Der türkischstämmige SPD-Europaabgeordnete und Unternehmer Vural Öger (Foto: ddp)
Integration? Assimilierung? Der türkischstämmige SPD-Europaabgeordnete und Unternehmer Vural Öger hat die in Deutschland lebenden Türken aufgerufen, Ängste vor einer Assimilierung abzulegen. "Ihr müsst gute deutsche Bürger werden, mit großem türkischen Herzen", sagte Öger.
Der türkische Minister für Auslandstürken, Faruk Celik, hatte europäische Staaten zuvor aufgefordert, eine eigenständige Identität von Einwanderern zu respektieren. Assimilierung sei eine Erniedrigung der Migranten, sagte Celik. Allerdings sollten sich die Einwanderer integrieren und beispielsweise die deutsche Sprache so gut sprechen wie die Deutschen.
Öger riet im Gegensatz dazu, Anstrengungen für eine Integration schon im Kindesalter zu verstärken. Deutschland müsse überlegen, Kindern aus Einwanderer-Familien vom dritten Lebensjahr an kostenlose Kindergärten mit Sprachförderung zu ermöglichen, damit diese in der Grundschule so gut deutsch sprechen können wie die Deutschen. Dies sei der Grundstein für späteren Erfolg in Schule und Beruf.
Als Handlanger des Staates benutzt
Die Angleichung an die Kultur und Lebensumstände in Deutschland sei ein natürlicher Prozess, sagte Öger. Sorge, die eigene Identität aufgeben zu müssen, sollte dies nicht behindern. "Das ist eine der Urängste der Türken, nicht zuletzt wegen ihrer oft nationalistischen Erziehung", sagte Öger. In der Vergangenheit seien türkische Regierungen selbst zu häufig Störfaktor bei der Integration der Türken in Deutschland gewesen, weil sie die Türken als "Handlanger des Staates" benutzt hätten.
Öger seit 1990 deutscher Staatsbürger
Dies sei einer der Gründe für die Identitätskrise der in Deutschland lebenden Türken. "Viele türkische Politiker sind hinter der Zeit", sagte Öger. Der Unternehmer selbst war 1960 nach Deutschland gekommen, baute aus einem kleinen Reisebüro in Hamburg seinen Touristikkonzern Öger Tours auf und ist seit 1990 deutscher Staatsbürger.