Serie: Die USA haben gewählt

Während vor 30 Jahren die Weißen noch 90 Prozent der Wähler stellten, sind es aktuell noch 72 Prozent - Tendenz klar sinkend. Die ethnischen Minderheiten setzen mehr Kinder in die Welt: Die Geburtenrate der Latinos liegt bei 2,4 Kindern pro Frau, bei Schwarzen bei 2,1 - die der Weißen dagegen nur bei 1,8.

Bei den Unter-18-Jährigen, so Experten, werden die Weißen bereits 2019 in der Minderheit sein. Und in 30 Jahren werden sie in ihre Mehrheit an der Gesamtbevölkerung verloren haben. Eine demografische Zeitbombe für die Republikaner?

Problem liegt in der Partei

Für Henriette Rytz von der Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) liegt das Problem nicht in der Verschiebung der Mehrheiten, sondern Vielmehr an den Republikaner selbst. "Die Partei hat die demografische Entwicklung verschlafen", stellt Rytz fest.

Für die Latino-Wähler beispielsweise, die zu fast drei Viertel für Obama votierten, stünden Themen wie Bildung oder Gesundheit im Vordergrund. Themen, die sich traditionell die Demokraten auf die Fahne schrieben. Zudem sei Latinos das Thema Einwanderung sehr wichtig. Die Demokraten stünden der Immigration deutlich positiver gegenüber als die Republikaner.

Den Untergang von Romneys Partei würde Rytz indes nicht prophezeien. "Die Republikaner müssen sich ändern. Und in der nächsten Zeit haben sie die Gelegenheit dazu. Die Wähler werden sehr genau darauf achten, wie sich die Partei im Kongress beispielsweise beim Thema Einwanderungspolitik verhält", so Rytz.

Romneys Eigentor

Ähnlich sieht das auch Andreas Falke, der den Lehrstuhl für Auslandswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg innehat. Bei der Einwanderungspolitik sieht er gute Chancen, dass die beiden Parteien künftig näher zusammenrücken. Bisher vertraten die Republikaner eine harsche Einwanderungspolitik. Die Aussage Romneys, dass sich die Millionen illegalen Einwanderer doch selbst deportieren sollten, sei ein echtes Eigentor gewesen.

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"Es wird schwer für die Republikaner", gibt Falke zu bedenken. Vom rechten Rand müsse die Partei unbedingt weg. So bezeichnet Falke die Tea-Party-Bewegung als Harakiri-Kommando. Die Republikaner müssten schon bei den Vorwahlen zum Präsidentschaftskandidaten dafür sorgen, dass Vertreter der Tea-Party außen vor bleiben. "Zum Beispiel, in dem man andere Kandidaten finanziell unterstützt", so Falke.

"Wie die CDU in Deutschland"

"Alles Käse", kommentiert Omid Nouripour, Bundestagabgeordneter der Grünen, die Debatte um den Tod des weißen Amerika. Auch er sieht die Probleme in der Partei der Republikaner. Denn die demografische Entwicklung sei seit Jahrzehnten bekannt. Die Demokraten hätten nur schneller begriffen und darauf reagiert. "Diese Entwicklung haben die Republikaner verschlafen", so Nouripour.

 
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