23.07.2013, 16:09 Uhr | dpa
Mit eindringlichen Appellen möchte das Simon-Wiesenthal-Zentrum die Bürger einbinden (Quelle: AP/dpa)
"Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II": Mit diesem Motto ruft das Simon-Wiesenthal-Zentrum die Bevölkerung dazu auf, die Suche nach den letzten Nazi-Verbrechern zu unterstützen. 68 Jahre nach dem Ende der Terrorherrschaft des Dritten Reichs gibt es Kritik von unerwarteter Seite.
"Einige der Täter sind frei und am Leben! Helfen Sie uns, diese vor Gericht zu bringen", heißt es auf 2000 Plakaten, die zwei Wochen lang in Berlin, Hamburg und Köln zu sehen sein werden.
Für sachdienliche Hinweise ist eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt. Ein Umstand, der auf Kritik stieß: Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn lehnte das "ausgeschriebene Kopfgeld" allerdings als "pietät- und schamlos" gegenüber den Millionen Opfern des Nationalsozialismus ab.
Die Plakataktion rufe eher Mitleid mit den betagten Kriegsverbrechern hervor, sagte Wolffsohn dem Deutschlandradio Kultur. Ähnlich sei das auch beim Prozess gegen den inzwischen verurteilten KZ-Wachmann John Demjanjuk gewesen.
"25.000 Euro für Schwerstverbrecher", empfand Wolffsohn nicht nur als völlig unangemessen. Der Historiker nannte vielmehr den Gedanken absurd, die NS-Verbrechen mit Zahlen aufzuwiegen. Viel wichtiger sei, dass eine solide, intensive Aufarbeitung der NS-Verbrechen weitergehe.
Der Initiator der Kampagne, Efraim Zuroff, begründete diese mit der inzwischen erleichterten Strafverfolgung von Nazi-Verbrechern in Deutschland. Mit der Verurteilung Demjanjuks in München 2011 habe sich die Rechtslage geändert, sagte er zum Auftakt der Plakataktion in Berlin.
Inzwischen genüge der Nachweis, dass Menschen in Vernichtungslagern und mobilen Mordkommandos Dienst getan hätten. Vorher habe immer ein spezifisches Verbrechen an einem bestimmten Menschen nachgewiesen werden müssen.
Zuroff schätzte die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf 60 bis 120. Die Gesuchten dürften um die 90 Jahre oder noch älter sein. Ihr hohes Alter dürfe sie nicht davor schützen, für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie hätten unschuldige Menschen ermordet.
"Sie haben kein Mitleid mit den Opfern", unterstrich Zuroff und erläuterte die klare Aufgabenverteilung. Das Wiesenthal-Zentrum könne als Nicht-Regierungs-Organisation niemanden anklagen und vor Gericht bringen. Es wolle nur den Regierungen helfen, die untergetauchten Täter zu finden.
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23.07.2013, 16:09 Uhr | dpa
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