ARD-"Wahlarena"
Steinbrück und die "sachgrundlose Befristung"12.09.2013, 08:17 Uhr | agr, t-online.de
Peer Steinbrück geriet - im Gegensatz zu Kanzlerin Angela Merkel - in der ARD-Wahlarena nicht ins Schwitzen. Das Nordlicht blieb am Mittwochabend cool und konnte sogar mit ein paar Witzchen punkten.
Leiharbeit, Steuern, Arbeitsmarkt, Finanzmärkte, Gesundheit, Euro - in 75 Minuten hechelte die Sendung durch die wichtigsten Felder der Politik.
Doch so richtig schafften es die im Publikum sitzenden Wähler nicht, den SPD-Kanzlerkandidaten aus der Reserve zu locken. Am ehesten noch eine 55-jährige, geschiedene kaufmännische Angestellte, die mal eben ganz dreist fragte: "Bundeskanzler - wollen Sie sich das wirklich noch antun? Sie gehen ja dann auf die 70 zu". "Schauen Sie mich an", witzelte der 66-Jährige und ging in Siegerpose.
Gekonnt grinste Steinbrück damit weg, dass das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben wurde, die 55-Jährige aber moniert hatte, dass man als älterer Arbeitnehmer kaum noch einen Job fände. Das Argument Steinbrücks, dass Ältere heutzutage wesentlich fitter und tatkräftiger seien als Gleichaltrige der Generation seiner Eltern, wird der Dame da wenig Trost spenden.
Die Einstiegsfrage eines Wählers ließ Schlimmes erwarten. Was Steinbrück denn gegen Geisterfahrer unternehmen werde, falls er an die Macht komme. Steinbrück zeigte sich überrascht, versprach aber, die bundesweite Einführung eines Pilotversuchs in Bayern zu prüfen, wo Falschfahrer-Warntafeln an Autobahnauffahrten stehen.
Die Wähler stellten erwartungsgemäß die Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen: Der Unternehmer zur Gewerbesteuer, der Arzt zur Bürgerversicherung. Doch zum Hindernis gerieten die Moderatoren: Jedes Mal, wenn man das Gefühl hatte, jetzt könnte noch einmal eine Nachfrage kommen, die wehtut, würgten sie den Fragesteller ab und gingen zum nächsten über.
Obwohl Steinbrück früh in der Sendung versprochen hatte, so wenig wie möglich in Politikersprech zu wechseln, rutschten ihm ab und an doch noch ein paar schwer verständliche Begriffe ein. "Wir sind gegen sachgrundlose Befristungen, damit es zu unbefristeten Verträgen kommt", erklärte Steinbrück beim Thema Arbeitsverträge und dem Problem, dass die Anzahl der normalem Beschäftigungsverhältnisse immer stärker abnimmt. Im sozialen Netzwerk Twitter wurden die "sachgrundlosen Befristungen" schnell zum geflügelten Ausdruck, über den sich die Community mokierte.
Auffällig bei Steinbrücks Auftritt war auch, dass er nicht angewurzelt an seinem Tisch stehen blieb, sondern den gesamten Raum nutzte und umher wanderte, um auch alle Zuschauer anzusprechen. Einige Twitterer ärgerten sich allerdings darüber, dass er dabei häufiger dem Fragesteller den Rücken zudrehte.
Und dann war da noch die Bierwette: Steinbrück sollte einem Zuschauer ein Pfand für den Fall geben, dass er seine Zusagen bei einem Wahlsieg nicht einlösen sollte. Seine Ehering könne er nicht hergeben, sagte Steinbrück. Das gäbe Ärger mit seiner Frau.
Am Ende kam er glimpflich davon: Werden Versprechen gebrochen, soll er für den Zuschauer aus Bayern ein paar Pils zapfen. "Das ist die leichteste Übung", meinte Steinbrück, der ein großer Freund eines gepflegten Bieres ist.
12.09.2013, 08:17 Uhr | agr, t-online.de
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