29.06.2013, 18:27 Uhr | dpa
Die hungerstreikenden Asylbewerber in München haben am Freitag vorübergehend mit Selbstmord nach dem Vorbild des RAF-Terroristen Holger Meins gedroht.
In einer als "unsere letzte Nachricht" betitelten Erklärung kündigte der Sprecher der Gruppe an, ärztliche Hilfe zu verweigern, bis die Asylanträge erfüllt seien. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stellte aber klar, dass er ärztliche Hilfe notfalls auch mit der Polizei durchsetzen werde. Die Hungerstreikenden lenkten ein und ließen sich weiter betreuen. "Es hat keine Probleme gegeben", sagte Stadtsprecher Stefan Hauf am Abend.
Die rund 50 Asylbewerber weigern sich seit Dienstag auch zu trinken. In der Regel verdursten Menschen nach wenigen Tagen ohne Wasser. Sie kündigten am Freitag zunächst an, sie würden bis zur Erfüllung ihrer Forderung jede Behandlung von Ärzten zurückweisen.
"Die deutsche Regierung muss erkennen, dass politische Spiele vorüber sind und dass es nur zwei Einbahnstraßen zu beschreiten gibt", hieß es in der Mitteilung: "Entweder die Erfüllung der exakten Forderung der hungerstreikenden Asylsuchenden oder Bobby Sands und Holger Meins auf den Straßen Münchens."
Der RAF-Terrorist Meins war 1974 an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis gestorben, Bobby Sands war Mitglied der nordirischen Terrorgruppe IRA und hatte sich 1981 zu Tode gehungert.
Ude betonte, die Behörden hätten jederzeit das Recht, Ärzte in das Camp in der Innenstadt zu schicken. "Dem Versammlungsleiter ist ausdrücklich verboten, das zu behindern. Das wäre eine Straftat", warnte der Oberbürgermeister. Er appellierte an die Sympathisanten der Gruppe, den Ernst der Lage und die Aussichtslosigkeit ihrer Maximalforderung zu erkennen.
Eine sofortige Anerkennung ihrer Asylanträge sei nicht möglich. Die hungerstreikenden Asylbewerber ließen sich schließlich weiter von Ärzten betreuen. So trugen Sanitäter einen geschwächten Mann aus dem Camp zu einem Krankenwagen.
Die bayerische Landesregierung und die Stadt München wollen den Konflikt mit den hungerstreikenden Asylbewerbern nun mit Hilfe von zwei Vermittlern entschärfen. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel (87) und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (73), sollen zwischen Asylbewerbern und Behörden vermitteln.
Dies kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einem Krisentreffen in der Staatskanzlei an. Daran nahm auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude teil, der bei der Landtagswahl im September als SPD-Spitzenkandidat gegen Seehofer antritt.
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