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Bundestagswahl 2017: Elefantenrunde: Martin Schulz zeigt sich frustriert

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Kritik zur "Elefantenrunde"  

Schulz-Spruch ließ Merkels Kinnlade runterklappen

25.09.2017, 13:00 Uhr | David Heisig, t-online.de

Bundestagswahl 2017: Elefantenrunde: Martin Schulz zeigt sich frustriert. Angela Merkel und Martin Schulz (Quelle: AP/dpa/Gero Breloer)

Dicke Luft im Fernsehstudio: In der "Elefantenrunde" griff Martin Schulz (SPD) frontal die Bundeskanzlerin Merkel (CDU) an. "Ein skandalöser Wahlkampf" der Union sei das gewesen, sagte er. (Quelle: Gero Breloer/AP/dpa)

Starke Verluste für die beiden Volksparteien bei der Bundestagswahl 2017, die AfD ist die drittstärkste Kraft. Die Vertreter der politischen Big-Player haben in der Berliner Runde von ARD und ZDF versucht, das Ergebnis-Chaos ein wenig zu sortieren. Und es kippte noch Merkels Kinnlade herunter.

Die Gäste

  • Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin
  • Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von B'90/Die Grünen
  • Katja Kipping, Die Linke
  • Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD
  • Christian Lindner, Parteichef der FDP
  • Joachim Herrmann, Spitzenkandidat der CSU
  • Jörg Meuthen, AfD-Parteisprecher

Das Thema

Gut zwei Stunden hatten die Parteien Zeit, erste Prognosen zu verdauen und Ergebnisse zu sortieren. Um dann ihre Überlegungen in der gemeinschaftlichen Berliner Runde von ARD und ZDF – traditionell Elefantenrunde genannt – zu präsentieren. Aufgabe der Chefredakteure beider Anstalten, Peter Frey und Rainald Becker, sollte dabei sein, den Elefanten ein wenig auf die Stoßzähne zu fühlen. Ergebnisse, persönliche Konsequenzen, Koalitionsaussagen? Alles gerne genommen.

Für die Bundeskanzlerin musste es ein komisches Gefühl sein. Einerseits konnte sie sich zurücklehnen, ihre Partei bleibt stärkste Kraft – allerdings mit dem zweitschlechtesten Ergebnis seit 1949, wie Frey den Finger in die Wunde legte. "Ich hätte mir sicherlich ein etwas besseres Ergebnis gewünscht", so Merkel leicht irritiert. Allerdings gebe es keine Regierung ohne die Union. Was diese dann erwarte sei eine "riesige Aufgabe", war Merkel mit Blick auf den rechts von ihr platzierten Meuthen überzeugt.

Der verfolgt mit anfänglich breitem Grinsen die Runde. Seine Partei wurde immerhin drittstärkste Kraft. Die anderen in der Runde nahmen das unisono als Kampfansage an. Was Meuthen im gewohnten Schema von arroganter Kühle abzufedern suchte.

Dann in die Enge getrieben, zog der die Karte, seine Partei sei nur missverstanden, Provokation müsse im demokratischen Diskurs ausgehalten werden und so weiter und so fort. In der Runde half ihm das nichts. Wie auch, wenn Parteifreund Alexander Gauland direkt nach den Wahlprognosen Dinger raushaute, man wolle die neue Bundesregierung "jagen". Bei solchen Bildern musste es jedem gestandenen Demokraten eigentlich schlecht werden.

SPD-Mann zeigt sich kämpferisch

Richtig angefressen war Schulz. Den Wahlschock galt es erst einmal zu verdauen. Vielleicht auch mit der schnellen Reaktion der Genossen, fünf Minuten nach den ersten Prognosen zu konstatieren, man stehe für eine GroKo nicht mehr zur Verfügung. Was in der Elefantenrunde von Merkel verstört wahrgenommen wurde. Sie plädierte dafür, "mal eine Nacht drüber zu schlafen."

Schulz indes konnte nicht verbergen, wie sehr letztendlich sein Ergebnis eine Enttäuschung für ihn ist. Da kam, neben dem wiederholten Hinweis, er habe gar keine schlechte Laune, zu schnell der Rückzug auf einen kämpferischen Habitus. Man wolle nun "ein starkes Bollwerk gegen die Feinde der Demokratie" im Bundestag sein. Auch sein Blick hing fest an seinem Gegenüber Meuthen.

Aufreger des Abends

Wunden lecken war legitim. Allerdings wurde man bei Schulz den Eindruck des schlechten Verlierers nicht los. Er blieb im Wahlkampf-Modus, verschärfte gar den Ton und griff frontal die Kanzlerin an. "Ein skandalöser Wahlkampf" der Union sei das gewesen. Die ständige Verweigerung zur politischen Konfrontation habe gerade zum Vakuum geführt, was nun die AfD füllen würde.

Lindner warf Schulz vor, er wolle den Wahlkampf weiterführen. Auch wurde man das Gefühl nicht los, Göring-Eckhardt und er hatten schon Schwung aus der "Anti-Merkel-Fahrt" herausgenommen. Auch wenn Göring-Eckardt betonte, der Wahlabend sei noch nicht der rechte Zeitpunkt für Koalitionsverhandlungen. Was soll es aber auch anderes werden als Jamaika?

Der Kanzlerin klappt die Kinnlade herunter

Schulz drohte schon mal, man wolle dieser Koalition "in scharfer Opposition entgegentreten". Die Bundeskanzlerin bezeichnete er als "Ideen-Staubsauger". "Sie kriegen alles durch", prophezeite er Gelb-Grün. "Frau Merkel wird ihnen da entgegenkommen", ergänzte er süffisant. Der Kanzlerin klappte da die Kinnlade runter. Zudem wirkte sie wirklich enttäuscht, dass der Bis-dato-Regierungspartner die Leistung der GroKo so charakterisierte. Lindner sprang ihr bei und ergänzte – vor allem mit Blick auf Meuthen –, dass jeder Demokrat eine Verantwortung habe. Merkels Appell an die Verantwortung sei "ein starkes Stück", so Schulz. Er habe dazu gestanden, bis zum Tag der Wahl, aber "keinen Tag mehr". Nun sei Merkel mit der Union als "stärkster Verlierer abgewählt". Irritation in der Runde.

Lacher des Abends

Für den Lacher des Abends sorgte Meuthen. Allerdings entschlüpfte dieser Kipping. Den anderen in der Runde blieb er nur im Hals stecken. Nachdem der AfD-Mann zu rechtfertigen versuchte, seine Partei wolle "Politik für das deutsche Volk machen" und vor allem Migranten hätten seine Partei gewählt, wurde er von den Moderatoren auf rechtsextreme Tendenzen in der AfD angesprochen. "Wir haben sie aber auch schlichtweg nicht", erwiderte der. Kurze Sprachlosigkeit. Kipping konterte: "Herr Meuthen, haben Sie ihrem eigenen Spitzenkandidaten zugehört?"

Zum Glück passierten dann zwei Dinge: Meuthen schaffte es nicht mehr, von diesem Pferd abzusteigen, faselte nur was von sukzessiver Auflösung der Nation durch Migration. Was viel bedeutender war: Alle in der Runde waren sich einig. Es gebe genug Beispiele in der AfD-Historie, die Meuthens Aussagen ad absurdum führten und man müsse demokratisch dagegen vorgehen. Und dem AfD-Mumpitz nicht zu viel Raum geben. Erst die Diskussion in den öffentlich-rechtlichen Sendern vor der Wahl, habe die AfD groß gemacht, sagte Herrmann energisch zum Schluss.

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