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Bevölkerungsentwicklung: Geburtenrate steigt erstmals seit 1997 wieder

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Geburtenrate steigt erstmals seit 1997 wieder  

Experte: Baby-Boom ist Folge des Elterngelds

12.12.2007, 17:31 Uhr | dpa

Die Geburtenrate ist erstmals seit 1997 wieder gestiegen (Foto: Archiv)Die Geburtenrate ist erstmals seit 1997 wieder gestiegen (Foto: Archiv) Der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, rechnet für die kommenden Jahre mit weiter ansteigenden Geburtenraten in Deutschland. "Ich glaube, dass das kein Strohfeuer ist", sagte Klingholz am Mittwoch. Dass in den ersten neun Monaten des Jahres erstmals seit 1997 wieder mehr Kinder als im Vorjahr auf die Welt kamen, sei "kein Zufall", sondern eine Folge politischer Entscheidungen. Der Zuwachs bei den Kinderzahlen in Deutschland zeige, "dass Mittel wie das Elterngeld greifen und gerade jungen Leuten Perspektiven bieten", sagte Familienminister Ursula von der Leyen am Mittwoch.

Elterngeld Die Regelung im Detail
Grafik Familien in Deutschland

514.000 Babys in neun Monaten
Das Statistische Bundesamt hatte am Dienstag gemeldet, dass in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt 514.000 Babys zur Welt kamen. Das sind etwa ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den vergangenen zehn Jahren waren die Geburtenzahlen stetig gesunken. Eine dpa-Umfrage in den einzelnen Bundesländern zeigte vor allem in Ostdeutschland deutliche Zuwächse. So verzeichnete Berlin im ersten Halbjahr ein überdurchschnittliches Plus von 4,6 Prozent, in Thüringen und Sachsen kamen bis August 3,8 Prozent mehr Kinder auf die Welt als 2006. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen registrierten hingegen sinkende Geburtenraten. Aber auch einige westdeutsche Kreißsäle meldeten mehr Nachwuchs: So kletterte im Saarland und in Hessen die Zahl der Neugeborenen um 2,3 beziehungsweise 2,0 Prozent.

"Darauf haben potenzielle Eltern gewartet"
"Die Familienpolitik hat sich geändert", sagte Klingholz. Während die skandinavischen Länder schon vor Jahrzehnten auf die wachsende Zahl berufstätiger Mütter reagiert hätten, sei Deutschland "mit 35 Jahren Verspätung auch auf den Trichter gekommen". Das Elterngeld biete nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch einen Anreiz, möglichst schnell ins Berufsleben zurückzukehren. "Der Anstieg der Kinderzahlen als Antwort auf das Elterngeld zeigt: Das ist genau das, worauf die potenziellen Eltern gewartet haben." Der Erfolg sei auch ein Signal an die Politik, dass Maßnahmen gegen niedrige Geburtenraten möglich sind.

"Da ist noch viel zu tun"
Defizite gebe es aber noch immer bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Angebote zur Kinderbetreuung seien zwar besser als vor fünf Jahren, sagte Klingholz. Er betonte aber auch: "Da ist noch viel zu tun." Notwendig seien etwa Betreuungsangebote vom ersten Lebensjahr an, die zudem nicht mit Beginn der Schulzeit auslaufen dürften. Gleichzeitig warnte er davor, vom geplanten Krippenabbau abzurücken. "Wenn der jetzt ausbliebe, würde ich vermuten, dass es doch nur ein Strohfeuer ist."

WM nicht Ursache des Baby-Booms
Die Vermutung, dass die Euphorie der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer für einen Baby-Boom gesorgt haben könnte, scheint sich nicht zu bestätigen. Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts gab es im März - neun Monate nach der WM - sogar weniger Geburten als im entsprechenden Vorjahresmonat. Auch Klingholz hält die These eines WM-Babybooms für "sehr gewagt": Der Anstieg der Geburtenraten beschränke sich nicht nur auf dem Zeitraum neun Monate nach der WM. Zudem würden im Winter tendenziell mehr Kinder gezeugt als im Sommer, sagte Klingholz.

Bis zu 1800 Euro im Monat
Das Anfang des Jahres eingeführte Elterngeld beträgt bis zu 1800 Euro. Es wird während des Erziehungsurlaubs als Lohnersatz maximal 14 Monate gezahlt. Die Höhe richtet sich nach dem letzten Netto-Verdienst. Eltern ohne eigenen Verdienst erhalten mindestens 300 Euro.

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