14.11.2012, 17:33 Uhr | dpa, dapd
Die ersten Vorwürfe gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff, die am Ende zum Rücktritt führten, sollen aus seiner engsten Nähe in Hannover in die Öffentlichkeit gelangt sein. Das ist eine der Aussagen des Buches "Affäre Wulff", das die "Bild"- Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch jetzt vorgelegt haben.
Es ging dabei zunächst um den Privatkredit für Wulffs Eigenheim in Großburgwedel. Zwei Monate, nachdem die ersten Berichte auftauchten, musste Wulff am 17. Februar 2012 zurücktreten.
Die beiden Journalisten waren für ihre Recherchen in der Affäre Wulff mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet worden. Jetzt beschreiben sie detailliert ihre Erkenntnisse zum Kauf des Wulff-Hauses und andere Vorwürfe. "Hinweise auf mögliche Mauscheleien ... kommen auch direkt aus der niedersächsischen Staatskanzlei", heißt es etwa.
Wulff habe auf dem "Weg nach ganz oben Enttäuschte" zurückgelassen, "die lange Wegbereiter waren und auf der Strecke blieben".
Einer der Höhepunkte der Affäre war der Anruf Wulffs auf die Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, der in Teilen dokumentiert wird. Auch ein zweiter Anruf bei Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner wird erwähnt. Am Abend des 12. Dezember 2011 ging "Bild" mit der Geschichte in die Öffentlichkeit, obwohl Wulff dies mit seinen Anrufen verhindern wollte.
Zudem berichten die beiden Journalisten, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Wulff und seinem Sprecher Olaf Glaeseker bereits vor dessen Entlassung "schwer belastet" gewesen sei. So habe Wulff Glaeseker nach dessen Darstellung von seiner Nachricht auf der Mailbox von Diekmann "nicht informiert".
Am Ende stürzte Wulff nicht über den Kredit, sondern über seine Beziehungen zum Filmunternehmer David Groenewold. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung sind bis heute nicht abgeschlossen.
Ex-Tagesthemen-Anchorman Ulrich Wickert, der das Buch zusammen mit den beiden Autoren vorstellte, verglich es mit dem deutschen Spielfilm "Der blaue Engel" nach dem Roman "Professor Unrat" von Heinrich Mann.
Darin verliebt sich ein älterer Lehrer in eine Frau aus dem Varieté und geht daran zugrunde. Auch Wulff habe sich - aus kleinen Verhältnissen kommend - auf dem Weg nach oben stets "sehr stark" um sein Image gesorgt. Mit neuer Partnerin sei dann der "Bruch" gekommen - bis hin zur "kleinteiligen" Schnäppchenaffäre. Ein "deutsches Sittengemälde" eben.
Quelle: dpa, dapd
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