Startseite
Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland > USA >

Edward Snowden zeigt Wladimir Putin die kalte Schulter

...

Spionage-Enthüller Snowden zeigt Putin die kalte Schulter

02.07.2013, 12:11 Uhr | rtr, AP/dpa, dpa, AFP

Von den USA gejagt: Auch in Russland wird Edward Snowden wohl keine dauerhafte Bleibe finden (Quelle: dpa)

Von den USA gejagt: Auch in Russland wird Edward Snowden wohl keine dauerhafte Bleibe finden (Quelle: dpa)

Verzweifelt sucht Spionage-Enthüller Edward Snowden eine neue Heimat - aber nicht zu jedem Preis. Russlands mächtigem Mann Wladimir Putin zeigt er die kalte Schulter, seinen Asylantrag für Russland hat er wieder zurückgezogen.

Insgesamt 21 Asylanträge hatte Ex-Geheimdienstmann Snowden, der von den USA wegen Verrats gesucht wird, gestellt, darunter auch in Deutschland. Alle Anträge, auch den für Russland, hatte eine Wikileaks-Mitarbeiterin auf dem Moskauer Flughafen einem russischen Konsulatsmitarbeiter übergeben. Snowden hält sich derzeit auf dem Flughafen Scheremetjewo im Transitbereich auf, besser gesagt, er sitzt dort fest.

Snowden habe sich zum Rückzug aufgrund der Bedingungen entschlossen, die Russland ihm gestellt habe, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Dmitri Peskow, den Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Russischer Maulkorb

Putin hatte Snowden am Montag Asyl unter der Bedingung angeboten, seine Enthüllungen über den US-Geheimdienst einzustellen. "Wenn er hier bleiben will, gibt es eine Bedingung: Er muss seine Aktivitäten einstellen, die darauf abzielen, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - egal, wie seltsam das aus meinem Mund klingen mag", hatte der Präsident gesagt.

Putin-Sprecher Peskow bekräftigte zugleich, dass eine Auslieferung Snowdens an die USA nicht in Frage komme. "Kein Land kann Snowden an ein Land wie die USA ausliefern, wo die Todesstrafe angewendet wird", sagte er.

Foto-Serie: Top-Nachrichten des Tages

Negative Reaktionen

Gleichzeitig wird es für den flüchtigen IT-Spezialisten, der die Abhörpraktiken der US-Geheimdienste publik gemacht hat, immer schwieriger, eine neue und sichere Heimat zu finden. Polen hat seinen Antrag bereits abgelehnt. Polens Außenminister Radek Sikorski teilte mit, Snowdens Antrag enthalte Fehler. Darüber hinaus habe Polen aber auch gar kein Interesse, Snowden bei sich aufzunehmen.

Auch Behördenvertreter aus Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz regaierten negativ: um Asyl zu beantragen, müsse Snowden sich in ihrem Staatsgebiet aufhalten. Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprach ebenfalls von formellen Fehlern. Auf der Liste der Asylanträge, die die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht hatte, standen außerdem die Länder Ecuador, Island, Brasilien, China, Kuba, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Irland, Niederlande, Nicaragua, Spanien und Venezuela.

Ecuador rückt ab

Auch Ecuador rückt immer weiter vom Snowden ab. Präsident Rafael Correa sagte in einem Interview mit der Zeitung "The Guardian", sein Land habe dem US-Informanten nie zur Flucht verhelfen wollen und prüfe einen Asylantrag derzeit noch nicht. Snowden müsse erst ecuadorianisches Territorium erreichen, ehe das Land einen Asylantrag bearbeiten könne. Russland sei nun am Zuge. "Sind wir dafür verantwortlich, ihn nach Ecuador zu bringen? Das ist nicht logisch", sagte Correa. Es liege an Russland, Snowden ein Reisedokument auszustellen.

