09.12.2012, 11:20 Uhr | Von Gerhard Kneier, dapd
Die Hessen-FDP serviert ihr bekanntestes bundespolitisches Gesicht einfach ab: Hermann Otto Solms (Quelle: dapd)
Nach 32 Jahren im Bundestag das Aus für den Prinzen. Prominenz nützt nichts: Die hessische FDP serviert Hermann Otto Solms gnadenlos ab. Der alte Recke der Liberalen ist frustriert.
Mit vollem Namen heißt er Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich. Den Adelstitel benutzt der heute 71 Jahre alte FDP-Politiker nicht, doch auch die bürgerliche Version des Namens, Hermann Otto Solms, hat einen guten Klang weit über die Parteigrenze hinaus.
Seit 32 Jahren gehört der Steuerexperte dem Bundestag an. Bis 1998 war er sieben Jahre lang Fraktionsvorsitzender der Liberalen, jetzt ist er einer der Vizepräsidenten des Parlaments. Doch auch damit wird es nächstes Jahr vorbei sein: Die hessische FDP hat Solms als Spitzenkandidaten für den Bundestag einfach durchfallen lassen.
Die Enttäuschung steht dem erfahrenen Liberalen ins Gesicht geschrieben. Die eigene Partei hat dem Mann, der 2009 um ein Haar Bundesfinanzminister geworden wäre, den Stuhl vor die Tür gestellt. Nach seiner Niederlage gegen den 15 Jahre jüngeren Fraktionskollegen Heinrich Kolb wird der FDP-Parteitag im Bad Homburger Kur- und Kongresszentrum für zehn Minuten unterbrochen.
Die mittelhessischen Delegierten, aus deren Reihen der gerade Gescheiterte stammt, beraten. Doch Solms will sich nicht die Schmach antun, es auf einem anderen Listenplatz noch einmal zu versuchen: Das Ende einer langen politischen Karriere ist besiegelt.
Alles hängt natürlich mit den schlechten Umfragewerten der Liberalen zusammen. 2009 hatte die FDP mit einem fulminanten Ergebnis noch acht Hessen in den Bundestag entsenden können. Gerade noch vier dürften es bei der Wahl im nächsten Jahr sein - wenn die FDP überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Kein Wunder, dass es in Bad Homburg mehrere Kampfabstimmungen um die noch aussichtsreichen Listenplätze gibt.
Die Brisanz des Kampfes um den Spitzenplatz ist dem FDP-Landeschef durchaus Jörg-Uwe Hahn bewusst. Doch der versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Es gehe nicht um Kampfkandidaturen, sondern um Wettbewerb, sagt er.
Bei der Abstimmung zwischen Kolb und Solms geht es nicht um politische Kontroversen. Kolb stellt sich als Sozialpolitiker vor, der dabei aber ganz auf der Linie der FDP im Bund liegt: Als Inhaber eines mittelständischen Betriebs und wirtschaftspolitischer Schüler von Otto Graf Lambsdorff bezeichnet sich der 56-Jährige. Und bei Hartz IV sei es ihm gelungen, den "Beglückungsversuchen" anderer Parteien zu widerstehen.
Der seit Jahren konsequent für Steuersenkungen eintretende Solms tritt kämpferischer auf. Er verweist auf die schlechten Wahlergebnisse und Umfragewerte der FDP. Die Parteiführung habe Vertrauen verspielt und die falschen Ressorts im Bundeskabinett besetzt, sagt er.
Und nach dem Verzicht Wolfgang Gerhardts auf eine neuerliche Bundestagskandidatur sei er nun einmal das bekannteste Gesicht der FDP in Hessen. Deshalb wolle er dazu beitragen, die FDP aus dem Tief zu führen.
Die leidenschaftliche Rede mag Solms noch ein paar zusätzliche Stimmen eingebracht haben. Doch es reicht nicht. Offen nennen Delegierte das Alter des 71-Jährigen als Argument gegen seine Wahl.
Ähnlich ergeht es wenig später dem Frankfurter Hans-Joachim Otto. Der ist gerade 60 Jahre alt geworden und verliert gegen den 37-jährigen Finanzpolitiker Björn Sänger aus Nordhessen.
Dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium nützt es nichts mehr, auf seine politischen Erfahrungen zum Beispiel auch als Medien- und Kulturpolitiker zu verweisen. So viele Verdienste zählt er auf, dass er im Überschwang hinzufügt: "Sie können den besten Hans-Joachim Otto wählen, den es je gab."
Kurz darauf scheitert er mit 85 zu 186 Stimmen gegen den jüngeren Konkurrenten. Fazit: Im Bestreben, sich personell zu erneuern, ist ein gewisses Alter in der männerlastigen hessischen FDP eher hinderlich.
Quelle: Von Gerhard Kneier, dapd
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