Kanzlerin Angela Merkel
Pragmatischer Machtmensch: Angela Merkel will wieder Kanzlerin werden13.05.2013, 14:19 Uhr | Kristina Dunz, dpa
Sie will diese dritte Amtszeit unbedingt. Angela Merkel will nach acht Jahren Kanzlerschaft noch nicht aufhören. Sie ist gerade erst in Fahrt. Mächtig wie keine andere Frau in Europa, wenn nicht der ganzen Welt. Vernetzt wie nie zuvor und gestählt durch die Eurokrise.
"Das Amt macht mir Spaß", sagt sie schlicht und zeigt keine Ermüdungserscheinungen - trotz immer wiederkehrender Probleme bei der Eurorettung, mit der Koalition und in ihrer CDU.
Aber sie will Deutschland auch deshalb weiterregieren: Merkel, die ihre Politik oft als alternativlos bezeichnet, hat selbst kaum eine politische Alternative zum Kanzleramt. Würde sie die Bundestagswahl im September verlieren, wäre sie mit dann 59 Jahren sozusagen in ihrer Klasse auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar.
Denn, was könnte sie machen? Oppositionsführerin im Bundestag? Das war sie schon von 2002 bis 2005, das wäre ein Rückschritt. Ein hoher Posten in der Europäischen Union? Das würde eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung kaum unterstützen. Vereinte Nationen? Zu machtlos für eine so machtbewusste Frau.
Im Grunde genommen könnte Merkel sich dann nach 23 Jahren nur aus der Politik zurückziehen und etwas ganz anderes machen. In die Wirtschaft wollte sie aber nie - sonst hätte sie das wohl schon vor Jahren getan. Auch das Geld dort reizt sie nicht.
Bliebe der Physikerin noch die Wissenschaft, doch dafür ist sie vermutlich zu lange raus. Aber fürs Altenteil ist sie zu jung. Was tun? Kämpfen um das Kanzleramt. Auf ihre Art. Nüchtern, eisern, beherrscht, taktisch, pragmatisch und wenn es sein muss: eiskalt.
Die rebellierenden Frauen in der Unionsfraktion, die eine Frauenquote in börsennotierten Unternehmen notfalls mit der Opposition durchsetzen wollten, fing sie mit einem Deal ein. Sie selbst ist zwar gegen eine feste Quote von 30 Prozent in Aufsichtsräten, bot dies aber den Frauen für das Wahlprogramm an.
Die Frauen feierten das als Erfolg. Gewinnerin aber war Merkel, die zwischendurch schwach aussah und dann doch die Oberhand behielt. Das gelingt ihr oft. In der CDU, in der Koalition, in Europa.
Merkel ist seit 2005 Kanzlerin, zuerst in einer großen Koalition mit ihrem jetzigen SPD-Herausforderer Peer Steinbrück als Finanzminister. Ihn blendet sie inzwischen einfach aus. "Ehrlich gesagt: Ich kümmere mich um mein Agieren. Und damit bin ich ganz zufrieden", antwortet sie im Januar auf die Frage, ob sie mit Steinbrück zufrieden sei. Seinen Namen nennt sie nicht.
Seit 2009 ist sie in ihrer Wunschkoalition mit der FDP. In dieser Zeit ist viel schief gegangen. Einige Minister mussten gehen. Auch zwei - von Merkel ausgesuchte - Bundespräsidenten traten zurück.
In Umfragen liegt Merkel mit der Union über 40 Prozent und persönlich mit weitem Abstand vor Steinbrück. Die Deutschen vertrauen ihr den Analysen zufolge vor allem, weil sie das Gefühl haben, dass Merkel die Eurokrise mit ihrem Spardruck auf die schwächeren Länder wie Griechenland, Zypern, Italien, Spanien und Portugal meistern kann.
Der Preis ist, dass sie dafür im Ausland in Nazi-Uniform und Hitler-Bärtchen verunglimpft wird, Deutsche im Ausland zunehmend auf Skepsis stoßen und der Respekt beziehungsweise die Angst vor Deutschland zwar steigt, aber das Ansehen sinkt.
Wie ist diese Kanzlerin eigentlich so? "Außerordentlich normal", meint Carola Schulz vom Kreissportbund Stendal-Altmark. Sie hat Merkel im April im Stendaler Rathaus in einem Gespräch mit Bürgervertretern erlebt.
Merkel leitet die Runde mit den Worten ein: "Je kürzer und prägnanter Sie sprechen, umso besser." Das hat den Zuhörern gefallen, weil damit klar war, dass die kostbare Zeit nicht mit Laberei verplempert werden soll, sondern Merkel lieber konkrete Forderungen und Vorschläge hören wollte.
Merkel gilt als ein Phänomen in der Politik der deutschen Nachkriegsgeschichte. Geboren in Hamburg, Tochter eines Pfarrers, in der DDR aufgewachsen, mit der Wende als Naturwissenschaftlerin in die Politik gekommen, in den Augen vieler CDU-Männer als Übergangskandidatin CDU-Chefin geworden und - geblieben.
Sie war nicht nur in der Schule oft Erste und Beste, sie ist auch die erste Frau an der Spitze der Christdemokraten und des Landes. Und 1999 war sie es, die als damalige CDU-Generalsekretärin der Partei wegen der CDU-Spendenaffäre die Abkehr von ihrem CDU-Übervater und Altkanzler Helmut Kohl nahe gelegt hatte.
Die CDU folgte ihr und machte sie 2000 zur Vorsitzenden. Im Dezember 2012 wurde sie mit fast 98 Prozent mit ihrem bisher besten Ergebnis zum sechsten Mal bestätigt.
Sie würde Schwarz-Gelb nach der Wahl gern fortsetzen und betont, dass vor allem eine schwarz-grüne Koalition schwierig wäre. Doch Merkel gilt als pragmatisch, wenn es um die Macht geht. So kippte sie 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kurzerhand die gerade erst verlängerten Laufzeiten für Atomkraftwerke.
Schwarz-Gelb beschloss den Ausstieg aus der Kernenergie. Damit fiel auch die bis dahin höchste Hürde für eine Zusammenarbeit mit den Grünen.
Und was macht Merkel, wenn sie doch nicht zum dritten Mal Kanzlerin wird? Der Frauenzeitschrift "Brigitte" sagte sie vor kurzem: "Da hatte ich jetzt wenig Zeit, darüber nachzudenken."
13.05.2013, 14:19 Uhr | Kristina Dunz, dpa
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