20.01.2013, 14:10 Uhr | dapd
Die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan werden in der kommenden Woche noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Dann will die Universität Düsseldorf darüber entscheiden, ob ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels der CDU-Politikern eingeleitet wird. Doch Schavan erhält immer mehr Rückendeckung: Neben namhaften Wissenschaftlern bricht nun auch Kanzlerin Angela Merkel eine Lanze für ihre Parteigenossin.
Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel stehe fest zu ihrer engen Vertrauten, heißt es laut "Spiegel" aus der Regierungszentrale. Schavans Rücktritt komme nicht infrage. Die Ministerin selbst denkt trotz der seit Monaten schwelenden Affäre ebenfalls nicht an Rückzug: Die CDU-Politikerin will sich in jedem Fall am Freitag als Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau nominieren lassen.
"Ich trete am 25. Januar an. Das bin ich der Wissenschaft schuldig", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die 57-Jährige will auch dann kandidieren, wenn ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktorgrades eingeleitet wird.
Rückendeckung dafür erhält sie offenbar auch von ihrem Wahlkreis in Ulm (Baden-Württemberg). Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Ulmer Gemeinderat, Thomas Kienle, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der CDU-Kreisverband wolle an Schavans Nominierung selbst dann festhalten, wenn sie von ihrem Ministeramt zurücktreten müsse.
Der ehemalige Präsident der Humboldt-Universität Berlin, Christoph Markschies, sagte der Zeitung "Welt am Sonntag", er halte die Fehler in Schavans Dissertation für nicht drastisch genug, um den Doktorgrad abzuerkennen. "Die Mängel in der Arbeit sind offensichtlich, ich sehe jedoch keine Täuschungsabsicht", sagte Markschies.
Er habe die Doktorarbeit gelesen und viele der Vorwürfe geprüft. "Wenn die Universität Düsseldorf in diesem Verfahren den Titel entzieht, dann müsste sie sicherlich noch vielen anderen Personen den Doktorgrad entziehen", sagte er.
Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 1980 verfassten Doktorarbeit "Person und Gewissen" Textpassagen unsauber übernommen und Quellen nicht klar gekennzeichnet zu haben. Die Ministerin hat wiederholt beteuert, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt zu haben. In einem im vergangenen Oktober bekannt gewordenen internen Prüfbericht wurde Schavan hingegen eine "leitende Täuschungsabsicht" bescheinigt.
Der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, kritisierte den Umgang mit Schavan. Es stelle sich die Frage, ob es moralisch und fair sei, wenn ein Schavan belastendes Gutachten in die Öffentlichkeit gelange und sie nicht die Chance einer Anhörung erhalte.
Der Experte für wissenschaftliches Arbeiten, Manuel Theisen von der Ludwig-Maximilians-Universität München, sieht die Universität Düsseldorf nach dem eindeutigen ersten Gutachten in Zugzwang: "Wenn die Prüfung einer Universität feststellt, dass es sich um einen Betrug handelt, dann ist die Entscheidung klar", sagte Theisen. So wäre es bei "jedem x-beliebigen Studenten. Für Frau Schavan kann es keine Ausnahme von der Regel geben".
Schavan war stellvertretende CDU-Vorsitzende und gilt als eine der wenigen engen Vertrauten von Bundeskanzlerin Merkel. Zehn Jahre war die CDU-Politikerin Kultusministerin in Baden-Württemberg. Seit 2005 ist sie Bundesministerin für Bildung und Forschung in Berlin.
Quelle: dapd
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