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Veggie Day: Für Deutschland hört bei der Currywurst der Spaß auf

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Veggie Day

Bei der Currywurst hört der Spaß auf

06.08.2013, 17:49 Uhr | ebs, dpa, AFP

Die Currywurst ist in deutschen Kantinen noch immer ein Spitzenreiter (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Currywurst ist in deutschen Kantinen noch immer ein Spitzenreiter (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten", titelt "Bild". Wenn es nach den Grünen geht, soll es in öffentlichen Kantinen künftig einmal pro Woche fleischfrei zugehen. Doch der sogenannte Veggie Day löst bereits einen Sturm der Entrüstung aus. Auch die Regierungsparteien schalten sich ein und warnen - schon ganz im Wahlkampfmodus - vor der Bevormundung der Bürger. Auch bei Twitter überschlagen sich die Kommentare, was man künftig noch essen darf und was nicht. Warum regt uns dieses Thema so auf?

Wir Deutschen lieben Currywurst, Schnitzel und Co: Circa 95 Prozent essen regelmäßig Fleisch, im Durchschnitt vertilgt jeder Bürger jährlich 60 Kilogramm davon.

Fakt ist aber auch, wir essen mehr Fleisch und Wurst als von Gesundheitsexperten empfohlen. Das belegt eine Studie, die die Techniker Krankenkasse erst im Februar vorgestellt hatte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit langem, sich vorwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche sollten es nicht sein. Oder anders ausgedrückt: Zwei mittelgroße Steaks pro Woche reichen völlig aus.

Grüne fordern Veggie Day für alle

Da wäre ein Veggie Day vielleicht ja wirklich "ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren" können, wie es Renate Künast, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, der "Bild"-Zeitung sagte. Vegetarisch kochen sei zudem auch gut für das Klima und trage zu mehr Qualität sowie artgerechter Tierhaltung bei, argumentiert sie. Grund genug für die Grünen, in ihrem Wahlprogramm einen Veggie Day als Standard zu fordern.

Dabei werden die Verbraucher zunehmend sensibler. Denn Skandale wie die Umetikettierung von Pferdefleisch oder Berichte über Antibiotika-Rückstände in Geflügel führen zu Verunsicherung. Auch der Umweltschutzgedanke treibt Menschen in Zeiten des Klimawandels zunehmend dazu, auf Fleisch zu verzichten.

"Seltsames Bevormundungsmodell"

Vielleicht hätten die Grünen ja durchaus auch positive Reaktionen ernten können, wenn sie die Currywurst als "Star in deutschen Kantinen" (laut Umfrage von "Apetito") nicht gleich per Verordnung von ihrem Thron hätten stürzen wollen. So twittert "Elchismus": Man will sich nicht auch noch von der Politik vorschreiben lassen, wann man was isst". Und Stefan Blohm schreibt: Ein Veggieday tut auch nichts für den Tierschutz. Dazu braucht es bessere Gesetze, die die Grünen auch nirgends gemacht haben." Brompet Heffalump IV fordert: "Aus Prinzip sollte es dann für Vegetarier einen Fleischtag pro Woche geben!"

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Hinter den Plänen stehe ein "ganz seltsames Bevormundungsmodell", kritisiert der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Wolfgang Ingold, in der "Bild". Den Vorstoß könne man daher "eigentlich gar nicht ernst nehmen".

Die Mehrheit der Menschen möchte eben selbst entscheiden, was sie essen. Jede Form von Druck und Verordnung kann da nur kontraproduktiv wirken. Viele empfinden es bestimmt ähnlich wie der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel: "Die detaillierte Bevormundung von Menschen durch das Wahlprogramm bis in kleinste Lebenszweige hinein ist ein Graus", sagte er dem Blatt.

Viel Wahlkampflärm beim Kampf um die Wurst

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle nutzte den Grünen-Vorschlag dann auch gleich als Steilvorlage, sich in Wahlkampfpose zu werfen: "Was kommt als nächstes: Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?", fragte er in der "Bild". Menschen ständig Vorschriften zu machen, entspreche nicht seinem Verständnis von Freiheit und Liberalität.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warnte in der Bielefelder "Neuen Westfälischen" gar vor einer "grünen Bundes-Verbots-Republik", und der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, wetterte in "Handelsblatt Online" gegen eine "grüne Erziehungsdiktatur". "Mein Ziel ist der mündige Verbraucher, der selbst entscheidet, was er für richtig hält", polterte auch der Chef der Agrarministerkonferenz der Länder, Bayerns Ressortchef Helmut Brunner (CSU).

Das sind natürlich vor allem dem Wahlkampf geschuldete Hiebe auf den politischen Gegner - im Kampf um die Wurst. Doch es gibt auch gute Vorschläge: so sagte Brunner, in seinem Ministerium werde täglich mindestens ein vegetarisches Gericht angeboten. Das solle Schule machen.

Wer den Menschen Alternativen zu Fleisch schmackhaft machen will, sollte in der Tat das Angebot verbessern, desto eher wird auch die Nachfrage steigen.

Gegen Pflicht, für den Genuss

Der Vegankoch Attila Hildmann setzt ebenfalls auf Genuss statt Pflicht. "Ich halte nichts davon, wenn man Menschen etwas aufzwingt." Ich animiere die Menschen, diese genussvolle, bunte Küche selber auszuprobieren. Dann kommt die Motivation von allein, ganz ohne Zwang.

Er forderte die Grünen auf, sich dafür einzusetzen, die Massentierhaltung zu beenden und die Subventionen nicht mehr in die industrialisierte Landwirtschaft fließen zu lassen. "Oder dafür sorgen, dass in Kitas gesundes Essen ohne Pestizide serviert wird", ergänzte er.

Das könnten in der Tat bessere Ansätze sein, als den Kantinen einen Speiseplan zu diktieren.

06.08.2013, 17:49 Uhr | ebs, dpa, AFP

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