12.11.2012, 17:39 Uhr | Ulrich Weih, dpa
Jill Kelley hat die außereheliche Affäre von Petraeus letztlich ans Licht gebracht (Quelle: dapd)
Die Identität der geheimnisvollen "dritten Frau" im Fall Petraeus ist gelüftet: Die 37-jährige Jill Kelley soll das FBI über E-Mails informiert haben, in denen ihr die Geliebte des Geheimdienst-Bosses, Paula Broadwell, massiv gedroht hatte.
Im Zuge der Ermittlungen zu den Droh-Mails kam die außereheliche Affäre von CIA-Chef David Petraeus ans Licht, wegen der der hoch angesehene Vier-Sterne-General schließlich zurücktreten musste.
Wie hochrangige Militärangehörige berichten, erhielt Kelley von der Geliebten des Generals, Paula Broadwell, etwa ein halbes Dutzend anonyme E-Mails, in denen ihr gedroht wurde. Sie schaltete schließlich die Bundespolizei ein, und die Agenten stießen bei ihren Ermittlungen über die Absenderin Broadwell auf Unterlagen des CIA-Chefs.
Zunächst dachten sie noch, der Mail-Account von Petraeus sei gehackt worden. Doch dann wurde klar, dass Broadwell und Petraeus ein Verhältnis haben mussten.
Paula Broadwell ist die Frau, die ihn das Amt kostete. Die 40-jährige Elite-Soldatin soll eine vermeintliche Konkurrentin bedroht haben. zum Video
Ob der Vier-Sterne-Generals auch eine Affäre mit Jill Kelley hatte, ist derzeit noch unklar. Zumindest dachte wohl Broadwell, sie habe es bei Kelley mit einer Rivalin zu tun. Nach Informationen aus FBI-Kreisen zeige der E-Mail-Verkehr zwischen den beiden Frauen, dass sie um die Loyalität des Generals wetteiferten.
Nach Kelleys Darstellung ist sie mit Generals Petraeus und seiner Familie seit fünf Jahren lediglich "befreundet".
Nach Angaben aus Militärkreisen arbeitete Kelley als ehrenamtliche soziale Vertrauensperson für den Luftwaffenstützpunkt MacDill in Tampa, auf dem auch das US-Zentralkommando und das Kommando der US-Spezialkräfte ihren Sitz haben.
Am Sonntag hatte sie sich zusammen mit ihrem Ehemann an die Öffentlichkeit gewandt: "Wir respektieren seine Privatsphäre und die seiner Familie und wir wollen das gleiche auch für uns und unsere drei Kinder", hieß es in der Mitteilung.
Unterdessen berichtete die "New York Times", die Affäre zwischen Petraeus und Broadwell habe bereits im November 2011 begonnen, nach dem Ausscheiden des Generals aus dem Militär und etwa zwei Monate, nachdem er zum CIA-Chef berufen worden war. Die Beziehung sei erst vor rund vier Monaten zu Ende gegangen.
Laut "Washington Post" war es der CIA-Chef, der das Verhältnis abbrach. Die Zeitung berief sich dabei auf einen Familienfreund, nach dessen Angaben Petraeus tiefe Reue wegen seines Fehltritts gezeigt habe.
Wie es in der "New York Times" weiter hieß, vernahm das FBI die Biografin Broadwell erstmals in der Woche vom 21. Oktober. Die 40-Jährige habe die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer herausgerückt. Das FBI habe darin mehrere geheime Dokumente gefunden. Die Untersuchungen hätten sich dann darauf konzentriert, ob diese Papiere von Petraeus stammten.
Der CIA-Chef selbst sei erstmals Ende Oktober befragt worden. Er habe ebenfalls die Affäre eingestanden, aber es wie Broadwell kategorisch verneint, dass er seiner Geliebten die geheimen Dokumente gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt sei das FBI zu dem Schluss gekommen, dass Petraeus offensichtlich kein Verbrechen begangen habe und keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten seien.
Nach Angaben der "New York Times" informierte das Justizministerium, dem das FBI unterstellt ist, dann am Abend des Wahltages am 6. November den Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper. Er ist der Chefkoordinator aller 17 US-Geheimdienste. Clapper, so hieß es weiter, legte Petraeus den Rücktritt nahe und informierte am vergangenen Mittwoch das Weiße Haus.
Dianne Feinstein, Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses des Senats, erklärte, ihr Gremium werde selbstverständlich volle Aufklärung darüber verlangen, warum es im Unwissen gehalten worden sei. Ein derartiger Fall hätte Auswirkungen auf die nationale Sicherheit haben können, "und wir hätten unterrichtet werden müssen", sagte Feinstein dem Sender FoxNews.
Ermittler verteidigten jedoch das Vorgehen des FBI. Die sehr heiklen Untersuchungen seien nicht abgeschlossen gewesen, sagten Beamte der "New York Times". Man habe keine Anzeichen von Sicherheitsrisiken entdeckt, die sofortiges Handeln erfordert hätten, und auch auf die Privatsphäre der Betroffenen achten müssen, so die Ermittlungsbehörden.
Quelle: Ulrich Weih, dpa
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