Die USA haben den Reisepass des 30-jährigen Amerikaners für ungültig erklärt. Correa sagte, seine Regierung habe Snowden mit der Ausstellung von vorübergehenden Reisedokumenten nicht zur Flucht nach Hongkong verhelfen wollen. "Das war ein Fehler unsererseits."

Vorwürfe gegen die USA

Laut Wikileaks erhebt Snowden erneut schwere Vorwürfe gegen sein Heimatland. In einer mit seinem Namen unterzeichneten Mitteilung beklagte Snowden in der Nacht zum Dienstag, dass die USA ihm sein "Menschenrecht" nehmen wollten, Asyl in anderen Ländern zu beantragen. Obwohl er keiner Straftat schuldig gesprochen worden sei, habe man seinen Reisepass für ungültig erklärt, heißt es in dem Schreiben. Die US-Regierung habe nun eine neue Strategie und benutze die "Staatsbürgerschaft als Waffe".

"Mittel der politischen Aggression"

Snowden selbst erklärte, noch vor wenigen Tagen habe US-Präsident Barack Obama bekräftigt, er werde kein diplomatisches Gezerre in seinem Fall zulassen. Nun habe er Vize-Präsident Joe Biden aber damit "beauftragt, die Anführer jener Länder unter Druck zu setzen, von denen ich Schutz erbeten habe, damit sie meine Asylgesuche ablehnen". Diese Form der "Täuschung" sei Ausdruck altbekannter "Mittel der politischen Aggression", fuhr Snowden fort. Sie dienten zur Abschreckung "aller, die nach mir kommen".

Es gilt als erste öffentliche Äußerung Snowdens seit seiner Flucht aus Hongkong nach Moskau vor rund einer Woche. Allerdings ließ sich zunächst nicht verifizieren, dass die auf der Website wikileaks.org veröffentlichten Zeilen tatsächlich von ihm stammen.

Diplomatisches Desaster

Für die Obama-Regierung erweist sich der Fall Snowden immer mehr als diplomatisches Desaster. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte sichtlich verärgert auf die mutmaßlichen Spionageaktionen der USA in Deutschland und Europa. Sie forderte von Obama rasche Aufklärung. Die Kanzlerin werde die Affäre zur Chefsache machen und "in nächster Zeit" mit Obama telefonieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Wenn sich bestätige, dass der US-Geheimdienst NSA diplomatische Vertretungen der EU und europäischer Länder ausgespäht habe, "dann müssen wir ganz klar sagen: Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel", sagte Seibert. "Wir sind nicht mehr im Kalten Krieg." Auch Bundespräsident Joachim Gauck und andere EU-Staaten forderten Aufklärung.

Aufklärung gelobt

Obama selbst sagte während seiner Afrika-Reise in Tansania, man werde die Verbündeten "angemessen unterrichten". In Bezug auf Deutschland fügte Obama hinzu: "Wenn ich wissen will, was Kanzlerin Merkel denkt, dann rufe ich Kanzlerin Merkel an (...) letztlich arbeiten wir so eng zusammen, dass es fast keine Informationen gibt, die wir nicht zwischen unseren Ländern teilen". Obama bestätigte, dass die USA und Russland auf hoher Ebene über eine Auslieferung Snowdens verhandelten.

Schon bei Obamas Besuch vor zwei Wochen in Berlin waren erste Berichte über Ausspäh-Aktivitäten der USA Thema gewesen. Damals hatte Obama Transparenz zugesagt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat die NSA nicht nur in EU-Gebäuden Wanzen installiert, sondern auch die Bundesregierung ausgeforscht. Die EU-Kommission ordnete aktuelle Sicherheitskontrollen von Büros, Telefonanlagen und Computernetzen an.

John Kerry: Nichts Ungewöhnliches

US-Außenminister John Kerry bezeichnete das Sammeln von Informationen in anderen Ländern als "nichts Ungewöhnliches". "Jedes Land, das sich international mit Fragen der nationalen Sicherheit befasst, unternimmt jede Menge Aktivitäten, um seine nationale Sicherheit zu schützen, und dazu gehört (das Sammeln) von allen möglichen Informationen", sagte Kerry.

