29.12.2012, 14:55 Uhr | t-online.de, dapd, dpa
Sollte man als frisch gekürter SPD-Kanzlerkandidat eine solche Debatte anstoßen? Peer Steinbrück findet, dass der Regierungschef in Deutschland unterbezahlt ist. Ein Altkanzler widerspricht.
"Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", sagte Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
"Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt."
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) teilt diese Auffassung allerdings nicht. "Nach meinem Eindruck werden die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt. Ich habe jedenfalls davon immer leben können", sagte er der "Bild am Sonntag". "Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen."
Widerspruch gab es auch vom Bundestagsabgeordneten Dieter Wiefelspütz: "Als Bundeskanzler zu dienen ist eine hoch faszinierende Tätigkeit, die nicht ganz schlecht bezahlt wird. Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).
Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider sagte der FAS, es sei zwar richtig, dass für das Gehalt eines Kanzlers die Spitzenmanager führender Unternehmen "keinen Finger rühren würden". Allerdings bedeute das nicht, dass man das Kanzlergehalt erhöhen müsse.
Steinbrück nahm auch Bundestagsabgeordnete gegen Kritik an ihren Diäten in Schutz. Diese arbeiteten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie seien gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement."
Im Mai hatte die Bundesregierung erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Erhöhung ihrer eigenen Bezüge beschlossen. Das Gehalt Merkels erhöht sich demnach bis Mitte 2013 schrittweise um 930 Euro auf rund 17.016 Euro. Dazu kommt die steuerfreie "Dienstaufwandsentschädigung" von gut 1000 Euro im Monat.
Ihre Bundesminister verdienen ab Jahresmitte 13.794,70 Euro, die Parlamentarischen Staatssekretäre 10.573,22 Euro. Auch die Diäten der Bundestagsabgeordneten erhöhen sich ab Januar um 3,7 Prozent.
Der SPD-Kanzlerkandidat, der wegen seiner hohen Nebeneinnahmen durch Vorträge in der Kritik steht, bezeichnete sein Verhältnis zum Geld als "rein instrumentell". Es habe Zeiten gegeben, in denen er sehr wenig Geld gehabt habe. "Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus."
Quelle: t-online.de, dapd, dpa
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