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Bundestagswahl 2013: Gregor Gysi besticht als bester Redner

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Stimmenfang auf der Straße

Gysi besticht als bester Wahlkampfredner

11.09.2013, 12:47 Uhr | ebs, dpa

Bundestagswahl 2013; Gregor Gysi; Die Linke (Quelle: Seeliger/imago)

Mit geballter Faust und klaren Argumenten überzeugt Gysi im Straßenwahlkampf (Quelle: Seeliger/imago)

Wer im Bundestagswahlkampf das Publikum als Redner überzeugen will, muss seine Argumente klar auf den Tisch legen, möglichst einfach sprechen und das Ganze noch mit anschaulichen Bilder garnieren. Am besten ist das dem Linke-Spitzenkandidaten Gregor Gysi gelungen. Der Verband der Redenschreiber (VRdS) deutscher Sprache kürte ihn zum Sieger der Redner im Straßenwahlkampf 2013.

"Gysi bekam eindeutig die meisten Punkte", sagte der Pressesprecher des Verbandes, Claudius Kroker, gegenüber t-online.de. "Er holt die Leute immer gut ab, egal vor welchem Publikum er redet." Nach dem Muster "Punkt eins, Punkt zwei, Punkt drei" gliedere er seine Argumente so übersichtlich, "dass ihn jeder versteht - nicht nur eine linke Zuhörerschaft". Die Sätze seien dabei kurz und verständlich, auch komplexe Sachverhalte könne er in anschauliche Bilder packen.

"Merkel lässt sich nicht auf die Palme bringen"

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück erhielten von dem Verband gute Noten.

Dabei punktete die CDU-Politikerin mit ihrer nüchternen, unaufgeregten Art. Sie wirke dadurch glaubwürdig und sachlich, so das Urteil des Verbandes. Der auch in den Medien oft geäußerte Vorwurf, dass ihre Äußerungen oft schwammig seien, bestätigte sich jedoch auch hier. Sie bliebe bei "entscheidenden Fragen präzise unbestimmt", sagte Kroker.

Trotzdem gelinge es ihr, die Leute mitzunehmen. Ihre Argumentation sei "eher einfach, aber für die Zuhörer nachvollziehbar". Eine direkte Ansprache wie "Stellen Sie sich mal vor, ich würde Ihnen jetzt mal vorschreiben, dass Sie eine Schraubenfabrik aufmachen", kamen bei den Zuhörern gut an. Insgesamt wirke Merkel wenig belehrend, was positiv ist.

Ein weiterer Pluspunkt sei auch, dass Merkel "sich nicht auf die Palme bringen lässt", sagte Kroker. Wenn auf Veranstaltungen protestiert werde, "lächele sie die Zwischenrufe einfach weg" oder gehe auch mal scherzhaft auf die Kommentare ein.

Steinbrücks "Aggressivität nicht immer angemessen"

Als genaues Gegenteil dazu präsentierte sich Peer Steinbrück. Der SPD-Kanzlerkandidat packe in seine Reden stets "großes und präzises Faktenwissen", was sehr fundiert wirke. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass er dabei "manchmal etwas Dozentenhaftes annimmt", sagte Kroker. "Ansonsten ist er ein sehr guter Rhetoriker, der auch frei sprechen kann." Er punkte mit einer bilderreichen Sprache und klaren Botschaften.

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Dass Steinbrück in seinen Reden gerne den Kämpfer rauskehre, ist dabei jedoch ein zweischneidiges Schwert: So sei seine "hohe Aggressivität nicht immer angemessen" und der Ton manchmal "zu reißerisch", urteilen die Juroren. "Grundsätzlich ist ein aggressiver Stil gut", sagte Kroker, "aber manchmal ist es etwas zu viel bei Steinbrück". So zeige er ganz oft seine Zähne, was ihm eine strenge und teils auch verbissene Mimik verleihe.

Brüderle manchmal etwas zu plakativ

Über FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle urteilte der Präsident des VRdS, Dr. Vazrik Bazil, sich sehr positiv: Er liefere "Wahlkampf, wie man sich Wahlkampf vorstellt: emotional, engagiert, plakativ und aggressiv gegenüber dem politischen Gegner." Doch der gute Eindruck wurde durch andere Kritikpunkte etwas relativiert: So sprach er bisweilen zu undeutlich, teils schrie er übermäßig, gestikulierte aufgeregt und blieb allzu gern beim Plakativen. "Aber er kann auf jeden Fall die Massen begeistern", fasste Kroker das Ergebnis zusammen.

Trittin hält "Brikettreden"

Am schwächsten schnitt Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin ab. Er halte oft "Brikettreden" und springe von einem Thema zum nächsten, kritisierten die Beobachter. Zudem verfalle er manchmal in ein Stakkato, hämmere seine Aussagen förmlich heraus und wirke dabei "agitatorisch und fast schon demagogisch".

Seit Juli hatte ein Team von sechs Redenschreibern die Reden der Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke) auf Veranstaltungen im so genannten Straßenwahlkampf analysiert und bewertet.

Sie vergaben die Punkte danach, wie gut strukturiert und sprachlich verständlich die Rede war und ob die Argumente logisch erschienen. Auch die Körpersprache, die Stimme und die Inszenierung der Veranstaltung wurden berücksichtigt. Eine wichtige Rolle spielte auch die Wirkung auf das Publikum vor Ort. Nicht in die Waagschale hingegen fielen politische Inhalte und politische Fähigkeiten der Redner.

"Wir erheben natürlich mit unserer Bewertung keinen Absolutheitsanspruch", sagte der Pressesprecher. Von den sechs Redenschreibern hörten sich mindestens immer zwei mehrere Reden eines Politikers an. "Zum Teil kamen dabei recht unterschiedliche Ergebnisse heraus." Natürlich hänge die Performance der Politiker auch von ihrer Tagesform ab.

Dem Verband der Redenschreiber gehören rund 450 Redenschreiber und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

11.09.2013, 12:47 Uhr | ebs, dpa

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