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Kostenloser Koran: Islamisten wollen Deutsche bekehren

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Kostenloser Koran: Islamisten wollen Deutsche bekehren

12.04.2012, 18:57 Uhr | dpa

Kostenloser Koran: Islamisten wollen Deutsche bekehren. Umstritten: Salafisten wollen den Koran kostenlos an Millionen Nicht-Muslime verteilen (Quelle: dapd)

Umstritten: Salafisten wollen den Koran kostenlos an Millionen Nicht-Muslime verteilen (Quelle: dapd)

 

Gratis-Korane sollen auch an diesem Samstag in den Fußgängerzonen einer ganzen Reihe von Städten verteilt werden - ein Geschenk der islamistischen Salafisten. Die vom Verfassungsschutz beobachtete extremistische Gruppe drängt an die Öffentlichkeit. Angeblich ist die Aktion bundesweit in etwa 30 Städten geplant, darunter in Bielefeld, Konstanz, Fulda, Bremen, Wiesbaden und Düsseldorf.

Schon am Ostersamstag waren die traditionell gekleideten Männer allein in Nordrhein-Westfalen in 13 Städten aktiv. Insgesamt 25 Millionen Exemplare wollen sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die Leute bringen.

"Subtile Verbreitung der islamistischen Ideologie"

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen schätzt die von dem salafistischen Prediger Abou Nagie organisierte Aktion als "aktuellsten Ausdruck der offensiven Missionierungsarbeit dieser islamistischen Strömung" ein. Was sich vordergründig eine Verteilaktion nenne, sei in Wahrheit die subtile Verbreitung einer islamistischen Ideologie. Im Internet nennt Abou Nagie das Geschenk an die "Nicht-Muslime" eine "herzliche Einladung zur einzig wahren Religion, dem Islam".

Foto-Serie: Salafisten auf Mission

Der Drahtzieher wird als Hassprediger eingestuft. Vor dem Amtsgericht Köln ist gegen ihn Anklage erhoben worden, weil er zu Straftaten aufgerufen und andere religiöse Bekenntnisse - Christen- und Judentum - beschimpft haben soll. Der politische Salafismus gilt als ein ideologischer Nährboden für den internationalen Terrorismus.

Gefahr für junge Leute

"Viel läuft übers Internet", berichtet Christoph Grotepass, Berater bei der Sekten-Info in Nordrhein-Westfalen. Wer nach Informationen über den Islam suche, lande schnell auf den Seiten der islamistischen Salafisten. Und da finden sich oft Video-Botschaften der Prediger. "Das sind dann keine alten Männer, es sind junge Leute", sagt Grotepass und warnt: "Es ist interessant, etwas anderes."

Salafisten predigen den Islam als Lösung und die westliche Welt als verwerflich. Scheidungen, Frauen in kurzen Röcken: "Willst Du, dass Deine Schwester so herumläuft?" Orientierungslose junge Leute werden angesprochen durch ein System mit simpler Ansage, das in die Parallelwelt hineinführen kann. Die Sekten-Info NRW weiß um die Verzweiflung von Eltern, wenn eine westlich aufgewachsene Tochter plötzlich nur noch Schleier tragen und sich ihrem Mann völlig unterordnen will.

Bürger wehren sich gegen Hassprediger

Bundesweit gibt es laut Verfassungsschutz etwa 2700 Salafisten, im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind es rund 500. Einer ihrer Treffpunkte ist eine Hinterhof-Moschee in Solingen. Die Stadt im Bergischen Land wehrt sich gegen "Hassprediger aller Schattierungen". Mehr als 1000 Bürger haben unterschrieben. Ein Radikalprediger aus Österreich, der bis vor kurzem in der Milliatu-Ibrahim-Moschee das Wort führte, ist nicht mehr in Solingen. Er predigt inzwischen in Hessen.

Politiker befürchten Missbrauch

Politiker verschiedener Parteien wollen verhindern, dass radikale Salafisten die massenhafte Abgabe kostenloser Koran-Exemplare in Deutschland für extremistische Zwecke missbrauchen. Unionsfraktionschef Volker Kauder verlangte, die Finanzierung der Aktion zu klären. SPD-Innenexperte Michael Hartmann forderte Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) auf, ein Verbot der radikalen Salafisten zu prüfen.

Kauder sagte: "Ich verurteile die Aktion scharf. Der Koran wird hier für extremistische Umtriebe missbraucht." Zurecht distanzierten sich muslimische Verbände in Deutschland von diesem Missbrauch der Religionsfreiheit. "Im Übrigen würde mich dringend interessieren, woher das Geld für diese Aktion stammt", sagte der CDU-Politiker.

Diskurs und wehrhafte Demokratie gegen Aktion

SPD-Innenexperte Hartmann sagte der "Saarbrücker Zeitung": "In einem freien Land darf selbstverständlich die Heilige Schrift einer Weltreligion verbreitet werden. Ein liberaler Rechtsstaat hält dies mit Leichtigkeit aus. Salafistischen Umtrieben hingegen muss eine offene Gesellschaft mit den Mitteln des Diskurses und auch der wehrhaften Demokratie begegnet werden."

Die Organisation "Die wahre Religion", die zu den Salafisten zählt, hat bei der Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel bereits Hunderttausende Korane drucken lassen. Die Druckerei prüft den Auftrag nun. Dass der Auftraggeber "im kritischen Licht" steht, sei dem Verlag bekannt, sagte ein Druckerei-Sprecher der dpa. "Wir hatten das am Anfang prüfen lassen durch den Verfassungsschutz und die Kripo." Der Druck sei als "unbedenklich" eingestuft worden. "Für uns ist das ein Auftraggeber wie jeder andere auch. Wir produzieren für unsere Kunden, wie vermarktet und verteilt wird, darauf haben wir keinen Einfluss."

"Verbot mit Rechtsstaat nicht vereinbar"

Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Solange bei der konkreten Verteilung in Fußgängerzonen oder anderswo keine Gesetze verletzt werden, ist ein Verbot nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar." Piltz forderte mehr Aufklärung, welche Botschaft friedlicher Glaubensausübung der Koran für die weit überwiegende Mehrheit der Muslime enthalte. "Die schwarzen Schafe des radikalen Salafismus dürfen nicht mit dem Islam verwechselt werden."

"Die Welt" meldete, Journalisten der "Frankfurter Rundschau" und des "Tagesspiegel" in Berlin, die kritisch über die Aktion berichtet hätten, seien in einem vierminütigen Video auf YouTube namentlich genannt und bedroht worden. Darin sei von "Schweinen" und "Affen" die Rede, die verlogene Berichte über DawaFFM (eine Salafisten-Gruppe im Raum Frankfurt) veröffentlicht hätten.

"Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist"

Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten. Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und bestehen auf der Vollverschleierung von Frauen. Dass Salafisten den Koran auf Deutsch verteilen, obwohl für sie die Sprache Gottes Arabisch ist, warf zunächst Fragen auf. Im Konzept für die Aktion steht aber, es handele sich um die "ungefähre Übersetzung". Der Koran auf Arabisch sei für religiöse Zwecke bestimmt.

Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm hatte im Sommer gewarnt: "Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist. Aber fast alle Terroristen, die wir kennen, hatten Kontakt zu Salafisten oder sind Salafisten." Auch der Frankfurter Attentäter vom März 2011 hatte im Internet Kontakte zu Salafisten. Der Mann schoss auf US-Soldaten und verletzte zwei davon tödlich. Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Als Rechtsordnung hat für sie nur die Scharia Gültigkeit.

 
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