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Jugendgewalt: Weißer Ring kritisiert Migranten-Verbände

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Jugendgewalt

Weißer Ring kritisiert Migranten-Verbände

11.01.2008, 08:43 Uhr | AFP, dpa

 

Gewaltszene unter Jugendlichen (Quelle: imago) Gewaltszene unter Jugendlichen (Quelle: imago)Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring hat sich in die Debatte über Jugend- und Ausländer-Gewalt eingeschaltet. Der für Vorbeugung zuständige Kriminologe Hans-Dieter Schwind warf den Migranten-Verbänden in Deutschland vor, das Problem krimineller Ausländer zu verharmlosen. Der Vereinsvorstand sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die aktuellen Probleme sind nur die Spitze des Eisbergs. Wenn darauf nicht präventiv wie repressiv reagiert wird, fliegt uns das in den nächsten Jahrzehnten um die Ohren." Zahlreiche Zuwandererorganisationen hatten am Donnerstag in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch über die Fokussierung der Gewaltdebatte auf ausländische Täter geklagt.

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"Staatsbürgerschaft auf Probe"
Man müsse die Diskussion jetzt führen - das Abwiegeln der Migranten-Verbände helfe daher nicht, so Schwind. "Ich würde mir dort deutlich mehr Einsicht wünschen." Tatsache sei, dass türkische Jugendliche dreimal so oft straffällig würden wie deutsche, bei Eingebürgerten sei das Verhältnis gut zwei zu eins. Schwind forderte eine "Staatsbürgerschaft auf Probe", um kriminelle Deutsche mit Migrations-Hintergrund leichter des Landes verweisen zu können. "Wer nach seiner Einbürgerung wiederholt als Gewalttäter auffällt, von dem sollte man sich verabschieden."

Türkische Gemeinde erneuert Kritik
Derweil verschärfte die Türkische Gemeinde in Deutschland ihre Kritik am hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Verbands-Chef Kenan Kolat verglich Kochs Wahlkampf in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" mit Kampagnen der rechtsextremen NPD. Er hoffe, dass Koch von den Wählern die Quittung für seine fremdenfeindliche Politik bekomme.

Richter: Härtere Strafen machen keinen Sinn
Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes erteilte höheren Strafen gegen Jugendliche eine Absage: "Die Politiker tun gerade so, als ließe sich ein Automatismus abrufen: Härtere Strafen, höhere Abschreckung, weniger Kriminalität. Das ist einfach falsch und widerspricht allen Erkenntnissen", sagte Christoph Frank der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die geltende Höchststrafe für Jugendliche von zehn Jahren sei schon sehr hoch, sagte Frank. Eine längere Höchststrafe mache keinen Sinn, diese würde ohnehin fast nur für Tötungsdelikte verhängt. Stattdessen sei es wichtig, "bei weniger schweren Taten schnell und klar zu reagieren".

Mehr Stellen gefordert
Frank sprach sich zudem gegen den sogenannten Warnschussarrest aus. Fast alle jugendlichen Straftäter, die zu einer Bewährungsstrafe verurteilt würden, hätten vorher bereits eine Arreststrafe verbüßt und seien wieder rückfällig geworden. Frank forderte mehr Stellen für die Justiz. "Insgesamt fehlen in Deutschland 4000 Richter und Staatsanwälte." Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer, warnte derweil vor den finanziellen Folgen einer Verschärfung des Jugendstrafrechts. Bei Einführung eines Warnschussarrests müssten bundesweit 800 bis 1000 zusätzliche Gefängniszellen zur Verfügung gestellt werden, sagte Pfeiffer der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

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