22.11.2012, 10:13 Uhr | dapd
Der feige Angriff erfolgt in der Dunkelheit: Rechtsextremisten setzen in der Nacht zum 23. November 1992 mit Molotowcocktails zwei überwiegend von Türken bewohnte Häuser in der Möllner Mühlenstraße in Brand. Drei Menschen sterben, neun weitere werden zum Teil schwer verletzt.
Mit den Attacken schlagen die Täter vor 20 Jahren ein neues, schreckliches Kapitel auf. Zwar hatte es in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung zahlreiche ausländerfeindliche Vorfälle gegeben - doch dies ist der erste derartige Anschlag mit Todesopfern.
In dem ersten Haus, das die beiden Täter attackieren, erleiden neun Bewohner teilweise schwere Verletzungen. In den Flammen des zweiten Hauses sterben eine alte Frau, Bahide Arslan, und ihre zehn und 14 Jahre jungen Enkeltöchter Yeliz und Ayse.
Am Tag nach dem Möllner Anschlag gehen in mehreren deutschen Städten Tausende von Menschen auf die Straßen, um gegen Fremdenhass zu demonstrieren. Anfang Dezember 1992 protestieren in München mehrere Hunderttausend Menschen mit einer Lichterkette gegen die brutalen Übergriffe auf Ausländer.
Kurz nach dem Mordanschlag gibt es Bekenneranrufe bei der Polizei. Sie schließen mit den Worten "Heil Hitler". Bereits wenige Tage später werden zwei der Skinheadszene zugeordnete Täter festgenommen.
Das Verfahren vor dem schleswig-holsteinischen Oberlandesgericht zieht schließlich die Bundesanwaltschaft an sich. "Das war ein Novum", erinnert sich der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller. Er persönlich habe das "für richtig empfunden".
Gut ein Jahr nach der Tat verurteilt das Oberlandesgericht Lars C. am 8. Dezember 1993 zu zehn Jahren Jugendstrafe. Er bestreitet die Vorwürfe bis zuletzt. Der zweite Täter, Michael P., erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe. P. gesteht zunächst, widerruft sein Geständnis aber später.
An ihrer Schuld hat der mittlerweile pensionierte Richter Hanns-Jürgen Hansen jedoch bis heute keine Zweifel. "Es waren zum Teil winzige Indizien, die einem erfahrenden Richter entscheidende Hinweise gaben", sagt er dem "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag". Hansen war einer der fünf Richter in dem Verfahren vor dem Staatsschutzsenat.
Mittlerweile befinden sich die beiden Täter wieder auf freiem Fuß. "Sie haben ihre Strafe verbüßt und nach dem Sinn unseres Strafrechts ihr Verbrechen gesühnt", sagt Richter Hansen.
Die Angehörigen der Opfer leiden jedoch weiter an den schlimmen Folgen des feigen Anschlags. Er würde gerne wissen, "ob die das wirklich bereuen, was sie getan haben", sagt Ibrahim Arslan in der Dokumentation "Nach dem Brand", die der NDR am 22. November ausstrahlt. In den Flammen starben seine Schwester und seine Großmutter.
"Mölln war ja kein singulärer Vorfall, sondern Teil einer Kette von Ereignissen", meint Bürgermeister Jan Wiegels heute. Der Anschlag hätte die Stadt aber "auf jeden Fall verändert".
Noch heute erinnern eine Gedenktafel und ein Holzbalken mit stilisierten Flammen an der Hauswand der Mühlenstraße an das Drama, das sich im Innern des Hauses in der Nacht zum 23. November abspielt. Das Gebäude trägt heute den Namen der darin getöteten Bahide Arslan.
Quelle: dapd
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