02.07.2013, 12:11 Uhr | rtr, AP/dpa, dpa, AFP

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Diesen Artikel...

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht

UMFRAGE

Sollte Deutschland Snowden aufnehmen?

Anzeige
Video des Tages
Die etwas andere Einlage 
Sie hat ein schier unglaubliches Talent

Mit diesem Clip ist das Mädchen ein kleiner Star im Internet. zum Video

Fotos des Tages
Eigenwillige Festung 
Mann baut Felsenvilla auf Wolkenkratzer

Das skurrile Penthouse ist unter Steinen und Sträuchern verborgen. mehr

Mitmachen und gewinnen! 
Die neue T-Online.de ist jetzt noch viel besser

Erkunden Sie die neue T-Online.de und gewinnen Sie einen von 20 Tolino Shine eReader! mehr

Aus dem All 
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Wetter 
Deutschlandwetter

Im Südosten noch sonnig, aus Nordwesten Schauer und Gewitter. 18 bis 26 Grad. Deutschlandwetter

Lotto 
Die aktuellen Zahlen

3, 9, 17, 31, 36, 39. Superzahl 7 (Angaben ohne Gewähr). Spielen!

Shopping 
Badischer Weißburgunder: Burkheimer Vulkanfelsen

Jetzt für Neukunden 50% reduziert - 6 Fl. + 2 Gl. nur 24,90 €! Versandfrei bei Reichsgraf von Plettenberg.


Foto-Serien und Videos
Fotoshow ansehen
Astronomie 
Jäger des Himmelsfeuers

Die ESA wirbt für eine bessere Vorhersage des Weltraumwetters. Aus gutem Grund. mehr

Polarlicht: Ein Crash des Partikelstroms des Sonnenwindes mit Sauerstoff-Ionen in niedrigen Höhen lässt den Himmel grün strahlen (Quelle: imago)
Faszinierende Einblicke 
So dringen Mücken in die Blutbahn ihrer Opfer ein

Die blutsaugenden Quälgeister unter dem Mikroskop betrachtet. zum Video

So dringen Mücken in die Blutbahn ihrer Opfer (Screenshot: ZoomIn)
Wale 
Schwertwale jagen Speedboot hinterher

Scheinbar mühelos können die Orcas das Tempo halten. zum Video

Schwertwale jagen hinter Speedboot her. (Screenshot: BitProjects)
Fotoshow ansehen
Astronomie 
Das ist die größte Aufnahme der Milchstraße

Forschern gelingt eine Sensation: Das weltweit größte Bild des Nachthimmels ist neun Gigapixel groß. mehr

Diese Aufnahme der Milchstraße ist neun Gigapixel groß (Quelle: dpa)
Video 
Atemberaubender Blick auf unseren Planeten

Die spektakulärsten Aufnahmen der NASA von der Erde. zum Video

Atemberaubende Bilder der Erde (Screenshot: ZoomIn)
Shopping
Shopping 
Gratis-Versand in 24 Stunden bereits ab 25,- €

Hochwertige Apothekenkosmetik z.B. von Vichy, Eucerin, Avène usw. zu günstigen Preisen. mehr

Shopping 
Ihr Passform-Spezialist – Mode in bis zu 25 Größen!

Damenmode in bis zu 25 Spezialgrößen. Alle Modelle auch in Kurzgrößen. bei AtelierGS

Shopping 
Außen Nostalgie – innen top moderne Technik entdecken

Radio mit integrierter Wetterstation & nostalgischem Design für nur 29,99 €. bei Hugendubel.de

tchibo.deOTTObonprix.deZalandoBAURCECILCONRADWeltbild.deDouglas
THEMEN VON A BIS Z

Anzeige