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Günter Grass Gedicht "Was gesagt werden muss": Israels Regierung mit Stasi-Methoden

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Grass: Israels Regierung = Stasi

12.04.2012, 16:25 Uhr | dpa

Günter Grass legt in der Debatte um sein Israel-Gedicht nach (Quelle: dpa)

Günter Grass legt in der Debatte um sein Israel-Gedicht nach (Quelle: dpa)

Die Debatte über das umstrittene Israel-Gedicht von Günter Grass dauert an. Jetzt wendet sich der Schriftsteller in scharfer Form gegen das von Israel verhängte Einreiseverbot - und zieht einen Vergleich mit der DDR.

Damit hat der Literaturnobelpreisträger die seit einer Woche andauernde Debatte über seine Israel-Kritik mit einer neuen verbalen Spitze weiter angeheizt: Er bezeichnete das gegen ihn verhängte Einreiseverbot Israels als "Zwangsmaßnahme", die an DDR-Methoden erinnere. Bis dahin hatte sich Grass eigentlich nicht zu dem Verbot äußern wollen.

Ihm sei zuvor zweimal die Einreise in ein Land verboten worden - in die DDR und Ende der 80er Jahre nach Birma, schreibt Grass in der "Süddeutschen Zeitung", wo er auch schon sein umstrittenes Gedicht veröffentlicht hatte. "In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen. Jetzt ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft und dessen Begründung für die von ihm verhängte Zwangsmaßnahme - dem Tonfall nach - an das Verdikt des Ministers Mielke erinnert", schreibt der Autor in dem Beitrag mit der Überschrift "Damals wie heute - meine Antwort auf jüngste Beschlüsse". Erich Mielke war in der DDR Chef der Staatssicherheit.

"Was gesagt werden muss"

"Die DDR gibt es nicht mehr", so der 84-jährige Nobelpreisträger weiter. "Aber als Atommacht von unkontrolliertem Ausmaß begreift sich die israelische Regierung als eigenmächtig und ist bislang keiner Ermahnung zugänglich." Das Einreiseverbot werde seine Erinnerungen an frühere Aufenthalte in Israel aber nicht auslöschen können, meinte Grass in dem Beitrag. Er betonte: "Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden."

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Hintergrund des Einreiseverbotes für Grass ist sein israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss", das am Mittwoch vergangener Woche außer in der Münchner SZ noch in der italienischen Zeitung "La Repubblica" und der spanischen Zeitung "El País" erschienen war und heftige Reaktionen ausgelöst hatte. Der Literaturnobelpreisträger ("Die Blechtrommel") hatte darin geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Der israelische Innenminister Eli Jischai verhängte daraufhin das Einreiseverbot.

Unterstützung und Ablehnung

Unterstützung erhielt Grass jetzt von seinem Schriftstellerkollegen Erich Loest. Der 86-Jährige schrieb in einem von der "Leipziger Volkszeitung" veröffentlichten Brief: "Lieber Günter, wir sind uns einig: Ein nuklearer Angriff Israels wäre ein Kriegsverbrechen mit schrecklichen Folgen."

Hingegen sprach der Schriftsteller Josef Haslinger Grass "die nötige moralische Autorität für dieses Thema" ab. Der Filmproduzent Artur Brauner wandte sich "an den Dichter des Grauens, der Verzerrung, der Provokation gegen Israel". Brauner schrieb in einer Anzeige in der Zeitung "Die Welt", Grass bewirke nur, dass die Verbindung der Juden mit Israel noch stärker werde.

Quelle: dpa

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